Sonntag, 09.12.2018

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Kraftdreikampf-Weltmeister Lorenz greift wieder an

Muskelmann mit Barometer im Oberarm - 24.07.2009

Nach einem «Riesenschnalzer» in der Schulter war seine Karriere beinahe beendet, nun kann der ehemalige Kraftdreikampf-Weltmeister Sven Lorenz wieder Gewichte heben. Nicht auf dem Bild: das Barometer. © Ralf Rödel


Sven Lorenz weiß noch genau, wie sein Körper beim Bankdrücken die Zerreißprobe verlor: «Es hat einen Riesenschnalzer getan.« Drei Schultersehnen waren ab. Der linke Arm, der ihm zuvor noch geholfen hatte, Gewichte von bis zu 315 Kilogramm zu stemmen, rührte sich nicht mehr. Weder vor, noch zurück, noch zur Seite.

Diagnose: Verengtes Schulterdach

«Den Knacks habe ich mir in Tschechien geholt«, glaubt Lorenz. Dort wollte der ehrgeizige Sportler gleich nach seinem WM-Triumph vor zwei Jahren die 800-Kilo-Marke knacken, das achtfache seines Körpergewichts («Der Traum jedes Kraftdreikämpfers!«) - stattdessen knackte die Schulter ein erstes Mal. «Übertrainiert« lautete die erste Diagnose, «verengtes Schulterdach« der endgültige Befund nach langer Ärzte-Odyssee. Ein kleiner Eingriff sollte Schlimmeres verhindern. Ein kleiner Bankdrück-Versuch mit mageren 100 Kilo führte schließlich zu Schlimmerem.

«Ich bin nicht leichtsinnig. Zuvor bin ich acht Jahre ohne Verletzung geblieben«, betont Lorenz. Deshalb suchte er gleich nach einer vernünftigen Lösung, um trotzdem weiter Top-Leistungen bringen zu können. Die Lösung saß in Rosenheim. Mathias Ritsch ist Verbandsarzt des Bundesverbandes Deutscher Kraftdreikämpfer und flickte die Sehnen schnell wieder zusammen.

Geduld und eine starke Psyche

«In aller Regel verwächst das wieder so, dass man auch wieder Leistungssport machen kann«, meint Ritsch. Wenn man vernünftig trainiere und den Körper mit den eigenen Ambitionen mitwachsen lasse, sei die Verletzungsgefahr beim Kraftdreikampf sogar deutlich geringer als beim Fußball. Meist gebe es nur kleinere Zerrungen, seltener Muskel- und Sehnenverletzungen. Geduld und eine starke Psyche brauche man schon nach einer so schweren Verletzung, das Risiko wachse dadurch aber nicht.

Lorenz ist seit März wieder voll im Training. Mit 40 Kilo hat er beim Bankdrücken angefangen, jetzt stemmt er schon wieder 160 – ohne den unterstützenden Anzug, der schon mal 40 Kilo mehr ermöglichen kann. Bei der WM Ende September in Frankreich will Lorenz wieder angreifen, auch Bestleistungen sollen wieder möglich sein. «Ein bisschen Schiss habe ich aber schon noch«, gesteht er.

Das Kämpfen früh gelernt

Dass er kämpfen kann, hat Lorenz schon früh bewiesen. In der Schule übertraf er seine Klassenkameraden vor allem an Gewicht. Dann nahm er in nur einem Jahr 33 Kilo ab. Sein Geheimrezept: «Jeden Tag mindestens eine Stunde steppen, dazu noch 40 Minuten leichtes Training mit Gewichten.« Heute hat Lorenz sein eigenes Fitness-Studio in den alten Leonischen Drahtwerken in Mühlhof - und kein Gramm zu viel auf den muskelbepackten Rippen.

Als wegen seiner Verletzung gar nichts mehr ging, kämpfte Lorenz nicht nur für sich, sondern auch für andere. Die potenziellen Kraftdreikampf-Talente die er tagtäglich in seinem Studio antraf, motivierten ihn zu einer neuen Aufgabe: Nachwuchsarbeit. Andreas Kalteis (17) führte er so zur bayerischen Meisterschaft, Lars Krüger (18) und Andreas Staude (30) immerhin noch zu Bronze-Medaillen.

Wetterfühlig

Vergessen wird Lorenz den «Riesenschnalzer« dennoch nie. Seit der Operation ist der starke Mann wetterfühlig geworden und führt sein körpereigenes Barometer immer mit sich: «Wenn schlechtes Wetter ist, merke ich das schon beim Aufstehen.« 

Martin Müller

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