Montag, 19.11.2018

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Oberferrieder brauen wieder ihr eigenes Bier

Verein will örtliche Brautradition erhalten - 13.04.2014 15:35 Uhr

Die historischen Brau-Insignien Bierschöpfer, Maischegabel, Malzschaufel, daneben Hopfenranken und Gerstenähren sowie der bekannte Zunftspruch „Hopfen und Malz – Gott erhalts“ prangen auf dem Mosaik an der Reitherschen Brauerei, in der allerdings seit 13 Jahren kein Bier mehr hergestellt wird. © Spandler


Wie es dazu kam und was man da so macht, wollte jetzt der Bote wissen. Immerhin wurden am Samstag nach Jahren in Oberferrieden wieder 100 Liter Sud hergestellt. Geboren wurde die Idee – genau – aus einer Stammtischlaune heraus. Junge und alte Oberferrieder philosophierten darüber, wie schade es doch sei, dass im Ort kein Bier mehr gebraut wird.

Schließlich gab es bereits im 17. Jahrhundert mit dem „Linden-Bräu“ und dem „Weißen Löwen“ mindestens zwei Braustätten in dem kleinen Dorf. Zuletzt floss Oberferrieder Gerstensaft 2001 aus dem Zapfhahn, als die Lindenbräu Georg Reither OHG die Stilllegung ihrer Anlage vor Ort beschloss und nun nach 328 Jahren Brautätigkeit ihr Bier nach den eigenen bewährten Rezepten nur mehr im Lohnbrauverfahren andernorts herstellen lässt.

Also fragten bodenständige Oberferrieder nach, wer denn Interesse daran hätte, auf irgendeine Art diese alte Tradition wieder aufleben zu lassen. Ohne große Mühe und allein durch Mundpropaganda fanden sich dann im Herbst 2012 23 Interessierte aller Altersstufen, „sogar weibliche“, zur Gründungsversammlung ein, traten dem „Verein zum Erhalt der Oberferrieder Brautraditon“ bei und beschlossen seine Satzung. Schließlich ist die Brauerei des Familienunternehmens Georg Reither ja noch mitten im Ort vorhanden, die ließe sich vielleicht wieder aktivieren, spekulierten die Vereinsmitglieder.

Reither, der Chef des Betriebs, war allerdings nicht mit von der Partie. Trotzdem ließ er sich zunächst zu einer Machbarkeitsuntersuchung seiner Brau-Ausstattung überreden. „Wir haben Arbeitsdienste eingeteilt, das Sudhaus aufgeräumt, Termine mit dem Gesundheitsamt absolviert und am Ende einen Mängel-Katalog erstellt“, erinnert sich Björn Reese, der 1. Vorsitzende des Vereins und gleichzeitig Inhaber des Gasthofs „Weißer Löwe“. Auch unter Berücksichtigung der Defizite in der Warmwasseraufbereitung und beim Kamin und aller anderer sanierungsbedürftiger Anlagenelemente kam man zu dem Schluss: „Ja, das kann vom Verein gestemmt werden.“

Rückschlag nach Absage des Eigentümers

Ganz so unproblematisch sah das der Eigentümer des Brau-Equipments allerdings nicht. Er wollte einen Vertrag zur juristischen Absicherung, der ihn dann letztendlich doch nicht überzeugte. „Warum ich schließlich abgelehnt habe, hat verschiedene Gründe“, erläuterte Reither dem Boten. Unter anderem wäre er wohl gern ein bisschen früher in die Überlegungen mit einbezogen worden. „Ich habe das aber reiflich überlegt, mit meiner Familie diskutiert und bin zu dem Schluss gekommen, dass dieses Konzept auf meinem Gelände derzeit keinen Sinn macht“, begründet er seine ablehnende Haltung.

Auf einer der Absage folgenden Versammlung des Brauereivereins, der mittlerweile 40 Mitglieder zählte, gab es erst lange Gesichter und dann eine lebhafte Diskussion. Reese solle am „Löwen“ ein Sudhaus anbauen, so die maximale Forderung, was dieser natürlich aus Kostengründen ablehnte. Doch dann kam technischer Leiter Stefan Matzkowitz der Stadlbräu in Oberhaching auf die Spur, die Miniatursudhäuser verleiht und vorher Brau-Workshops anbietet. Als Versuchsballon und potenzieller Wiedereinstieg in die Braupraxis schien das genau der richtige Start zu sein, und so schickte man eine dreiköpfige Abordnung des Vereins im März zur Schulung nach Oberbayern, und am Samstag wurde die mobile Brauanlage zum „Weißen Löwen“ gekarrt und dort in der Küche erstmalig wieder Oberferrieder Bier hergestellt.

Denn auch im „Löwen“ hatte man vor fast 100 Jahren das Brauen aufgegeben. Sollte das Einbrauen des Bieres gelungen sein, was sich in etwa drei Wochen herausstellen wird, und das Endergebnis mundet, dann wird man sich überlegen, doch eines Tages eine eigene Anlage zu erwerben, möglicherweise eine etwas größere als das Schau-Sudhaus, mit dem man pro Sud gerade mal 50 Liter des flüssigen Brots einbrauen kann. 

Gisa Spandler

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