Mittwoch, 12.12.2018

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Ausgeträumt: Doch keine Zugspitzbahn im Tiergarten

Nachdenken über Alternative, um Waldschänke besser erreichbar zu machen - 01.07.2008

Ein Tieflader brachte die originale Zugspitzbahn nebst Anhänger im Februar 2007 zum Bahngelände an der Katzwanger Straße. Das Gefährt war 1954 in Nürnberg hergestellt worden und funktioniert immer noch einwandfrei. © Daut


Rund 1,5 Millionen Euro müsste man für den Bau der über 800 Meter lange Strecke vom Streichelzoo hinauf zur Gaststätte «Waldschänke« investieren. Das elektrisch betriebene Gefährt würde jährlich Strom in Höhe von 37000 Euro verschlingen, schätzen Experten. Für Tiergarten-Bürgermeister Horst Förther ist dies zu viel, der Sozialdemokrat zog daher die Notbremse für das Projekt: «Ein Betrieb der Zugspitzbahn für einen Pächter erscheint alleine aufgrund der enormen Stromkosten unwirtschaftlich.«

Daher bleibt das weiß-blaue Gefährt vorerst auf seinem Abstellgleis am Bahn-Gelände Katzwanger Straße. Allerdings denkt man im Tiergarten weiter nach, wie man die höher gelegenen Ebenen Raubtier-Gehege und «Waldschänke« für Kinder, Gehbehinderte und Senioren besser erschließt. Mit der jetzigen Kleinbahn, einer «Adler«-Imitation, ist das nicht möglich, weil sie die Steigung nicht schafft.

In Dampflok-Optik

Bürgermeister Förther kann sich eine sogenannte «Tschu-Tschu-Bahn« vorstellen: Ein derartiges Gefährt in Dampflok-Optik rollt bereits seit Jahren durch die Altstadt. Der Tiergarten-Express müsste jedoch deutlich kleiner sein, meint der Kommunalpolitiker und unterstreicht ausdrücklich, dass dies nur erste Überlegungen sind.

Bei der Diskussion um die Zugspitzbahn hatte auch die Größe eine Rolle gespielt: Einige Stadträte befürchteten, dass der Zug mit der Größe einer Straßenbahn im Vergleich zum zierlicher wirkenden «Adler« doch zu wuchtig ist. Lothar Sölla, Ausbildungsleiter bei MAN-Nutzfahrzeuge, hatte die Zugspitzbahn ins Gespräch gebracht. Die Firmen MAN und AEG hatten die Zahnradbahn 1954 in Nürnberg hergestellt.

Als die absolut fahrtüchtige Bahn vor anderthalb Jahren verschrottet werden sollte, intervenierte die Stadt. Sie ließ einen 23 Tonnen schweren Triebwagen sowie einen Personenwagen mit 8,6 Tonnen Gewicht von der oberbayerischen Zugspitze nach Nürnberg bringen. Der bisherige Eigentümer, der seinen Fuhrpark modernisierte und daher die angejahrte Zahnrad-Technik ausmusterte, spendierte außerdem zahlreiche Ersatzteile.

"Einmalige Sache"

Ganz abschreiben will MAN-Mitarbeiter Lothar Sölla die Idee jedoch nicht: «Die Zugspitzbahn im Tiergarten wäre eine absolut einmalige Sache. Die Folgekosten würden wir schon irgendwie auf die Reihe bringen.« Da überhaupt kein Zeitdruck bestehe, solle der Tiergarten zunächst seine aktuellen Aufgaben - wie etwa Eisbärin «Flocke« und den Bau der «Lagune« - angehen.

Die beliebte «Adler«-Kleinbahn schnauft noch bis Mitte September durch den Tiergarten. Mit dem Baubeginn der «Lagune« werden die Fahrten eingestellt, weil die Gleise genau durch die neue Delfin-Landschaft verlaufen. Die Zugstrecke bleibt leicht verschwenkt erhalten: Die Schienen werden neu verlegt, eventuell auch verlängert - bis hin zur Giraffen-Anlage. Veranschlagte Kosten: etwa 600.000 Euro. Bürgermeister Förther will bei Sponsoren Klinken putzen, um Mittel für die kurze Bahnverbindung locker zu machen. «Da müssen wir uns gescheit reinhängen«, sagt der SPD-Mann. 

Hartmut Voigt

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