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Beate Zschäpe stellte sich in Kleidung von Susann E.

Ihr Mann ist der Mitangeklagte im NSU-Prozess Andre E. - 26.06.2018 05:09 Uhr

Die Sächsin Susann E. soll regelmäßig Kontakt zum NSU-Kerntrio im Untergrund gehalten haben. War sie auch in der Nürnberger Pilsbar? © Foto: privat


Ihm wird Beihilfe zum versuchten Mord, zur gefährlichen Körperverletzung, zum Raub und zum Herbeiführen einer schweren Sprengstoffexplosion sowie die Unterstützung einer terroristischen Vereinigung zur Last gelegt. Der 38-Jährige soll die Wohnmobile angemietet haben, mit denen Böhnhardt und Mundlos mutmaßlich die Raubüberfälle begangen haben. Auf seinem Bauch hat er sich die Worte "Die Jew Die" ("Stirb, Jude, stirb") tätowieren lassen, auf seiner Brust prangt ein Horst-Wessel-Porträt und auf seinen Arm ein Wehrmachtssoldat. Bilder davon finden sich zuhauf im Internet.

André E. wurde wegen Fluchtgefahr im vergangenen September im Gerichtssaal verhaftet und sitzt jetzt in U-Haft. © Foto: Tobias Hase/dpa


Über André E. sagt sein Rechtsanwalt, er sei ein "überzeugter Nationalsozialist, mit Haut und Haaren." Zusammen mit seinem Zwillingsbruder Maik gründete André E. Ende der 90er Jahre die rassistische "Weiße Bruderschaft Erzgebirge" als Teil des internationalen rechtsradikalen Blood&Honour-Netzwerkes, in dem sich auch seine spätere Frau Susann und die Sächsin Mandy S. engagierten. Mandy S. hat im Jahr 2000 einige Monate in Büchenbach bei Roth gelebt und beim dortigen Schützenverein Schießübungen absolviert.

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NSU-Unterstützerin zog von Sachsen in den Landkreis Roth

Die Frisörin Mandy S.kannte sich in der Region Nürnberg gut aus. Sie nahm an Veranstaltungen von Rechtsextremen in Fürth und Gräfenberg teil und besuchte eine Schulung der inzwischen verbotenen Fränkischen Aktionsfront. Von Sommer 2002 bis März 2003 lebte sie in Büchenbach nahe Roth. Heute wohnt sie wieder in Sachsen.


Andre E. gilt als wichtiger Unterstützer des NSU-Kerntrios, mietete offensichtlich schon 1999 eine Wohnung für die Drei an. Als Beate Zschäpe nach den Suiziden von Mundlos und Böhnhardt im November 2011 tagelang durch Deutschland vor der Polizei floh, nahm sie Kontakt mit André E. auf. Als sie sich stellte, trug sie Kleidungstücke, die Susann E. gehörten.

Nachdem André E. Ende 2011 von der Spezialeinheit GSG 9 festgenommen wurde, saß er in Untersuchungshaft, kam dann aber frei und konnte den Gerichtssaal nach den Verhandlungstagen als freier Mann verlassen. Weil er dem Gericht zufolge aber mit einer empfindlichen Freiheitsstrafe zu rechnen hat und eine Flucht daher nicht unwahrscheinlich sei, wurde er im vergangenen September wieder in U-Haft genommen. Seitdem wartet er im Gefängnis auf das Urteil. Seine Frau, im Prozess als Zeugin vorgeladen, verweigerte bislang die Aussage.

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Die kaltblütigen Morde des NSU: Eine Chronologie

Jahrelang hielten die Rechtsterroristen Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt das Land in Atem. Nach bisherigen Erkenntnissen sollen auf das Konto der beiden männlichen Täter etliche Bankraube, Attentate und zehn Morde gehen. Wir erinnern an die Opfer und Verletzten.


 

jm/egr

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