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Kampf gegen das Ende einer Magistrale

Mitte Dezember wird endgültig kein Fernverkehr mehr zwischen Nürnberg und Dresden fahren - 21.08.2014 20:49 Uhr

Die Ära des Fernverkehrs auf der 390 Kilometer langen Sachsen-Franken-Magistrale ist bald zu Ende. Foto: dpa


BAYREUTH — Die Strecke hat sie alle durch: Den D-Zug, den Intercity, den dieselgetriebenen ICE mit Neigetechnik, den InterCity und auch den Interregio-Express (IRE). Alles war schon unterwegs auf der Sachsen-Franken-Magistrale, jener 390 Kilometer langen Verbindung zwischen Nürnberg und Dresden, die einmal zu den wichtigsten Fernverkehrsverbindungen in Deutschland zählte.

Doch selbst die Zeiten, als noch Direktzüge aus Dresden über Nürnberg bis nach Karlsruhe fuhren, sind schon fast zwei Jahrzehnte vorbei. Und auch davon, dass seit der Wende weit über eine Milliarde Euro in den Ausbau der Magistrale investiert wurden, damit Fernverkehrszüge in unter vier Stunden zwischen Nürnberg und Dresden fahren können, redet niemand mehr. Das Ziel wurde ja ohnehin nie erreicht. Die Neigetechnik-ICE mit ihrer empfindlichen Technik wurden 2003 stillgelegt. Auch der Franken-Sachsen-Express, eine seit 2006 bestehende IRE-Verbindung, wird im Dezember verschwinden. Wobei die Nahverkehrszüge ohnehin nur noch sehr entfernt an so etwas wie einen ICE oder IC erinnert haben.

Dennoch wird auf bayerischer und sächsischer Seite versucht, dem Rückzug der DB aus dem verlustreichen Fernverkehr auf der Magistrale — Bahnchef Rüdiger Grube sprach von 10,5 Millionen Euro jährlich — positive Zeichen entgegenzusetzen. Und so wird es mit dem neuen Fahrplan ab 14. Dezember so viel von beiden Freistaaten finanzierten Nahverkehr auf der Strecke geben, dass die fehlenden IRE-Verbindungen mehr als nur ersetzt werden. Und davon profitieren vor allem die Fahrgäste zwischen Nürnberg und Bayreuth. Dort wird das Zugangebot laut Bayerischer Eisenbahngesellschaft (BEG) zwischen Montag und Freitag von 26 auf 33 Verbindungen verdichtet. Besonders gut kommt dabei Pegnitz weg: Weil hier künftig praktisch alle Züge halten, wird die Stadt ab Dezember beinahe mit einem S-Bahn-Takt an Nürnberg angebunden.

Schnell nach München

Die neuen Ankunftszeiten der Züge aus Bayreuth erlauben zudem erstmals den Anschluss an den schnellen Regionalexpress Nürnberg—München. Die Landeshauptstadt ist damit von Bayreuth aus mit dem Bayern-Ticket in weniger als drei Stunden zu erreichen. Auch die Expresslinie Nürnberg—Eger, die heute viermal pro Tag und Richtung verkehrt, wird ab Dezember um ein fünftes Zugpaar mit schnellen Anschlüssen von und nach Prag ergänzt. Und Marktredwitz wird dann zur Drehscheibe für den Verkehr zwischen Oberfranken und der Oberpfalz. Stündlich verkehrt dann dort die neue Oberpfalzbahn nach Regensburg.

Großen Jubel gab es bei der Vorstellung des Konzepts im Bayreuther Rathaus dennoch nicht. Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe und ihr Pegnitzer Amtskollege Uwe Raab richten den Blick bei aller Freude über den dichteren Takt der Nahverkehrszüge schnell auf Probleme, bei denen es bis heute keine Finanzierung und damit Lösung gibt: Nach wie vor ist unklar, wann eine Elektrifizierung der kompletten Sachsen-Franken-Magistrale angegangen wird.

So lange die Strommasten nur bis Hof stehen, werden die Reisenden dort von Dieselfahrzeugen auf elektrische Züge und andersherum umsteigen müssen. Außerdem wäre da noch der eingleisige Abschnitt zwischen Bayreuth und Schnabelwaid und natürlich der Zustand der Strecke im Pegnitztal mit den 23 teils über 100 Jahre alten Stahlbrücken und Tunneln zwischen Hersbruck und Neuhaus an der Pegnitz.

Solange die Brücken nicht erneuert und die Tunnel aufgeweitet werden, ist nach Angaben der Bahn ohnehin keine durchgehende Elektrifizierung der 170 Kilometer bis hinauf nach Hof möglich. „Ländergrenzen überschreitende Verbindungen“ bis hinunter nach München und Stuttgart, wie sie sich Bayreuths Oberbürgermeisterin Merk-Erbe wieder für die Sachsen-Franken-Magistrale wünscht, werden damit noch sehr lange auf sich warten lassen. 

ARNO STOFFELS

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