Mittwoch, 14.11.2018

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Franken-Hexer: Zwei dürre Sätze verschleiern das Drama

Sajmen Hauer wird sich in Nürnberg wohl nicht mehr zeigen - 26.01.2009

Klare Ansagen, die offenbar ungehört verpufften: Trainer Alex Krüger hat keine Geduld mehr mit Sajmen Hauer. © Wolfgang Zink


Eigentlich wollte Alex Krüger gar nichts sagen. Nicht viel mehr jedenfalls als die zwei Sätze aus der Pressemitteilung der Franken Hexer. Dann aber redet er, der Ex-Bundesliga-Profi, Trainer der U 16-Nationalmannschaft und Coach der Hexer, doch fast eine halbe Stunde über Hauer – vielleicht, weil es auch ihm, dem 37Jährigen, gut tut, darüber zu reden. «Ich war immer der Meinung, dass er das packt», so beginnt einer von Krügers ersten Sätzen, «aber ich muss mir eingestehen, dass ich das falsch eingeschätzt habe.» Hauer hat es nicht gepackt, nicht in seiner Heimatstadt, nicht bei den Franken Hexern.

Am Mittwoch hatte der Trainer Krüger dem Spieler Hauer mitgeteilt, dass er seine letzte Chance nicht genutzt habe. Wiederholt hatte Hauer beim Training gefehlt, unentschuldigt. An Silvester traf sich die junge Mannschaft zum Joggen, nur Hauer nicht. Und selbst Dirk Bauermann wunderte sich zuletzt bei einem Lehrgang des A 2-Nationalteams, wo der ihm bestens bekannte Nürnberger blieb. Krüger redete immer wieder mit Hauer, und «immer wieder gab er sich einsichtig, vernünftig, aber irgendwann reicht reden nicht mehr».

Sonderrolle eingefordert

Hauer hatte sich Freiheiten genommen, die einem 20-Jährigen, in seiner jungen Karriere zwar bereits bescheiden erfolgreichem, aber eben auch oft verletztem Talent nicht zustehen. Schon gar nicht als einer der wenigen, bezahlten Spielern inmitten von Studenten, Auszubildenden und jungen Berufstätigen, die Abends «im Training genauso zusammengefaltet werden, wenn sie nicht alles geben».

Der Trainer hätte sich unglaubwürdig und angreifbar gemacht, wenn er gerade dem talentiertesten und im besten Fall wohl auch wichtigsten Hexer eine Sonderrolle zugestanden hätte: «Wir haben es mit Vernunft versucht, mit Gesprächen, Sanktionen – letztlich aber müssen wir zugeben, dass wir machtlos waren.»

Hauer galt bis zuletzt als Aushängeschild der Idee der Franken Hexer, Talente aus der Region zu fördern, früh zu fordern, um sie auf den Profisport vorzubereiten. Hauer galt als erster Spieler, der es geschafft hatte.

Mit 16 Jahren war Hauer Stammspieler in der zweiten Liga, Jugendnationalspieler und durfte beim Bamberger Bundesligisten unter Bauermann trainieren und so manches Mal auch mitspielen. «Vielleicht ging das in seinem Fall alles ein bisschen schnell», sagt Krüger, der ihn über all die Jahre begleitet hatte. «Aber die Entwicklung ließ sich nur schwer verhindern.» Der junge Regisseur mit dem nicht erlernbaren Verständnis für das Spiel und dem sanften Händchen war begehrt, hatte Angebote aus der Bundesliga. Auch dem Deutschen Basketball-Bund galt er als einer der seltenen Hoffnungsträger.

Was dann passierte, deutet Krüger nur an. Bei Falke war er zu Beginn der Zweitligasaison oft der beste Punktesammler und Vorlagengeber, danach oft verletzt – aber es herrschte immer die Hoffnung, dass in Nürnberg alles besser werden, wenn Hauer nur endlich fit werden würde. Hauer wurde aber nicht fit, nur gesund. Zum Trainingsauftakt mit den Hexern erschien er alles andere als austrainiert. «Trotzdem», erinnert sich Krüger, «wollte ich ihm jede Chance geben.» Es klingt ein wenig traurig.

Als Krüger aus Bamberg der Vorschlag unterbreitet wurde, Hauers Gehalt in einen US-Amerikaner zu investieren, der den Hexern im Abstiegskampf helfen könnte, lehnte er ab. «Wir sind kein Profiteam, in dem wir junge Menschen fallen lassen, nur weil sie nicht ticken wie ein Uhrwerk.» Daran glaubt er noch immer. Trotz allem. SEBASTIAN BÖHM 

Sebastian Böhm

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