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Gold für den erfolgreichsten „Brückenbauer“

Pasquale Passarelli denkt gerne an seine Zeit bei Johannis 07 zurück - 26.11.2004

Für viele der Kampf des Jahrhunderts: Als der Japaner Masaki Eto (oben) den Deutsch-Italiener Pasquale Passarelli im Finale bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles in der Mangel hatte, war die Spannung kaum zu überbieten. Aber Passarelli hielt dem schier unmeschnlichen Druck stand und holte sich die Goldmedaille. Foto: dpa © -


Er ist unbestritten der erfolgreichste Brückenbauer der Welt. In seiner Sportart wohlgemerkt - im Ringen. Pasquale Passarelli, der von 1982 bis 1988 für den SV Johannis 07 kämpfte und seine stolze Laufbahn 1984 bei den Olympischen Spielen in Los Angeles mit dem Gewinn der Goldmedaille krönte.

Der Finalkampf gegen Masaki Eto geht in die Annalen des Ringens ein, weil „Pasque“ Unglaubliches leistete: Genau 90 Sekunden (!) lang hielt er mit einer Brücke den ungestümen Angriffen des Japaners stand. Szenen, die bei allen möglichen Sportrückblicken im Fernsehen immer wieder ausgestrahlt werden. Der Ausdruck von Kraft und eisernem Willen, wie Passarelli 20 Jahre nach seinem Triumph bestätigt: „Ich wollte unbedingt Gold holen.“

Aus Gold wurde Gold: Der gebürtige Italiener war einer der wenigen Sportler - darauf ist er zu Recht stolz - der mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet worden ist. Mächtig gefreut hat sich Passarelli auch über die Tatsache, dass er bei der kürzlich vom ZDF durchgeführten Wahl der besten 100 deutschen Sportler aller Zeiten den 92. Platz belegt hat. „Ein tolles Gefühl, einige Plätze vor Günter Netzer zu rangieren“, frohlockt er. Passarelli, der an der TV-Live-Veranstaltung teilnahm, ärgerte sich mächtig über die Nummer eins, Michael Schumacher: „Es war traurig und ein Schlag ins Gesicht für seine vielen Fans, dass er nicht persönlich erschienen war.“

Dafür imponierte ihm ein anderer Großer: Franz Beckenbauer. „Er ist trotz seiner vielen Erfolge stets bescheiden geblieben, hat Ausstrahlung und ist ein echtes Vorbild.“ Apropos Bescheidenheit. Pasquale Passarelli übte sie nach seinem Triumph von Los Angeles auch. Dies sei ihm leicht gefallen, betont er, denn beim Ringen habe es im Gegensatz zum Fußball keine Millionen gegeben. Ein Scherz, dem der Hinweis auf Beckenbauer folgt.

Dem Ringen ist der Olympiasieger natürlich bis zum heutigen Tag verbunden geblieben: Seit vier Jahren trainiert er den Zweitbundesligisten KSV Berghausen in der Nähe von Karlsruhe. Er setzt dabei vor allem auf junge Talente, „denn die Vereine, die viel Geld investieren oder auch zumeist auf Ausländer setzen, gehen den Bach runter“. Deshalb hofft er beim Deutschen Ringer-Bund auf Einsicht und eine Regelung, dass mehr junge deutsche Nachwuchskämpfer zum Zuge kommen sollten.

Peilt Passarelli mit seiner Truppe den Aufstieg in die Bundesliga an? Er winkt ab: „Das ist nicht unser Ziel, das können wir uns finanziell nicht leisten.“ Er freut sich schon auf den kommenden Samstag, denn er kreuzt mit Berghausen bei seinem früheren Klub Johannis 07 in der Noris auf. Noch immer fühlt er sich seinen alten Kameraden wie Udo Schmitt und Bernhard Rieger („Er war mein Schüler“) sehr eng verbunden und hält zu ihnen auch Kontakt.

Passarellis Rückblick auf seine Zeit in Nürnberg fällt positiv aus: „Es war herrlich und unvergesslich.“ Dass er als Trainer vom Ringen nicht leben kann, versteht sich von selbst. „Pasque“, der in Waghäusel in der Nähe des Hockenheimrings lebt, ist als Immobilienmakler in Karlsruhe tätig. „Ein hartes Brot“, bekennt er, „denn die Geschäfte laufen derzeit nicht gut.“ Er war stets Optimist und ist auch heute noch einer, wie seine Aussage, „da muss man durch“, verrät er.

Aus seiner inzwischen geschiedenen Ehe mit der Tochter des ehemaligen Bundestrainers Heinz Ostermann („Ihm habe ich sehr viel zu verdanken“) ist ein Sohn hervorgegangen: Sandro. Der 14-Jährige hat inzwischen die Fußballstiefel an den Haken gehängt und eifert dem Papa nach. Fällt auch bei den Passarellis - zwei Brüder waren ebenfalls Spitzenklasse - der Apfel nicht weit vom Stamm? Der Olympiasieger hat so seine Bedenken: „Sandro ist nicht unbedingt ein Talent, aber er verfügt über viel Kraft und auch großen Ehrgeiz.“ Aber der Vater setzt seinen Sprößling, darauf legt er großen Wert, keineswegs unter Druck.

Pasquale Passarelli ist als Trainer in Berghausen ein Mann der Praxis. Und so fordert er seine Schützlinge auf der Matte - und hat auch großen Spaß dabei, wie er versichert: „Solange ich noch mit den Jungen herumschlagen kann, mache ich weiter. Da brauche ich noch nicht bei den Alten Herren mitzumachen.“

Wenn Passarelli am kommendenSamstag mit Berghausen bei Johannis 07 aufkreuzt, geht es zwar um Punkte in der Zweiten Bundesliga, doch eines steht schon heute unwiderruflich fest: Das Wiedersehen mit alten Freunden wird nach dem Kampf gebührend gefeiert. 

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