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„Baumspinat“ oder lieber die „Jungfrau im Grünen“?

Der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt organisierte den ersten Samenmarkt für alte Nutzpflanzen — Aktive Gärtner bauen die alten Sorten an - 20.02.2016 18:26 Uhr

Gar nicht teuer: 2 bis 2,50 Euro kosten die Samen, die Anne Drüschler (li.) und Gundula Isernhagen aus eigenem Anbau verkaufen. Hobbygärtner waren begeistert. © Fotos: Michael Matejka



Anne Drüschler und Gundula Isernhagen vom Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) werden beim „Samenmarkt“ mit Fragen geradezu bestürmt: Klima, Standort, Pflege, Geschmack, Saatgutgewinnung . . . Von grundlegend bis tiefgehend sind die Kenntnisse der Kunden, viele davon Hobbygärtner, die sogar aus Greding angereist sind.

Nach eingängiger Beratung und erfolgreichem Kauf wird bei einer Tasse Tee über „Jungfer im Grünen“, „Brennende Liebe“, „Haferwurzel“, „Schwarze Tomate“, „Baumspinat“ oder „Türkischen Drachenkopf“ mit Gleichgesinnten gefachsimpelt. Fachliteratur gefällig? Pflanzenvermehrung, Mischkulturen oder „Mit Samenbomben die Welt verändern“ — die Themenpalette ist groß.

„Dass derart viel los sein würde, hätte ich nicht gedacht“, strahlt Anne Drüschler, Diplom-Landwirtin und seit 1999 beim VEN, der sich unter anderem der Suche nach alten, heute nicht mehr angebauten Nutzpflanzenarten, deren Rekultivierung, Vermehrung und Weiterentwicklung widmet.

2011, erzählt Drüschler, habe der VEN den Impuls gegeben, verstärkt in den Regionen tätig zu werden. Als Organisatorin der Regionalgruppe Nürnberg-Franken erfuhr sie über das Bündnis für Bio-Diversität von Architekt Werner Schad, der kostenlos einen Garten in einer Kolonie zur Verfügung stellen wollte, „um dem Trend ,nur Grün, Gartenzwerge und Kies‘ entgegenzuwirken. Seit 2014 bauen wir dort an, um Pflanzen aus der Region zu erhalten.“ Etliche dort gewonnene Samen bietet sie heute an.

„Wir suchen vom Gemüse bis zur Blume permanent nach alten regionalen Sorten, doch das hätte man vor allem in den 80er Jahren tun müssen, da wurde viel verpasst! Jetzt leben die Leute, die noch alte Sorten anbauten, nicht mehr. Es gibt eben alles zu kaufen, man muss unter körperlicher Anstrengung nichts anbauen“, erklärt sie das Dilemma.

Gundula Isernhagen gehört zu jenen, die kaum zukaufen müssen: Gemüse hat die Holzgestalterin aus dem Garten zu allen Jahreszeiten auf dem Tisch. Spezialisiert ist sie auf Saatgutvermehrung — 70 Sorten kann sie anbieten, und erklärt, was daran so begehrt ist. „,Samenfeste Sorten‘ wurden über längere Zeit züchterisch bearbeitet, also nach Merkmalen ausgelesen. Das kann über Jahrhunderte gehen; durch Mutation oder gezielte Verkreuzung kann eine Sorte aber auch erst vor zwei Jahren entstanden sein.“

Wer diese im Boden, nicht im Labor entwickelten Sorten sucht, findet eine Liste auf der VEN-Internetseite wie auch den Kontakt zu den Anbauern, den „Erhaltern“.

 

Weitere Infos unter: www.nutzpflanzenvielfalt.de oder www.saatgutkampagne.org 

ANABEL SCHAFFER

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