Montag, 10.12.2018

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Orgelkonzert in der Rummelsberger Philippuskirche

Kantor Thomas Greif spielte Stücke des Komponisten Sigfrid Karg-Elert - 04.08.2011 18:24 Uhr

Ironische Musikportraits: Theaterregisseur Klaus Kramer und Kantor Thomas Greif (von links) begeisterten mit ihrem Sigfrid Karg-Elert-Abend in der Rummelsberger Philippuskirche. © Krätzer


Eindeutig Orlando di Lasso, oder? Beim Orgelkonzert in der Rummelsberger Philippuskirche spielte Kantor Dr. Thomas Greif Musik, wie sie unterschiedlicher kaum sein kann. Eines haben alle Stücke jedoch gemeinsam: Sie stammen aus der Feder des deutschen Komponisten und Musikers Sigfrid Karg-Elert (1870 - 1933). Ausschnitte aus Karg-Elerts Zyklus „33 Portraits“ (Opus 101) hatte Greif für dieses Konzert ausgewählt. Karg-Elert, der heute fast vergessene Komponist und Musiker, stellt hier wie kein Zweiter die Großen seines Metiers dar – sich selbst als 33ster. 400 Jahre Musikgeschichte versammelt er in seinem „Compendium der gesamten Stilarten, Techniken, Ausdruckmöglichkeiten und Formen“, an dem er 40 Jahre arbeitete.

Wie ein musikalisches Chamäleon „schlüpft“ er in die Besonderheiten der jeweiligen Komponisten, übertreibt sie häufig um beispielsweise „noch griegischer als Grieg“ zu sein. Seine Portraits klingen so täuschend echt, dass wohl nur ausgesprochene Fachleute sie als „Fälschungen“ enttarnen könnten. Frei nach Edvard Grieg sein „Hardanger Fjord“, zu dem man sich hervorragend tanzende oder besser trampelnde Trolle vorstellen kann: Vielleicht bei einer Sonnenwendfeier, denn in den romantischen Passagen wird die Musik ganz sanft, klingt nach viel Gefühl und Sonnenuntergang am Wasser.

Toll, wie Greif diese oft gegensätzlichen Stimmungen und Eigenheiten wiedergibt, sich auf die Musik eines Arnold Schönbergs – komponiert wie ein mit dicken Klecksen und kräftigen Pinselstrichen gemaltes Bild – einstellt. Oder auf die leichtfüßige Beschwingtheit eines Wolfgang Amadeus Mozart, später die „luftige“, wie Vogelgezwitscher klingende Musik eines Francois Couperin. Dass Karg-Elert nicht nur im Nachahmen Großartiges leistete, sondern selbst hervorragende Choralimprovisationen komponierte, unterstreicht Greif mit „Nun danket alle Gott“ – einem ernsten Marche triomphale, bei dem die Orgel das ganze Kirchenschiff mit ihrem jubelnden Klang ausfüllt.

In Deutschland umstritten

Mehr zur Person des seiner Zeit im Ausland sehr geschätzten, in Deutschland aber umstrittenen Künstlers erfuhren die Kirchenbesucher von Theaterregisseur Klaus Kramer, „aus Möhrendorf, nicht Erlangen“, der den Abend moderierte. Amüsant und geistreich führte er mit Informationen und Rätseln zu Musik und Künstlern sowie kleinen Szenen rund um die gespielten Ausschnitte durch das Programm. Herrlich seine Vorgaben zum Musikportrait „Drama a la Richard Wagner“ – bei ihm wird daraus eine lustige Persiflage auf den Ring des Nibelungen.

Passend zur schwelgerischen Musik warf er wie bei einem Stummfilm Untertitel per Beamer an die Kirchenwand. Köstlich seine Geschichte von der schönen Siegelose, die das unappetitliche Untier Dönar bedroht. Mit etwas Fantasie sieht man die Heldin mit ihren ausdrucksstarken Augen vor sich, wie sie ihren Retter „Lohengelb aus dem Teich“ anschmachtet. Mit den vielen ironisch-heiteren Portraits, der Moderation und gekonnten Vorstellung ein begeisternder Abend, der Lust auf mehr Sigfrid Karg-Elert macht. 

Dorothée Krätzer/RA, Der Bote

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