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Blum konvertierte zum Islam und fand Halt nach Verletzung

Knorpelschaden hätte Karriereende für den Club-Spieler bedeuten können - 08.01.2015 06:00 Uhr

Wegen eines Knorpelschadens im Knie musste Danny Blum (rechts) einen langen Anlauf nehmen. Jetzt ist er fit und kann wieder mit der Mannschaft trainieren. © Foto: Sportfoto Zink


In beeindruckender Frühform hatte sich Danny Blum im Sommer bei seinem neuem Arbeitgeber vorgestellt. Mit dem pfeilschnellen Angreifer glaubte man beim Club, ein besonderes Offensiv-Ass im Ärmel zu haben. Ein stechender Schmerz im Knie bremste die Integration des sprintstarken Neuzugangs vom SV Sandhausen jedoch abrupt.

Die Diagnose: Knorpelschaden im Knie – sechs Monate Pause. Selbst der behandelnde Arzt hatte die Befürchtung, Blum schaffe es womöglich nicht mehr zurück ins Profigeschäft. Auf lediglich 50 zu 50 taxierte Dr. Ulrich Boenisch die Chancen. Von dieser düsteren Prognose erfuhr der 24-Jährige erst, als die Genesung überraschend komplikationslos vonstatten ging.

„Ich war geschockt. Ich war noch nie zuvor so lange verletzt“, erinnerte sich der 24-Jährige daran, als ihm der Arzt zunächst eine sechsmonatige Pause voraussagte. Halt gab ihm in dieser schweren Zeit der Koran. Erst wenige Wochen vor seiner Verletzung war der gebürtige Pfälzer vom Christentum zum Islam konvertiert.

In jungen Jahren kam Blum mit den Schattenseiten des Fußballs in Berührung. Er war leicht beinflussbar in die falschen Kreise geraten und hätte sich fast vom Weg abbringen lassen. Mit 15 wurde er Juniorennationalspieler. Mit 16 schaffte er es in die Geschichtsbücher, als er im Nationaldress nach dem Anstoß nur 6,28 Sekunden benötigte, um ein Tor gegen Irland zu erzielen. In der Schule war schon nach der Hauptschule Schluss.

Er setzte voll auf die Karte Berufsfußball und ging zu den A-Junioren von Schalke 04, unterschrieb mit 18 seinen ersten Profivertrag beim Drittligisten SV Waldhof Mannheim. Schon wenige Monate später wechselte er zum Liga-Konkurrenten SV Sandhausen. Seine Lebenseinstellung war lange alles andere als professionell: „Ich habe früher viel Mist gebaut und habe nur von Tag zu Tag gelebt. Ohne Sinn. Irgendwann dachte ich, das kann doch nicht alles sein: Feiern, Frauen und Alkohol – das bringt ja alles nichts. Bis dahin dachte ich, dieser Saus und Braus ist das Leben.“

Erst mit der Zeit konnte er sich den negativen Einflüssen seines zweifelhaften Umfelds entziehen. Am Ende dieser Wandlung stand für ihn die Suche nach dem Sinn des Lebens: „Ich habe viel Zeit verschwendet, und es hat mich auch sehr viel Geld gekostet.“ Seine Entwicklung als Fußballer stagnierte. In Sandhausen war er nur noch Reservist. Erst als ihm sein Trainer Alois Schwartz die Pistole auf die Brust setzte, machte es klick bei ihm: „Er hat mir gesagt, entweder ich arbeite endlich auch mehr nach hinten und nutze meine letzte Chance, oder ich kann mich wieder drei Monate hinten anstellen.“ Blum nutzte die Bewährungsprobe und zahlte das Vertrauen mit Toren zurück.

Er stieg mit Sandhausen in die zweite Liga auf. Im Jahr darauf wiederholte er dies mit dem Karlsruher SC, wohin er für ein Jahr verliehen worden war. Wenn dem MSV Duisburg eine Saison darauf nicht die Lizenz entzogen worden wäre, hätte er mit den de facto abgestiegenenen Sandhausenenern einen dritten Anlauf unternehmen müssen – ein Horrorszenario für ihn, schließlich war sein Fernziel schon immer die Bundesliga. Weil der Club das gleiche Ziel hat, entschied er sich im Sommer trotz anderer Angebote für den Wechsel nach Nürnberg.

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Beim Islam "hängen" geblieben

Kurz zuvor hatte er eine noch weitreichendere Entscheidung getroffen: Er konvertierte zum Islam. Blum war auf der Suche nach Halt und Orientierung in seinem Leben. Er setzte sich an seinen Computer, las im Internet über Religionen und blieb beim Islam „hängen“, wie er es nennt. Seitdem rollt der 24-Jährige fünfmal am Tag einen kleinen Teppich gen Mekka aus, um zu beten – auch für eine erfolgreiche Zukunft des Clubs: „Ich wollte disziplinierter leben. Der Islam hat mir gefallen. Diesen Weg will ich gehen, so gut es geht, ohne Sünde und mit guten Taten.“

Seine christlichen Eltern waren überrascht, standen seiner religiösen Neuausrichtung aber nicht im Weg: „Wenn es für mich das Richtige ist, soll ich es machen, haben sie gesagt.“ Sein Glaube gebietet ihm eine Ernährung, die im Sinne des Koran als unbedenklich gilt – ein Lebenswandel ohne Alkohol; Fleisch nur von Tieren, die rituell geschlachtet wurden.

Heute weiß Blum, woran er früher keinen Gedanken verschwendet hatte: Die Zeit als Fußballprofi ist ein Geschenk. „Es geht im Fußball darum, es so weit zu bringen, dass du danach nichts anderes mehr machen musst. Und das habe ich vor eineinhalb Jahren endlich kapiert.“ Von dieser Erkenntnis soll nun auch der Club profitieren.

Sieben bis zehn Tore hat sich Blum in den verbleibenden 15 Spielen zum Ziel gesetzt. Trainer René Weiler wird es gerne hören. Doch zunächst muss Blum den letzten Schritt beim Comeback gehen und erst einmal wieder im Kader stehen. 

Stefan Jablonka (Nürnberger Zeitung)

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