Mittwoch, 19.12.2018

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Offener Bücherschrank ist in Feucht beliebt

Freiluft-Austauschbibliothek stellt Klassiker und Moderne Lektüre zur kostenlosen Verfügung bereit - 25.08.2011 16:52 Uhr

Festgemauert in der Erden: Der offene Bücherschrank steht nach wie vor unbeschadet und stabil. Auch nach einem Jahr haben Wind und Wetter ihm nichts anhaben können. Jede Woche sieht die Leiterin der Feuchter Gemeindebücherei, Barbara Schaffer, abwechselnd mit Karl-Heinz Kuhn von der Buchhandlung Kuhn nach dem Rechten. © Pröll


Vor einem Jahr wurde die Freiluft-Austauschbibliothek eingeweiht. Anlass genug, mal wieder einen Blick in das wohl außergewöhnlichste Bücherregal der Marktgemeinde zu werfen.

Das Konzept des offenen Bücherschranks ist schnell zusammengefasst: Die eingestellten Bücher stehen allen Bürgern und Besuchern von Feucht kostenlos zur Verfügung. Diese haben die Wahl, die Schmöker entweder gleich vor Ort im Barockgarten zu lesen, sie für Zuhause auszuleihen oder gegen eigene, mitgebrachte Bücher auszutauschen und zu behalten. Formalitäten gibt es keine, der Schrank kann das ganze Jahr über, jeden Tag bis zum Einbruch der Dunkelheit genutzt werden.

Solche Austauschbibliotheken finden sich mittlerweile in mehreren deutschen Städten und Gemeinden – unter anderem in Bamberg, Schwabach, Kronach und Bayreuth. Der öffentliche Bücherschrank in Bayreuth war es vor gut einem Jahr auch, der die Idee für das Projekt in Feucht lieferte.

Ingrid Herold, Bücherfan und Bürgerin aus Feucht, hatte ihn dort entdeckt und dann in der Marktgemeinde angeregt, hier ebenfalls einen aufzustellen.Eigens von der Firma Käppner aus wetterbeständigem Metall angefertigt, bezog der Freiluft-Bücherschrank seinen Platz im Barockgarten des Tucherschlosses. Die Erstbestückung stellte Karl-Heinz Kuhn von der Buchhandlung Kuhn, rund 300 Bücher warteten auf interessierte Leser.

Auf den ersten Blick ist auch ein Jahr später beim Bücherschrank alles unverändert. Wind und Wetter, sogar die Schneemassen im vergangenen Winter konnten ihm nichts anhaben. Die Bücher stehen nach wie vor stabil und trocken. Auch Fälle von Vandalismus gab es keine. Jede Woche sehen im Wechsel die Leiterin der Gemeindebücherei Barbara Schaffer und Karl-Heinz Kuhn nach dem Rechten. Beide sind zufrieden mit dem ersten Jahr öffentlicher Bücherschrank. Das Angebot der Freiluft-Bibliothek wird fleißig genutzt – der beste Beweis dafür ist der Inhalt des Schranks, der sich in den vergangenen zwölf Monaten dank der Bücher tauschenden Leser ganz schön verändert hat.

Gut gefüllt ist der Bücherschrank nach wie vor. Doch von den ursprünglich eingestellten Schmökern sind kaum mehr welche vorhanden, erzählt Barbara Schaffer. Andere, ebenso lesenswerte Bücher haben dafür Einzug gehalten und liefern Einblicke in die literarischen Vorlieben der Feuchter Bücherwürmer.

Unterhaltsame Werke beliebt

Viel Unterhaltungsliteratur ist zu finden, Kost für gemütliche Lesestunden – von John Grishams Justiz-Thrillern bis zum britisch angehauchten Gesellschaftsroman von Charlotte Link. Bekannte Frauenromane wie Olivia Goldsmiths „Club der Teufelinnen“ reihen sich an Klassiker wie C.F. Meyers historische Novellen und Charles Dickens Romane. Vereinzelt stehen auch Sachbücher, lässt sich eine Biografie über Altkanzler Helmut Schmidt ebenso finden wie ein Ratgeber für Hundebesitzer.

Die Nutzer stellen ein, was sie für lesenswert halten. „Ab und an ist schon vorne in einem Buch ein Zettel gelegen, auf dem es ein Leser anderen empfohlen hat“, schildert Karl-Heinz Kuhn. Kinder- oder Jugendbücher sind in den Reihen dafür seltener geworden. Das möchte Kuhn wieder ändern. Pünktlich zum Feuchter Familienfest am Samstag, 17. September, plant er, neue Lektüre für die jüngeren Bücherfans zu stiften. Die Leser haben den offenen Bücherschrank das vergangene Jahr über durchgehend genutzt. Sogar im Tiefschnee sind sie durch den Barockgarten zu ihm gestapft, um sich mit neuem Lesestoff einzudecken. Oft kommen Familien, die gemeinsam durch das Angebot stöbern, weiß Karl-Heinz Kuhn von seinen Rundgängen zu berichten.

„Besser hätten wir uns für den Bücherschrank das vergangene Jahr nicht wünschen können“, stellt Barbara Schaffer fest. Sie ist sich sicher: Die Entscheidung, ihn im Barockgarten aufzustellen, war goldrichtig. Viele würden beim Entspannen in der kleinen Grünanlage auf die außergewöhnliche Installation aufmerksam. Und als Ort zum gemütlichen ersten Einlesen sei der Barockgarten bei schönem Wetter ohnehin ideal. 

Fiona Pröll

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