Montag, 17.12.2018

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Digital ins All

Neue Projektionstechnik im Planetarium - 24.09.2010 18:03 Uhr

An der neuen Steuerungsanlage setzt Techniker Jürgen Sadurski die zwei Großprojektoren mit acht Rechnern in Gang. © DeGeare


Am funkelnden Nachthimmel können bei den Vorstellungen jetzt nicht nur beispielsweise einzelne Sternbilder optisch verknüpft und hervorgehoben, sondern vor allem Wunschreisen inszeniert werden. Ein Knopfdruck genügt – schon rücken Jupiter oder Saturn näher und lassen sich wie aus einer Raumkapsel von allen Seiten quasi aus der Nähe betrachten.

Mehr noch: Im Nu katapultiert die buchstäblich astronomische Datenbank die Zuschauer aus dem Sonnensystem heraus in fremde Galaxien – so können sie im Flug die Milchstraße „von außen“ bestaunen, wie es in der Realität keinem Erdenwesen jemals vergönnt sein dürfte.

Umgekehrt allerdings finden die Außerirdischen ihren Weg auf die neun Meter hohe Rundkuppel mit 18 Meter Durchmesser: „Alien Action“ heißt eine witzig-schräge und temporeiche Unterhaltungsshow, die vor allem jüngere Besucher „und Junggebliebene“, wie Planetariumsleiter Klaus Herzig sagt, ansprechen soll.

Wunder der Natur

Die Vollkuppelprojektion („Fulldome“) eröffnet aber auch den Blick in andere Wunderwelten. Zum Beispiel die der „Orchideen als Wunder der Evolution“ – eine Produktion der Kieler Planetariumskollegen. Eröffnet wird das neue Halbjahresprogramm allerdings mit einer Kreation aus dem eigenen Haus: Unter dem Titel „Vom Adler zum Spaceshuttle“ präsentiert das Planetariumsteam – als Beitrag zum Bahnjubiläum – einen abwechslungsreichen Streifzug durch die Geschichte der Mobilität, der zugleich natürlich die neuen Projektionsmöglichkeiten demonstrieren soll.

Für die erste Eigenproduktion hatte das Team vom Herzig, der das Konzept erarbeitet hat, 60000 Euro aus einem Sonderetat für die 175-Jahr-Feiern der Eisenbahn erhalten. Große Unterstützung erhielt das Planetarium von Videospezialisten aus den Reihen der Ohm-Hochschüler.

„Bayerns größtes Planetarium gehört jetzt zu den modernsten in Deutschland“, betont Wolfgang Eckart, der Leiter des Bildungszentrums (BZ), dem das Planetarium zugeordnet ist. Der herkömmliche Zeiss-Projektor, bisher imposanter Blickfang in der Mitte des Raumes, bleibt übrigens erhalten: „Er liefert um ein Vielfaches präzisere Bilder des Sternenhimmels als die Digitalversion“, so Herzig. Im Einzelfall können auch beide Projektionsarten – allerdings nur manuell – gekoppelt werden und sich ergänzen.

Die beiden etwa tischgroßen Digitalprojektoren wurden im Laufe des Sommers an zwei größeren Durchbrüchen in der Kuppelwand montiert, die aus dem Zuschauerraum allerdings nicht mehr erkennbar sind. Einschließlich Einbau und Ankauf der ersten Programme schlägt der „Quantensprung“ für das Haus mit gut einer Million Euro zu Buche. Die bedeutende Investition hätte sich das BZ aus eigener Kraft nie leisten können. Den Weg freigemacht hatten erst die Städtischen Werke mit einer namhaften Spende zu ihrem 50-jährigen Bestehen.

Die neuen Angebote und deutlich mehr Vorstellungen sollen dem Planetarium einen Besucheranstieg über die bisher jährlich rund 50000 Gäste hinaus bescheren. Allerdings wird auch mit den erwarteten zusätzlichen Einnahmen kein kostendeckender Betrieb zu erreichen sein. „Die Mittel benötigen wir allerdings dringend, um auch künftig ein attraktives Programm zu bieten und nötige Renovierungsarbeiten im Haus anzugehen“, erläutert Eckart.

Die „Aliens“- und die „Adler“-Show laufen ab 7. Oktober; die Orchideen-Show hat bei einem Tag der offenen Tür am Samstag, 2. Oktober, Premiere. Neben Schnuppervorführungen präsentiert das BZ an jenem Tag zwischen 16 und 21 Uhr auch andere Angebote unter dem Stichwort „Digitale Lernwelten“.

  

WOLFGANG HEILIG-ACHNECK Lokales Nürnberg

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