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Filmbegeisterte Franken versetzen "Pulp Fiction" in die Region

Keine Gnade für Hefeweizen-Diebe! - 01.02.2012 07:36 Uhr

Das Filmplakat im schönsten Quentin-Tarantino-Look.


Beim dem Auftrag, den sie gerade in der Mache haben, gibt es wenigstens keine solchen Verirrungen: Stattdessen futtern die Opfer von Finzi und Co. gerade „Bressag zum Frühstück“, dazu gibts ein Hefeweizen. Was nichts daran ändert, dass einigen der Besuchten demnächst ihr Lebenslicht ausgeblasen wird, denn sie haben ihren „Kabbo“ schmählich hintergangen und sein Premium-Weizen geklaut.

Dieser große Boss hat es allerdings auch faustdick hinter den Ohren: Er organisiert krumme Dinger beim Preisschafkopfen und hat einen seiner Arbeiter, der seiner Holden auf der Kärwa zu nahe gekommen ist, zum direkten Abstieg vom Baugerüst verholfen. Den Sturz hat der Unglückliche zwar überlebt, aber dafür kann er nun – für einen Franken besonders tragisch – kein „R“ mehr rollen.

Der geradezu unglaubliche Plot ließe sich noch um einiges fortsetzen, doch es dürfte schon längst gedämmert haben: Bei dieser Story handelt es sich um nichts anderes als um eine rot-weiße Adaption der genialen Gangster-Trash-Ballade namens „Pulp Fiction“ von Quentin Tarantino. Anders als die meisten Film-Nachbearbeiter auf YouTube haben sich Stefan Solfrank und seine Freunde allerdings entschlossen, die Vorlage auch wirklich als selbstgemachten Film umzusetzen. Mit Erfolg: Das Projekt hat es schon auf etliche Folgen gebracht, die allesamt mit absolut sehenswertem Filmverstand realisiert wurden.

"Wir sind beide absolute Filmfreaks“, berichten Stefan Solfrank und Claus Holzammer, die in „Fränggisch Figgdschn“ auch die regionalen Zwillinge von Vincent Vega und Jules Winnfield verkörpern. Als leidenschaftliche Kinogänger und ebenso begeisterte Franken mussten sie feststellen, dass es im Internet zwar zuhauf bayrische und schwäbische Synchronfassungen von „Pulp Fiction“ gibt, aber keine fränkische. Solfrank, der schon immer auch das Filmemachen im Blut hatte und nach eigenen Angaben schon „allen möglichen Unsinn“ vor die Kamera brachte, entschloss sich schließlich, noch eins draufzusetzen. Nach dem Motto „Es macht doch viel mehr Spaß, das alles nachzudrehen!“ gelang es ihm, eine komplette Filmcrew auf die Beine zu stellen.
 

Streifzug durch fränkische Videoclips bei Youtube


„Gleich gibts Ärger!“ macht der fränkische „Chups“ Winnfield (Claus Holzammer, rechts) dem Missetäter klar. © privat


„Am Anfang hatten wir auch gar nicht daran gedacht, so viele Episoden zu drehen“, erzählt er, „aber die Sache hat sich immer weiter entwickelt.“ Mittlerweile stehen schon sieben „Fränggisch Figgsdchn“-Folgen bei YouTube online, und es sollen noch einige weitere folgen. „Auf jeden Fall kommt noch eine große Überraschung!“ versprechen die beiden, „Ideen haben wir jedenfalls mehr als genug.“

Dabei waren die technischen Schwierigkeiten, die es zu meistern galt, nicht ohne. Für die erste Szene im fahrenden Auto musste der Filmdreh noch einmal in einer Werkstatthalle wiederholt werden, da sich der meist an der Rothenburger Straße aufgenommene Hintergrund nicht einkopieren ließ. „Wir werden aber mit jeder Episode sicherer“, meinen Solfrank und Holzammer. Überraschungen bleiben natürlich dennoch nicht aus.

So kostete es dem fränkische Jules Winnfield alias „Chups“ viel Überwindung, als er gleich mehrfach vor laufender Kamera in einen Presssack beißen musste („eigentlich hasse ich den wie die Pest!“) und ein anderes Mal erregten die beiden in ihrer Gangsterkluft großes Aufsehen, als sie in der Drehpause bei der Sparkasse Geld abheben wollten. Der Lob für die Bemühungen sind durch die Bank gute Nutzerkommentare, die auch von Nicht-Franken kommen. „Nur auf den Anruf von Quentin Tarantino warten wir immer noch“, bedauern die beiden. 

Clemens Helldörfer E-Mail

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