Dienstag, 20.11.2018

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Die Väter der Neptunbrunnen

Ein Vortrag über Schweigger, ein Kranz für Wanderer - 08.10.2010 07:10 Uhr

Kulturreferentin Julia Lehner sowie der Historiker und Theologe Klaus Loscher, der über Friedrich Wanderer geforscht hatten, am Grab des vor 100 Jahren gestorbenen künstlerischen Multitalents. © Hagen Gerullis


Die hitzig geführte Standortdebatte spielt im Vortrag von Stadtheimatpflegerin Claudia Maué über den Bildhauer Georg Schweigger (1613–1690) nicht die Hauptrolle: „Schweigger hatte auch ein Leben vor dem Neptunbrunnen.“ Auf dieses geht die Kunsthistorikerin detailliert ein. Schweigger war demnach schon lange vor seiner Beschäftigung mit dem 1668 fertiggestellten Meeresgott ein europaweit geachteter Bildhauer. Als Maué auf eine in der Sebalduskirche stehende, arg versteckte Salvator-Statue zu sprechen kommt, findet sie eine elegante Überleitung zu dem derzeit so kontrovers diskutierten Thema: Denn wie die Statue hätte auch der Neptunbrunnen einen „würdigeren Platz“ verdient.

Anhand der Parallelisierung von zwei Fotos – das eine zeigt den Neptunbrunnen auf dem Hauptmarkt, das andere an seinem jetzigen Standort – versucht Maué, das „Manko der Aufstellung im Stadtpark“ deutlich zu machen: „Während sich der Brunnen vor einer kleinteiligen Architekturkulisse optisch behauptet, verschwimmen seine Konturen vor der dichten Baumkulisse.“ Auch, dass das originale Becken in ein städtisches Depot wanderte und Neptun mit einem flachen Napf (so einst der verstorbene Altstadtfreunde-Chef Erich Mulzer) vorliebnehmen musste, schadet Maués Ansicht nach der Wirkung des Brunnens. Das höhere Becken bringe die Figuren viel besser zur Geltung als der flache Betonring.

Die Stadtheimatpflegerin erinnert zudem an die Debatten, als der Neptunbrunnen Anfang der 1960er Jahre vom heutigen Willy-Brandt-Platz in den Stadtpark verlegt wurde. Damals sei es ähnlich emotional wie heute zugegangen: „Die Nordstädter waren überwiegend von dem neuen Brunnen nicht begeistert, bezeichneten ihn abfällig als Altmetall und trauerten ihrer alten Fontäne nach.“

Maué geht es in ihrem Vortrag aber weniger um solche Details aus der Geschichte des Brunnens, als um dessen kunsthistorische Bedeutung: Sie betont die außergewöhnliche Figurenvielfalt mit Nymphen, Meerreitern, Seeputten und Muschelhornbläsern sowie den Variantenreichtum in der Konzeption dieser mythologischen Gestalten: So wirke die linke Nymphe eher verhalten, die zweite lässig und aktiv. „Ähnlich variationenreich sind die beiden Meerreiter komponiert.“

2013 jährt sich Schweiggers Geburtstag zum 400. Mal. Die Stadt sollte ihm ein besonderes Geschenk machen, findet Maué: „Sie ahnen schon, worauf ich hinaus will: 2013 könnte der Neptunbrunnen auf seinem angestammten Platz auf dem Hauptmarkt aufgestellt werden. Oder aber – als kleine Lösung – könnte man dem Brunnen im Stadtpark wenigstens das zugehörige Becken zurückgeben.“

Schweigger ist auf dem Johannisfriedhof begraben. Dort liegt ein weiterer bedeutender Künstler, dessen Geschichte eng mit dem Neptunbrunnen verbunden ist: Friedrich Wanderer (1840–1910) rief 1881 dazu auf, einen Zweitguss auf den Hauptmarkt aufzustellen. Gestern ehrte Kulturreferentin Julia Lehner das „Multitalent“ Wanderer – zu seinem Repertoire gehörten Buchillustrationen, Gebrauchsgrafiken, Entwürfe für Denkmale und Brunnen sowie Wandgemälde – mit einer Kranzniederlegung. Eigens hierzu angereist waren auch Klaus Loscher (aus Bayreuth) und Gerhard Zeh (aus Bischofsgrün), Co-Autoren der kürzlich in der NZ erschienenen Würdigung Wanderers. Dessen Wunsch wurde auch deshalb Wirklichkeit, weil der Kaufmann Ludwig Gerngros das Vorhaben großzügig finanzierte. Der Ehrenbürgerbrief, den der Mäzen 1901 erhielt, führt die drei für die Geschichte der beiden Brunnen so bedeutsamen Protagonisten wieder zusammen: Wanderer hat die Urkunde entworfen, die Schweigger vor dem Brunnen auf dem Hauptmarkt zeigt.

  

Claudia Maué

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