12°

Montag, 22.10.2018

|

zum Thema

Kommentar: Warum Cannabis legalisiert werden sollte

Kontrollierter Verkauf weicher Drogen ist längst überfällig - 05.02.2018 12:51 Uhr

Deutschen Kriminalbeamte machen sich für eine Legalisierung von Cannabis stark. © Coulorbox.de


Die Deutschen sind ein Volk, das verschiedene Rauschmittel in großen Mengen jeden Tag zu sich nimmt. Sie tun es morgens kurz nach dem Aufstehen, an der Arbeitsstelle, in der Mittagspause sowieso und auch den ganzen Nachmittag über, oft vor den Augen ihrer Kinder. Abends zelebrieren sie diesen Konsum sogar öffentlich in Gruppen, in der Kneipe um die Ecke. Skandalös? Absolut nicht. Zigaretten und Alkohol gehören einfach zum Alltag und sind gesellschaftlich voll akzeptiert.

Ganz anders als Cannabis. Auch dieser Stoff ist in der gesamten Republik stets verfügbar, gilt aber als (unter Umständen) gefährlich und bleibt deshalb (weitgehend) verboten. Obwohl durch Alkohol- und Zigarettenkonsum nachweislich weitaus mehr Menschen sterben als durch exzessives Kiffen. Es wird allmählich Zeit, dass die Politik beim Thema "Cannabis" in der Realität ankommt und eine Legalisierung einleitet, wie der Kriminalbeamtenverband BDK das jetzt fordert. Es ist rechtsstaatlich ohnehin nicht mehr nachzuvollziehen, dass der Besitz kleinerer Mengen von Cannabis oder Marihuana von Bundesland zu Bundesland ganz unterschiedlich verfolgt wird.

Bilderstrecke zum Thema

Volksdroge und Medikament: Cannabis in Deutschland und der Welt

Auch in Deutschland gibt es bald Cannabis auf Rezept für Schmerzpatienten. Andere Länder sind bei der rechtlichen Beurteilung der Pflänzchen wesentlich liberaler. Eine Übersicht in Bildern.



In unserem Leserforum können Sie das Thema kommentieren.


Als Eltern muss man sich folgende Frage stellen: Ein Teenager lässt sich durch ein staatliches Verbot sicher nicht vom ersten Joint abhalten. Will man nun, dass er diesen in der Apotheke kauft und über die (durchaus bestehenden) Risiken des Cannabiskonsums umfassend und kompetent aufgeklärt wird? Oder soll ein 14-Jähriger sein erstes Gras in der Seitenstraße hinter der Schule kaufen, wo ein Dealer steht, der auch noch Extacy-Tabletten oder andere harte Drogen anbietet? Erwerb und -konsum von Cannabis sind heute in ein kriminelles Umfeld eingebettet. Diesen Zustand könnte man durch eine Legalisierung mit kontrollierter Abgabe beenden.

Der Schwarzmarkt zieht letztlich nur Kriminelle an, die Drogen von oft zweifelhafter oder sogar lebensgefährlicher Qualität anbieten. Ein legaler, vom Staat gelenkter und obendrein versteuerter Handel von Cannabis könnte dagegen sogar Programme zur Suchtprävention finanzieren. Dazu muss eine Regierung nichts weiter tun als alte Vorurteile abzulegen ("Cannabis macht süchtig") und die Bevölkerung aufzuklären. Ob eine neue GroKo den Mut dazu aufbringt? 

Martin Damerow E-Mail

Seite drucken

Seite versenden


weitere Meldungen aus dem Ressort: Politik