Freitag, 15.02.2019

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„An den Vorwürfen ist nichts dran“

Die „Windsbacher“ erklären sich mit Chorleiter Beringer solidarisch - 02.02.2005

Vertreter der Männerstimmen des fränkischen Spitzenensembles betonten gestern in Windsbach gegenüber der Presse: „Wir stehen zu 100 Prozent hinter Beringer“. Foto: Langer © -


Am Montag Abend, nach einem Auftritt in Herzogenaurach, schlug die Nachricht bei den Mitgliedern des Windsbacher Knabenchors ein wie ein Bombe: Chorleiter Karl-Friedrich Beringer lässt sein Amt vorübergehend ruhen (die NZ berichtete). Beringer habe darum gebeten, vorerst nicht vor seinen Chor treten zu müssen, solange die Misshandlungs-Vorwürfe nicht entkräftet seien, bestätigte gestern die Kuratoriums-Vorsitzende des Elite-Ensembles, Johanna Haberer. In einer Strafanzeige hatte die Mutter eines ehemaligen Choristen Beringer vorgeworfen, Sänger zu würgen und zu demütigen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Misshandlung Schutzbefohlener.

„Lähmendes Entsetzen“ habe die Nachricht, so Johanna Haberer, im Chor ausgelöst. Die Männerstimmen des weltberühmten Chores jedoch handelten rasch, luden gestern zu einem Pressegespräch nach Windsbach. „Es wurde höchste Zeit, dass wir uns äußern. Schließlich wissen wir als Einzige, was wahr und was falsch ist“, erklärte der 17-jährige David Reimann. Nachdem Beringer seinen Beschluss bekannt gegeben hatte, habe man eine Versammlung abgehalten. „Wir sprechen nicht nur für 40 Männerstimmen, sondern in Vertretung des ganzen Chores. Alle zeigen Solidarität mit Herrn Beringer. Schließlich hat keiner von uns erlebt, dass er jemals geschlagen hätte — und dabei arbeiten wir bereits seit bis zu elf Jahren mit ihm zusammen.“

Für die Öffentlichkeit seien die Männerstimmen auch deshalb die am besten geeigneten Zeugen, weil sie Beringer seit dem Knabenalter im Chor erlebt hätten. Eine tägliche Probenarbeit sei nun nicht mehr möglich, was die Qualität des Chores erheblich zu beeinträchtigen drohe — ganz abgesehen davon, dass das Ansehen der Einrichtung ohnehin schon stark gelitten habe.

„Vermutlich liegt es im persönlichen Interesse weniger Leute, Beringer zu schaden. Doch sie schaden damit dem ganzen Chor. Mir reicht das jetzt!“, sagte Andreas Miederer (18). „Wir sehen in den Proben, wie Herr Beringer mit den Knaben umgeht. Wenn er jemanden abgewatscht hätte, wäre das mein letzter Tag im Chor gewesen“, beteuerte David Reimann. „Natürlich fordert er uns. Aber er übertritt da keine Grenzen!“

„Das scheint alles von außen angezettelt“

Drastisch hätte Beringer sein Verhalten seit den Vorwürfen im Herbst 2004 zurückgeschraubt: „Er berührt niemanden mehr und es gab keine verbalen Ausfälle mehr.“ Berührungen, erläuterte Maximilian Argmann (18), seien zur Verdeutlichung der Gesangstechnik notwendig. Jeder Gesangspädagoge könne dies bestätigen. „Das ist wie bei der Hilfestellung im Sport“, ergänzte Sangeskollege Nils Herion (17). „Das ,Anfassen’ kann man damit sehr gut vergleichen.“ Gesangs-Einzelunterricht durch Karl-Friedrich Beringer gebe es zudem nicht.

Mit Entrüstung reagierten die jungen Männer auf die Frage nach Ohrfeigen oder körperlichen Übergriffen: Beides habe es niemals gegeben! Wie stressgeladen eine Probensituation vor einem wichtigen Konzert auch sein mag, außerhalb der Proben hätten die Sänger zu ihrem Chorleiter ein entspanntes Kumpelverhältnis.

„Herr Beringer hat nie jemanden gedemütigt, das ist absurd! Niemand ist gezwungen, im Chor zu sein. Wir wissen, dass an den Vorwürfen nichts dran ist“, so David Reimann. „Es ist nicht unser Alltag, dass Herr Beringer durchbrüllt“, rückt Andreas Miederer das in der Öffentlichkeit aufgebaute Bild zurecht. „Es ist eigenartig, dass sich hier Leute den Mund zerreißen, die nie in einer Chorprobe gesessen haben.“

Über die Aussage der ehemaligen Chormanagerin Christa Rey, in Windsbach würden Kinder an Körper und Seele geschädigt, sei man höchst überrascht gewesen: „Warum hat Frau Rey all diese Vorwürfe nicht während ihrer Zeit hier vorgebracht, sondern erst Monate später?“, fragt David Reimann erbost.

Das Schlimmste, betonten die Sänger, sei die Unsicherheit, wie es weitergehe. „Wir würden uns mit keinem anderen Chorleiter als mit Beringer zufrieden geben. Wir wollen Beringer!“, sagte David Reimann und erntete lautstarke Zustimmung. „Das scheint alles von außen angezettelt“, vermutete Sangeskollege Olaf Brummel. Über die Aussage, dass Stühle und Tische in den Proben geflogen sein sollen, lache der ganze Chor, so Nils Herion.

Nicht nur die derzeit aktiven Choristen solidarisieren sich aufgrund ihrer positiven Erfahrungen mit Karl-Friedrich Beringer, sondern auch ehemalige „Windsbacher“: „Ich kann die erhobenen Vorwürfe aus meiner Sicht als ehemaliger Sänger in keiner Weise bestätigen“, erklärte Fabian von Feilitzsch gegenüber der NZ. „Die Probenarbeit seitens Herrn Beringer war anspruchsvoll und auf dem hohen professionellen Niveau, dessen sich Chorleiter und Sänger gleichermaßen verpflichtet fühlten. Zu keiner Zeit jedoch kam es während dieser Arbeit gegenüber Sängern zu Handlungen Beringers, die ich nicht hätte mittragen können.“ Auch Gerhard Gerstner, von 1978 bis 1987 in Windsbach, und der gesamte Abiturjahrgang 2002 sei dieser Auffassung, betonte von Feilitzsch.

Ende Februar stehen in Hof und Coburg die nächsten Konzerte der „Windsbacher“ an. Die Sänger hoffen, dass die Staatsanwaltschaft bis dahin die Anschuldigungen geklärt hat und Beringer wieder vor dem Chor steht. 

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