Mittwoch, 19.12.2018

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Metzgerschürze brachte Frieden in Veitsbronn

Heimat- und Geschichtsverein hat zum Jubiläum ein neues Projekt - 29.01.2017 14:00 Uhr

Die Szene, als der damalige Bürgermeister Melchior Zimmermann mit der Metzgerschürze als behelfsmäßiger weißer Fahne Veitsbronn den Amerikanern übergab, ließ der Heimat- und Geschichtsverein nachstellen. © Foto: Heimat- und Geschichtsverein Veitsbronn


Ein Mann im kurzärmligem Hemd, mitten auf einer Wiese, einen Hut auf dem Kopf: Die Hände, nach vorne gestreckt, halten ein weißes Stück Stoff. Ihm gegenüber steht ein amerikanischer Soldat neben einem Jeep. So ähnlich soll sich die Szene am 17. April 1945 im Zenngrund abgespielt haben, als der damalige Bürgermeister Melchior Zimmermann Veitsbronn den vorrückenden US-Truppen übergab.

Der Gastwirt und Metzger lief den Amerikanern entgegen, als weiße Fahne diente ihm seine Schürze. Fotos von der historischen Begebenheit gibt es zwar nicht, aber Alfred Strunz hat die Szene 2012 nachstellen lassen. In der Ortschronik war die Begebenheit nicht dokumentiert, und ihm ging es darum, das Wissen darüber den nachfolgenden Generationen zu erhalten.

Mutig gehandelt habe Melchior Zimmermann und maßgeblich dazu beigetragen, dass Veitsbronn am Kriegsende nicht zerstört worden sei, sagt Alfred Strunz, der nicht nur Heimatpfleger und Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins ist, sondern auch mit Bürgermeister Zimmermann verwandt — der Gastwirt vom „Schwarzen Roß“ war der Vater seiner Schwiegermutter.

Und mit seinem jüngsten Projekt, das der Verein mit Unterstützung der Gemeinde stemmt, möchte er das Geschehen wieder ins Bewusstsein der Veitsbronner und der Besucher des Ortes rücken. Unweit der Stelle soll heuer noch eine Informationstafel mit besagtem Foto und Erläuterungen aufgestellt werden.

Geschichtlicher Spaziergang

Das Premieren-Schild aus der Serie ist bereits zu sehen, an der Zennbrücke in Bernbach. Sie erinnert an das alte, 1945 gesprengte Bauwerk, das nicht nur den Ortsteil mit Veitsbronn verband, sondern einst auch den Kaufmannszügen auf der alten Handelsstraße Nürnberg–Frankfurt die Querung des Flusses ermöglichte. Weitere Tafeln sind an der Veitskirche, dem Veitsbad und dem Dorfplatz vorgesehen. Möglichst genau am historischen Objekt oder Ort sollen die Hinweistafeln stehen, und natürlich müssen dort auch viele Menschen unterwegs sein, so beschreibt Strunz die Anforderungen. Wenn alle Tafeln installiert sind, sollen sie die Stationen eines geschichtlichen Spaziergangs markieren, den Besucher mithilfe einer Karte in Eigenregie oder unter fachkundiger Führung unternehmen können.

Doch das ist noch Zukunftsmusik. Ganz konkret ist dagegen ein anderes Vorhaben: Im Frühjahr soll der Erdbunker am Auracher Weg als Denk- und Mahnmal öffnen. Solche von den Veitsbronnern im Zweiten Weltkrieg selbst gegrabenen Unterstände zum Schutz vor Luftangriffen gab es mehrere im Ort. Das Bauwerk ist zwar nicht begehbar, durch ein Gitter wird aber ein Blick ins Innere möglich sein. Auch hier wird es eine größere Informationstafel für die Besucher — gedacht ist insbesondere an Schulklassen — geben. Gefördert wird das Vorhaben mit Geld aus dem europäischen Leader-Topf und von der Gemeinde.

Die Vorstandschaft (Bild rechts) mit dem Vorsitzenden Alfred Strunz (li.) zieht nicht nur an der Seilknüpfmaschine an einem Strang. © Thomas Scherer


Auf die gleiche Weise will Strunz ein weiteres Unternehmen realisieren: das Waagenmuseum in Retzelfembach. Über 100 Stücke – von der Brief- bis zur Personenwaage – hat der Verein zusammengetragen. Gezeigt werden sollen sie im ehemaligen Waaghäusle des Veitsbronner Ortsteils, das sogar eine funktionstüchtige Viehwaage beherbergt. Bis es so weit ist, gilt es aber noch einige bürokratische Hürden zu meistern.

Gehobener Altersschnitt

Gut entwickelt hat sich der Verein selbst, seit er aus der Taufe gehoben wurde. Aus den 13 Gründungsmitglieder sind inzwischen 130 geworden, deren Altersschnitt freilich durchaus gehoben ist. Mit dem damaligen Bürgermeister Peter Lerch, heute sein Stellvertreter, hatte Alfred Strunz 2007 eine Vereinsversammlung in Raindorf besucht. Bei der Gelegenheit kam die Sprache darauf, warum Veitsbronn eigentlich keinen Heimatverein habe, ganz im Gegensatz zur gerade neu gewonnenen Partnergemeinde Sovicille in der Toskana: Pro Loco (Für den Ort) kümmert sich dort um die Historie. Nicht nur der Name gefiel Alfred Strunz, der für Veitsbronn gleich als Vorsitzender „verhaftet“ wurde.

Ortsgeschichte dokumentieren und Heimatpflege betreiben, das sind die Kernaufgaben bis heute. Aufschwung nahm der Verein mit der Eröffnung des Heimat-Raums neben dem Veitsbad. Hier wird die Arbeit nach außen sichtbar, mit Sonderausstellungen oder durch Aktionen im Ferienprogramm. Kinder konnten dort gemeinsam mit Vereinsmitgliedern an einer über hundert Jahre alten Maschine Seile drehen und auf dem mit Holz befeuerten Herd Suppe kochen.

Alfred Strunz würde gerne mehr solcher Aktionen oder auch Ausstellungen machen. Doch dafür bräuchte es vor allem andere und größere Räumlichkeiten. Die Gemeinde steht dem Ansinnen positiv gegenüber und sucht nach Möglichkeiten. „Aber das muss gut überlegt sein“, sagt Strunz. Die Projekte, sie gehen nicht aus. 

Harald Ehm

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