Dienstag, 20.11.2018

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Burg Wernfels - Günstiger Urlaub auf der Festung

Deutschlands beliebteste Jugendherberge - 15.05.2009

Ein Schmuckstück aus dem 12. Jahrhundert, in dem man mehr als nur ein Bett findet. © Liedel


Sennerts Burg ist das genaue Gegenteil. Denn die Burg Wernfels ist eine Jugendherberge - und zwar die beliebteste in ganz Deutschland, wie eine Auswertung des Deutschen Jugendherbergswerks ergab, die das ZEIT-Magazin nun veröffentlicht hat. Mit 305 Übernachtungen pro Bett hat die Burg bei Spalt (Kreis Roth) die höchste Auslastung - und liegt damit vor den Unterkünften in den Großstädten Hamburg und Berlin.

Seit 33 Jahren führt der 55-Jährige Sennert mit seiner Frau Brigitte die Geschäfte auf der ehemaligen Ritterburg - und das mit viel Freude, wenn auch mit viel Aufwand. Denn die Burg aus dem 12. Jahrhundert mag stattlich sein, ist aber dennoch bautechnisch ein Sensibelchen, an dessen Sandstein stetig der Zahn der Zeit nagt. «Allein die Instandhaltung der Burg kostet uns pro Jahr etwa 300000 Euro«, sagt Sennert, der seit fünf Jahren sogar einen Steinmetz angestellt hat, der sich ausschließlich um die alten Steine mit Geschichte kümmert.

Schon früh diente die Burg Wernfels den Eichstätter Bischöfen zum Schutz ihrer Besitztümer in Spalt und Abenberg. Über 500 Jahre hinweg blieb Wernfels eichstättisch, so dass bischöfliche Vögte und Pfleger auf der Burg saßen. Nach 1809 wechselte die Burg immer wieder den Besitzer, darunter der Kunst- und Schlachtenmaler Louis Braun, der das Bauwerk von 1883 bis 1885 renovieren ließ. 1925 übernahm schließlich der Christliche Verein junger Menschen (CVJM) das alte Gemäuer und eröffnete dort das erste Schullandheim Nordbayerns. Seit 1967 gehört die Burg zum Deutschen Jugendherbergswerk und ist heute eine von insgesamt 77 Jugendherbergen in ganz Bayern, die Jugendlichen, Vereinen und Familien mit minderjährigen Kindern ein Zuhause auf Zeit bieten.

Auf Burg Wernfels sind es heute 57 unterschiedlich große Zimmer, die vor allem Gruppen gerne nutzen, um hier ein paar Tage zu verbringen. Aber auch Jugendliche mit Rucksäcken, Familien und Alleinerziehende lockt es hierher. Denn das Logis auf der Festung ist vergleichsweise günstig: 18,60 Euro kostet das billigste Zimmer mit Frühstück pro Person, wobei Kinder bis sechs Jahre stets umsonst sind. Wer nicht selbst kochen mag, der zahlt im teuersten Zimmer inklusive Frühstück, Mittagessen und Abendessen lediglich 33,20 Euro.

Einzelzimmer statt Schlafsaal

«Wir freuen uns natürlich über die tolle Auslastung«, sagt Gottfried Sennert, auch wenn seit einigen Jahren die Besucherzahlen rückläufig seien. «Die Standards haben sich in den vergangenen 33 Jahren sehr verändert«, versucht er sich diesen Umstand zu erklären. Heute würde immer häufiger eine individuelle Unterbringung verlangt. «Manche Familien wollen für ihre Kinder ein eigenes Zimmer. Und da sind unsere Möglichkeiten beschränkt.« Auch wenn es eine Reihe von Einzel- und Doppelzimmern gibt. Doch die Burg steht unter Denkmalschutz, so dass nicht alles möglich sei. «Da können wir nicht einfach Wände hochziehen.« Visionen habe er dennoch.

Auch wenn die Burg Wernfels schon heute weit davon entfernt ist, lediglich ein Ort für Schüler auf Klassenfahrt und Teenager auf der Durchreise zu sein. 30 Mitarbeiter haben die Sennerts insgesamt, zehn davon sind fest angestellt. Längst muten Ausstattung und Service wie ein ordentliches Hotel an - wenn auch mit Kapelle und morgendlicher Andacht, die selbstredend ein Angebot ist. «Der christliche Gedanke ist uns wichtig«, sagt Gottfried Sennert und ist stolz darauf, dass der Großteil der Besucher Stammgäste sind.

Inzwischen gibt es hier einen behindertengerechten Fahrstuhl, fünf Speiseräume, die Burgklause, einen Weinkeller, die Gästeküche und zwei Clubzimmer. Für die Kleinen sind Kinderbetten, Hochstühle und Wickelmöglichkeiten vorhanden.Die Zutaten für das reichhaltige Speisenangebot stammen überwiegend aus der Region. Im Sommer planscht man im kostenlosen beheiztem Freibad und faulenzt im wirklich schönen Außenbereich. Und die kleinen Gäste haben im Bischofsgarten einen wunderbaren Platz zum Rutschen, Schaukeln und Toben.




 

Irini Paul

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