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Denkpause für die Nordspange endet

Gegner und Befürworter fordern nun schnelle Entscheidung im Stadtrat - 25.01.2013 12:29 Uhr

Die Nordanbindung des Flughafens an die Autobahn ist ein Verkehrsprojekt, das die Gemüter der Nürnberger erhitzt.


Geht es nach Hans-Joachim Patzelt, ist die Sache klar. Der Stadtrat (Offene Linke) hat für die Ratssitzung am Mittwoch einen Antrag gestellt. „Der Stadtrat ist gefordert, sich noch vor Ablauf des dreijährigen Moratoriums für oder gegen einen Bau der Nordanbindung zu entscheiden.“ Das wäre am 30.Januar. Keine Frage, wofür er sich entscheiden würde. Patzelt ist Gegner der Trasse, weil sie über 60 Millionen Euro kosten und durch den Reichswald führen würde.

Auch das „Bündnis Nein zur Flughafen-Nordanbindung“ hat das Moratoriumsende auf dem Schirm. Günther Raß, Vorsitzender des Bund Naturschutz, will einer Pressekonferenz der Mitgliedsverbände am Montag nicht vorgreifen. Aber so viel steht für ihn fest: „Wir erwarten das Ende der Denkpause im Rat und eine Entscheidung gegen die Nordanbindung.“

Die einen sind für die Nordanbindung des Flughafens, wie viele Landwirte im Knoblauchsland. © Michael Matejka


Schützenhilfe bekommt das Bündnis von den Grünen. „Wir halten die Nordanbindung nach wie vor für den falschen Weg“, betont Stadträtin Christine Seer. Es würde sehr viel vom Reichswald zerstört. Die Gegner rechnen mit 30.000 Bäumen, die dafür gefällt werden müssten. „Das ist nicht vertretbar. Daher kann es für den Rat nur eine Konsequenz geben: Er muss sich gegen den Bau der Nordanbindung aussprechen.“

Seer erwartet von der SPD, „dass sie nun Farbe bekennt. Sie darf sich nicht mehr um eine Entscheidung herumdrücken.“ Davon hält Nürnbergs SPD-Fraktions- und Parteichef Christian Vogel nichts. „Die Regierung von Mittelfranken hat das Moratorium auf unbestimmte Zeit verlängert“, sagt er. Der Planfeststellungsbeschluss der Regierung für den Bau der Nordanbindung liegt seit knapp einem Jahr vor. Aber mit einer zentralen Einschränkung.

Ein breites Bündnis hält von der Nordanbindung gar nichts. © Bernd Böhner


Am Flughafen schlummern im Boden Schadstoffe (PFT) aus Löschschaum von Feuerwehrübungen. Durch den Bau der Nordanbindung und insbesondere eines Tunnels unter der Start- und Landebahn besteht die Gefahr, dass die Schadstoffe durch den Eingriff ins Grundwasser verfrachtet werden. Erst wenn das giftige PFT aus dem Boden entfernt worden ist, so die Regierung, darf gebaut werden. Es ist von einem Zeitraum von bis zu zehn Jahren für die Bodensanierung die Rede. Das meint Vogel mit der Verlängerung des Moratoriums. „Daher bringt ein Beschluss zum jetzigen Zeitpunkt nichts.“

Der Koalitionspartner CSU sieht das ganz anders. „Die Denkpause läuft ab. Wir fordern jetzt eine klare Entscheidung des Rats für die Nordanbindung“, betont Fraktionschef Sebastian Brehm. Es sei ja gemeinsamer Wille der Parteien, dass das PFT entfernt werde. „Dann kann man ja auch schon Position beziehen. Wir warten seit drei Jahren auf die SPD.“

Für Flughafen-Chef Karlheinz Krüger steht außer Zweifel, dass es „zu einer Verbesserung der Flughafenanbindung kommen muss“. Die gültige Variante sei die Nordanbindung. Henrike Schmidt dagegen sieht den Airport bereits bestens erschlossen. „Mit der U-Bahnlinie zum Flughafen ist das eine der besten Anbindungen in Europa“, sagt die Ryanair-Sprecherin.
  

VON ANDREAS FRANKE

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