-5°

Sonntag, 16.12.2018

|

Paketpostamt wieder aufbauen!

Mein Verschönerungsvorschlag für eine hässliche Lücke: - 10.04.2009

NZ-Redakteur Peter Viebig am Ort des Grauens. Direkt am Hauptbahnhof tut sich einer der hässlichsten Flecken der Stadt auf. Einst stand hier das Paketpostamt, nun gähnt staubige Leere. © Issler


Charme und Sinn, das wären die letzten Begriffe, die mir bei dieser Brachfläche mitten in der Stadt einfallen würden. Schande und Schwachsinn schon eher. Nur 100 Meter vom Bahnhof entfernt klafft diese von Müll und Unkraut bedeckte Baulücke, bei der man fast schon dankbar ist, dass ein Unternehmer dort seine Riesenwerbefläche platziert hat und damit gnädig ablenkt von diesem Musterbeispiel für verfehlte kommunale Wirtschaftspolitik.

Es ist fast sieben Jahre her, da rückten Bagger dem Paketpostamt am Ausgang des Allersberger Tunnels zu Leibe. Das Bauwerk stammte aus den 30er Jahren. Exemplarisch verdeutlichte es die Nazi-Architektur. Wie bei der Hauptpost wurde hier die Formensprache der NS-Repräsentationsbauten aufgenommen. Gleichzeitig konnte im Inneren demonstriert werden, dass der massive Naturstein nur scheinbar auf 1000 Jahre ausgelegt war. Die Natursteinverkleidung verriet die monumentale Pracht als simplen Industriezweckbau.

Trotzdem war das NS-Blendwerk nicht etwa baufällig oder gar vom Einsturz bedroht. Im Mai 2002 wurde es abgerissen, weil die Stadt dort ein Erlebnissport-Kaufhaus errichtet sehen wollte. Ähnlich wie beim Jahre später abgerissenen Milchhof wurden Probleme mit dem Denkmalschutz befürchtet, und da dachte man wohl: Was weg ist, das regt diese nervigen und wirtschaftsfeindlichen Altbaubewahrer nicht mehr auf. Das Paketpostamt am Bahnhof stand nämlich, aus nicht ganz erfindlichen Gründen, noch nicht auf der Denkmalschutzliste. Das verwunderte damals selbst den Architekten des Sportkaufhauses – zumal der benachbarte, deutlich unattraktivere Postrundbau auf dieser Liste stand.

Der Architekt konnte dann seine Pläne für einen Kaufhausneubau nicht umsetzen, da der Investor einen Rückzieher machte. Dass sich eine Stadtverwaltung gegen solche Unwägbarkeiten und Investorenlaunen nicht erst einmal absichert, bevor sie die Bagger loslässt, will mir bis heute nicht in den Kopf. Mit Wirtschaftsförderung hat das jedenfalls nichts zu tun.

Als Strafe verlange ich daher den Wiederaufbau des Paketpostamtes. Dort könnte – wie vor dem Abriss bereits geschehen – ein Musikclub Platz finden. Auch anderswo wegen der Lärmentwicklung eher ungeliebte Nutzungen wie Band-Übungsräume könnte man unterbringen. Unbillig finde ich diese Forderung nicht, schließlich baut Berlin sein Stadtschloss auch wieder auf. Außerdem sind im Konjunkturpaket Millionenbeträge für wesentlich sinnlosere Bauvorhaben aufgeführt. 

Peter Viebig

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: nordbayern.de