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Ein Wunder aus Papier

Ur-Tapete: Engelsköpfe und Fantasiearchitektur - 19.02.2009

Beim Betrachten der Tapete aus der Renaissancezeit: Bauherrin Heike Hummel (v. l.), Thomas Wenderoth vom Landesamt für Denkmalpflege und Arlett Seidel von der Fachhochschule Erfurt. © Grassl


«Phänomenal, sensationell» ist die Entdeckung bei der Renovierung des Anwesens aus dem Jahr 1463 – in ihrer Begeisterung sind sich die Fachleute aus der Denkmalpflege einig. In einer Stube mit Bohlen-Balken-Decken im ersten Stock tauchten bei den Umbauarbeiten, wie berichtet, hinter einer Holzverschalung sogenannte Fladerpapiere auf, die gegen Ende des 16. Jahrhunderts bedruckt wurden. Es handelt sich um die ältesten bekannten Tapeten aus Papier in einem Bürgerhaus. Fladerpapiere imitieren edles Holz, in diesem Fall Eschenfurnier, das damals bei Möbeln sehr beliebt war. «Imitieren klingt dabei zu negativ, billig», meint dazu Vollmar. «Es ging aber hier nicht darum zu sparen, sondern ein neues Medium, Papierdrucke, zur Wandgestaltung zu nutzen, nichts Künstliches sondern Künstlerisches zu schaffen.» Das Tapetenstück, das hinter der 200 Jahre alten Holzvertäfelung gefunden wurde, zeigt zudem noch eine mehrfarbige Architekturdarstellung des Druckers Erasmus Loy aus

Regensburg.

Arlett Seidel aus Erfurt hat die Freilegung und Restaurierung der Fragmente an den Wänden und den Deckenbalken in etwa 300 Stunden Arbeit geleistet – die Windsheimer Renaissancetapeten sind Thema ihrer Diplomarbeit. Gerade an der Decke musste sie dazu zahlreiche Farbschichten entfernen und die Tapetenteile mit Leim fixieren.

Nach Abschluss der Restaurierung sowie der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Fundes wird fast alles wieder im Dunkeln liegen: die Decke wird abgehängt, die Wände verkleidet. Jedoch soll ein Sichtfenster einen Blick in die Vergangenheit, auf die Architekturfantasie aus der Renaissancezeit, erlauben. Gabriele Grassl 

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