Sonntag, 18.11.2018

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Für das «Orpheum» wird ein Mieter gesucht

Das Happy End lässt auf sich warten - 11.06.2010

Eine Mischung aus Gründerstil und Kapelle – das Orpheum gilt als architektonisch einzigartig in Nürnberg. Foto: Dennhardt


Heute wird man die Vierecke in den Wänden nicht mehr brauchen. Kultur ja, aber Film nein. Dafür sei die Konkurrenz durch die modernen Multiplex-Kinos zu groß, erklärt Johannes Dennhardt. Der junge Mann verwaltet das Erbstück, das seit Ende des Zweiten Weltkrieges in Familienbesitz ist und will es gut an den Mieter bringen. Endlich sollen die Zeiten vorbei sein, in denen das Orpheum leer stand, als Ruine galt.

Vorbei auch die Ära, als bis vor zwölf Jahren noch Bananen, Säfte oder andere Lebensmittel im Supermarkt hier in der Halle verkauft wurden. Danach kamen ein Bettenhaus und ein Anbieter für Designermöbel. Denn: Seit Mitte der 60er Jahre stehen die Filmapparate still. Eine schwierige Zeit für die kleinen Lichtspiel-häuser im Land, drängten doch damals die Fernsehgeräte in die bundesdeutschen Wohnzimmer. Nur die riesigen Deckenleuchter und die Schlitze in der Wand des Bildwerferraumes zeugen noch von der Zeit, als Lichtspielhäuser die Oper des neuen Bildungsbürgertums waren.

«Im hinteren Bereich ist es ein Altbau und der hat natürlich Altbau-typische Macken. Wir sind gerade dabei, diese auszumerzen – nachdem wir den vorderen Bereich schon saniert haben.» Ein neuer Mieter soll also her. Der letzte versuchte dort, wo früher Reihe für Reihe Kinosessel standen, über zwei Jahre lang Feiern für Firmen und Familien zu veranstalten. Erfolgreich war dieses Konzept nicht, denn bereits seit Dezember letzten Jahres sucht Inhaber-Sprössling Dennhardt einen neuen Pächter für das Orpheum.

«Das Objekt hat verschiedene Vorteile. Das ist zum einen die Lage: Johannis ist ein gutes Pflaster. Die Klientel ist kulturell interessiert. Dazu sind das Objekt, sein Flair und seine Historie bekannt und von diesem Vorteil kann der Nutzer nur profitieren. Und wir haben auf zwei Ebenen Platz.» Vor allem aber soll der potenzielle Mieter langfristiges Interesse an dem Objekt zeigen und solvent sein. Der stete Wechsel sei weder gut für das Gebäude, noch für den Stadtteil Johannis, so Dennhardt. Bis zu 60 Bewerber haben sich bei ihm seit Jahresanfang gemeldet, eine Handvoll sei für den Inhaber wirklich interessant. Das sei eine gute Zahl. «Wir stellen uns im Idealfall eher eine künstlerisch-kulturelle Nutzung oder einen gastronomischen Betrieb vor.» Interessenten aus diesen Bereichen gibt es viele, doch woran es immer wieder scheiterte, war das liebe Geld. «Ich finde ein Steak-House für die Räumlichkeiten klasse,» verrät Johannes Dennhardt. «In Nürnberg gibt es dafür nur zwei oder drei gute Adressen, aber da bekommt man ohne Reservierung keinen Platz - und teuer sind sie auch.»

In den 60ern wurde

das Fernsehen übermächtig

«Ich will jedenfalls keine Spielhalle oder einen Waschsalon. Das passt nicht zum Ambiente,» sagt Johannes Dennhardt weiter. Dabei hat das knapp 100 Jahre alte Gebäude schon einiges an Zweckentfremdung auf dem Kerbholz. Nachdem es, 1943, im Krieg zerstört worden ist, gab es nach der Restauration 1948 immerhin 600 Kinosessel, die die Kriegswehen vergessen machen sollten - doch in den 60er Jahren wurde der Fernseher übermächtig und ließ auch den Betrieb im Orpheum eingehen. Das war 1964. Nach dem Niedergang als Filmhaus gaben sich die unterschiedlichsten Mieter die Klinke in die Hand.

Auf dem Tisch in der Halle liegt eine angebrochene Salami. Morgen werden die Restauratoren wieder kommen – doch die Seele des Raumes bekommt man auch inmitten von Schutt und Werkzeug zu spüren. Dunkle Holzböden, schwere rote Samtvorhänge, kunstvolle Spindellampen, die aussehen als würden die goldenen Jahre des Films genau jetzt stattfinden. Vor dem Eingang prangt auf der rostbraunen Fassade, in goldenen Lettern, der Name. Es sieht aus wie in den 20ern: als Frauen mit Handschuhen und Männer mit schicken Hüten in den Saal kamen, um sich etwas von der großen Welt zeigen zu lassen. Doch auch damals musste der ehemalige Besitzer jeden Pfennig wohl zweimal umdrehen und wollte das Kino im Jahr 1927 schließen.

Rund 50 Jahre stehen die Filmapparate schon still, jetzt soll endlich der Glanz der alten Zeiten in die Halle zurückkehren – hofft Johannes Dennhardt. Während er für das neue Zeitalter im Orpheum weiterhin nach seinem Traummieter sucht. «Das Objekt zu vermieten, ist nicht das Problem. Aber wir sind nicht gewillt, nach sechs Monaten dem Geld hinterher zu laufen. Aber wenn jemand will, kann er das Objekt sofort haben.» 

Andrea Munkert

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