Mittwoch, 12.12.2018

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Einfach nur der Trommel folgen

Westafrikanische Tänze machen Franken locker - 13.11.2009

Arme weit, Füße locker – und los geht’s beim afrikanischen Tanz. Lehrerin Sylvia Mograbi zeigt westafrikanische Varianten. © Niklas


Vier Wochen lang gibt Sylvia Mograbi hier ihren Workshop. Auf dem Plan stehen Djembé-Tänze, die in Westafrika weit verbreitet sind. Heute ist der Djole dran, ein Fest-Tanz der Susu. «Sobald die Trommel ruft sollen die Leute ihr folgen und tanzen», erläutert Sylvia Mograbi den Inhalt. Zuerst aber wird sich zu lauten Rhythmen eingetanzt. Der ganze Körper ist im Einsatz. In den müden Gesichtern weicht die Anspannung einem entspannten Lächeln. Als die Tanzlehrerin den Ruf singt, fühlt man sich in die Savannen und Steppen Afrikas versetzt. Wie eine echte Susu singt die zierliche Erlangerin, froh und unbeschwert. Die rund 20 Teilnehmerinnen und der einzige männliche Teilnehmer singen ihr sofort fehlerfrei im Chor nach.

Der Beat von Trommler Kassim Traore wird immer schneller, die Tänzer zeigen mehr Körpereinsatz. Die Musik ist so eingängig, dass die Schritte quasi von selbst auf den Boden übersetzt werden.

Sylvia Mograbi hat unter anderem in Guinea, Mali und dem Senegal viel über die afrikanische Kultur gelernt. «Mit meinen naiven Vorstellungen damals, die man im Alter von 18 Jahren hat, war ich fasziniert, dass die Leute überall tanzen. Männer wie Frauen tanzen in der Kirche, abends beim Fußballspiel, im Wohnzimmer. Das Schöne war, dass man dazugehört – ohne Sprachkenntnisse – einfach nur durch das Mittanzen.»

Wiederholt macht sie die Schritte vor. «Sylvia nimmt jeden in der Gruppe mit und nimmt sich für die einzelnen Schwierigkeiten auch Zeit», erklärt Elke Wisgalla, die schon die unterschiedlichsten Tanzstile unter Anleitung von Sylvia Mograbi gelernt hat. Der Djole ist ein Ganzkörpertanz – heiß, schweißtreibend, temperamentvoll. Die Teilnehmer berühren mit ihren Füßen fast gar nicht mehr den Boden. Sie schwingen die Arme, tanzen sich in Trance wie bei einer Gabenbitte. Einer jungen Frau macht es so viel Spaß, dass ihr ein «Juhu!» entrutscht. Ein paar andere haben leichte Choreographieschwächen – doch das spielt keine Rolle. Hier geht es um den Spaß, die Bewegung.

«Hört immer auf den Takt der Trommel. In Afrika sind Tanz und Trommel eins», motiviert die Lehrerin. «Dieser ganze Rhythmus gibt mir innerlich Power, Antrieb und Dynamik. Ein wahnsinniges Gefühl von Freiheit und Spaß», sagt Sabrina Thomann, auch eine Tanzbegeisterte.

Später wird aus dem Gruppen- ein Paartanz. Jedem steht ein Partner gegenüber. «Es geht darum, dass ihr nicht alleine tanzt, schaut euch an. Habt Anteil aneinander», ruft Sylvia Mograbi in die Truppe. Und dann: Fremde gucken sich an, es zieht sich ein breites Lächeln durch den Saal. Glückliche, federleichte Tänzer – wie automatisch werden die Bewegungen runder und einheitlicher. «Das Tolle am Djole und den anderen Tänzen der Susu ist, dass man die Schritte groovy oder mit viel Echauffement, also mit viel Inbrunst und Antrieb, tanzen kann», gibt Sylvia Mograbi ihren Schülern noch mit auf den Weg.

www.sylvia-mograbi.de 

Andrea Munkert

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