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Die Grundig-Türme als zweites Zirndorf?

Gerd Schmelzer bot dem Freistaat die Immobilien für Flüchtlinge an - 01.08.2014 05:58 Uhr

Seit einer kleinen Ewigkeit eingerüstet: Die Grundig-Türme könnten zur Aufnahme­einrichtung für Flüchtlinge werden.

Seit einer kleinen Ewigkeit eingerüstet: Die Grundig-Türme könnten zur Aufnahme­einrichtung für Flüchtlinge werden. © Stefan Hippel


Einen Mietvertrag über 15 Jahre zum „ortsüblichen Mietzins“ bietet der Freistaat im Internet für eine Immobilie, die Platz für 500 bis 800 Menschen hat. Ein weiteres Aufnahmelager soll entstehen, um das chronisch überlastete in Zirndorf zu ergänzen - zum Beispiel in Nürnberg. Die seit einer kleinen Ewigkeit eingerüsteten Türme der ehemaligen Arbeiterunterkünfte am Dutzendteich könnten dafür infrage kommen.

Ja, er habe sich beworben, sagt Gerd Schmelzer, der Chef der Alpha-Gruppe, der hier eigentlich ein feines Tagungshotel mit S-Bahn-Anschluss installieren wollte. Doch seit er die Hochhäuser 2008 vom Land Bayern gekauft hat, fand sich noch kein Interessent für das Hotel.

Schmelzer hat Erfahrung

Schmelzer hat Erfahrung in dem Geschäft, das angesichts der aktuellen Flüchtlingszahlen eine rosige Zukunft hat. Erst vor zwei Jahren sanierte der Immobilienentwickler eine neue Asylbewerber-Unterkunft am Kohlenhof und vermietete sie an den Freistaat. 33 neue Flüchtlinge jede Woche muss die Stadt durchschnittlich unterbringen. Kein Wunder, dass händeringend Objekte gesucht werden, jeder Stein umgedreht wird.

Mit der fast fertigen, neuen Zentrale der Nürnberger Team-Bank neben den 16 und 17 Etagen hohen Grundig-Türmen hat Schmelzer immerhin Nachbarn, die angesichts der Pläne nicht aufschreien, wie das etwa die Anrainer einer avisierten Unterkunft im Eibacher Gewerbegebiet tun. Dort ist sogar eine Klage anhängig.

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„Sehr gelassen“ sehe man das Thema, kommentiert dagegen TeamBank-Sprecherin Ute Scharnagl. Fairness und wertschätzender Umgang miteinander seien ideelle Werte der Bank, sie gälten auch gegenüber Asylbewerbern.

Dass Sozialamtschef Dieter Maly seine Notfall-Pläne für diesen Sommer dann doch in der Schublade lassen konnte und das BRK keine Zelte aufbauen musste, liegt auch an zwei ehemaligen Hotels am Hafen und am Stadtpark, die zusammen mit einer neuen Unterkunft der Regierung von Mittelfranken am Rangierbahnhof 260 neue Plätze erbrachten. Doch die Prognosen sind eindeutig. Zwischen 500 und 700 Wohnheimplätze müssen heuer noch aus dem Boden gestampft werden. Allein eingereiste, minderjährige Asylbewerber sind da noch gar nicht mitgezählt.

"Wir brauchen Betten"

Dass die Kommune demnächst zwei weitere Hotels in der Altstadt und im Süden Nürnbergs mit Platz für insgesamt 140 Flüchtlinge anmieten kann und der Freistaat im Gebäude des ehemaligen Quelle-Kundendienstes in Eibach in etwa einem Jahr 250 Menschen unterbringen will, solche Nachrichten lassen Maly aufatmen. „Wir werden uns über den August hangeln“, sagt er, „aber wir suchen dringend. Wir brauchen Betten.“ Wer eine passende Immobilie hat, soll sich unter der Telefonnummer (09 11) 2 31 26 50 melden.

Drei Kirchengemeinden, deren Jugendarbeit zu wenig Nachfrage hat, boten der Kommune Räume an. Auch hier allerdings müssten erst Duschen, Gemeinschaftsküchen und Zimmer eingebaut werden, bevor die Hilfesuchenden einziehen können. Seit die Stadt die vorgegebene Quote nicht mehr erfüllt, die bei 33 Prozent aller in Mittelfranken ankommenden Flüchtlinge liegt, ist die Stadtverwaltung - neben der Regierung Mittelfranken - auf der Suche. Wobei Dieter Maly lieber auf kleinere Einheiten setzen würde. Sie seien preisgünstiger, humaner und brächten nicht so viele Konflikte mit sich wie Häuser für über 100 Menschen.

Wenn sich Nachbarn empört gegen Asyl-Unterkünfte wehren, hält der Sozialamtschef das nicht für Rassismus, sondern schlicht für Fremdenfeindlichkeit. Wer Flüchtlinge persönlich kennenlerne, der denke um.

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Claudine Stauber

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