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Drei Brüder beenden den Kampf mit der bayerischen Staatsregierung

Lachtränen zum Abschied: Die „Biermösl Blosn“ hat über drei Jahrzehnte lang die Kabarettszene geprägt und das Klima im Freistaat verändert - 19.01.2012 22:00 Uhr

FÜRTH  - Es war, wie Hans Well meint, eine seltsame Laune des Schicksals, dass die älteste Boygroup Bayerns ausgerechnet in der fränkischen Diaspora ihre Abschiedsvorstellung geben musste. Für die „Biermösl Blosn“ hieß es nach 35 Jahren und 3500 Auftritten: Endstation Fürth. „Shopping Mall-Erwartungsland“ oder „Eldorado von Pleiten, Pech und Pannen“, nannte das Trio die ehemalige Stadt der Quelle im Eingangslied.

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Das Ende einer Ära: Die bayerische Kultband Biermösl Blosn mit Christoph Well, Hans Well und Michael Well beendete mit zwei Konzerten am Dienstag und am Mittwoch im Fürther Stadttheater ihre Laufbahn - mit viel Applaus.

Im Fürther Theater waren die „Biermösl Blosn“ und Gerhard Polt in der Vergangenheit regelmäßig aufgetreten. Theaterdirektor Werner Müller freute sich, dass die beiden Januar-Termine schon vereinbart waren, als die „Biermösl Blosn“ im Sommer letzten Jahres ihre Auflösung bekanntgab. Die drei Brüder aus der ebenso kinderreichen wie musikalischen Familie Well haben sich im Lauf der Zeit auseinandergelebt. Da ihre künstlerischen Vorstellungen nicht mehr zusammenpassten, war die Auflösung der Erfolgsgruppe nur konsequent. Denn als Gaudiburschen oder musikalische Museumshüter wollten die einstigen Volksmusikrebellen nicht enden.


Wer weiß, wie Bayern heute aussehen würde, wenn es die „Biermösl Blosn“ nicht gegeben hätte. Man wird auch nie endgültig klären, ob die Wölfe im Schafspelz der Volksmusik ein wenig am Niedergang der einst allmächtigen CSU mitschuldig sind. Die konservative Volkspartei war jahrelang der liebste Feind der Gebrüder Well. Unermüdlich haben sie sich an Spitzenpolitikern wie Franz Josef Strauß und Edmund Stoiber abgearbeitet, landauf, landab. In Dörfern traten sie als außerparlamentarische Opposition ebenso auf wie in Großstädten, in Wirtshäusern wie in Staatstheatern. Ihren subversiv ätzenden Witz tarnten die Brüder gerne mit Lausbubencharme und Virtuosität: Christoph (52) war der musikalische Alleskönner, Hans (58) der Intellektuelle und heimliche Chef, Michael (53) der stille Organisator der Gruppe.


Servus, Bayern! Servus, Franken! Michael, Hans und Christoph Well (von rechts) bei ihrer Abschiedsvorstellung im Theater Fürth.
Servus, Bayern! Servus, Franken! Michael, Hans und Christoph Well (von rechts) bei ihrer Abschiedsvorstellung im Theater Fürth.
Foto: Joachim Sobczyk
Servus, Bayern! Servus, Franken! Michael, Hans und Christoph Well (von rechts) bei ihrer Abschiedsvorstellung im Theater Fürth.
Servus, Bayern! Servus, Franken! Michael, Hans und Christoph Well (von rechts) bei ihrer Abschiedsvorstellung im Theater Fürth.
Foto: Joachim Sobczyk

Angefangen hatten sie in der Zeit der Anti-Atom- und Friedensbewegung, als „Mundartisten“ und Heimatpfleger wie Konstantin Wecker, Willy Michl, Hans-Jürgen Buchner („Haindling“) oder Georg Ringsgwandl das traditionelle Bayernbild auf den Kopf stellten. Die „Biermösl Blosn“ holte die Volksmusik aus dem Museum und kombinierte sie geschickt mit aktuellen, aufmüpfigen Inhalten — ähnlich wie es anglo-amerikanische Folkbands vorgemacht hatten.

Zu viert unschlagbar

Mit dem großartigen Kabarettisten und Menschendarsteller Gerhard Polt hatten die Well-Brüder schon frühzeitig einen kongenialen Kampfgefährten gefunden, der ihnen neue künstlerische Wege ebnete und ein anderes Publikum erschloss. Zu viert waren sie auf der Kabarettbühne unschlagbar — und der bayerischen Staatsregierung stets ein Dorn im Auge.

Doch die Zeiten ändern sich, und Feindbilder lösen sich auf — sogar in Bayern. Der Anfang vom Ende der „Biermösl Blosn“ hat auch mit den veränderten politischen Verhältnissen im Freistaat zu tun. Seit Jahren fiel den Brüdern nichts wirklich Neues mehr ein — was ihrem Erfolg keinen Abbruch tat. Die „Biermösl Blosn“ war eine bayerische Institution geworden — ein Widerspruch in sich. Hans Well erkannte das Problem, konnte sich aber mit seinen Vorstellungen bei seinen Brüdern nicht durchsetzen.

Das Best-of-Programm zum Abschied machte aber noch einmal deutlich, was man an der „Biermösl Blosn“ hatte: Volksmusik auf höchstem Niveau, gepaart mit politischem Biss und Sinn für Humor. Beim Auftritt ließen sich die Brüder ihre Meinungsverschiedenheiten nicht anmerken, allzu wehmütig schien sie der Abschied jedoch nicht zu stimmen.

Fast ein Staatsbegräbnis

Beim Fernsehinterview nach dem Auftritt ließ sich Hans Well demonstrativ zu seinen beiden Brüdern bitten. Über das große Interesse, das ihnen jetzt auch der Bayerische Rundfunk entgegenbrachte, konnten die drei nur staunen. Früher der Bannstrahl, nun fast ein Staatsbegräbnis.


Servus, Bayern! Servus, Franken! Michael, Hans und Christoph Well (von rechts) bei ihrer Abschiedsvorstellung im Theater Fürth.
Servus, Bayern! Servus, Franken! Michael, Hans und Christoph Well (von rechts) bei ihrer Abschiedsvorstellung im Theater Fürth.
Foto: dapd
Servus, Bayern! Servus, Franken! Michael, Hans und Christoph Well (von rechts) bei ihrer Abschiedsvorstellung im Theater Fürth.
Servus, Bayern! Servus, Franken! Michael, Hans und Christoph Well (von rechts) bei ihrer Abschiedsvorstellung im Theater Fürth.
Foto: dapd

Gerhard Polt, der im Mai 70 Jahre alt wird, bedauerte das Ende der Zusammenarbeit, vor allem aber der gemeinsamen Brotzeiten. Er fühlte sich ähnlich sprachlos wie am Ende einer langen Ehe. Doch das Leben geht weiter. Christoph und Michael arbeiten unter der Regie von Franz Wittenbrink mit ihren Schwestern, den „Wellküren“, an einem neuen Programm, das im Februar an den Münchner Kammerspielen Premiere hat. Hans Well möchte künftig mit seinen Kindern und Dieter Hildebrandt etwas auf die Beine stellen. Ein Comeback der „Biermösl Blosn“ ist nicht vorgesehen. Sie wird uns fehlen. 

Steffen Radlmeier



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