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Pommersfelden: Rechte im Schlosshotel

Erneut soll es zu einem so genannten „Lesertreffen“ kommen — Bürgermeister Hans Beck will „Runden Tisch“ - 03.02.2011 15:58 Uhr

Das Schloss würde sich angesichts des nahenden rechten „Lesertreffens“ am liebsten verstecken. Auf Grund des Pachtvertrags kann Graf von Schönborn aber nichts unternehmen. Ein „Runder Tisch“ soll endgültig Klarheit bringen, was getan werden kann.

Das Schloss würde sich angesichts des nahenden rechten „Lesertreffens“ am liebsten verstecken. Auf Grund des Pachtvertrags kann Graf von Schönborn aber nichts unternehmen. Ein „Runder Tisch“ soll endgültig Klarheit bringen, was getan werden kann. © Groh


Nach Angaben des Nürnberger Bündnisses Nazistopp wird das Treffen vom 1. bis 3. April stattfinden. Bereits in den vergangenen Jahren war es zu ähnlichen Veranstaltungen gekommen, die als „Lesertreffen“ einer rechts ausgerichteten Zeitschrift firmierten.

Größerer Andrang?

Dem Bündnis Nazistopp liegt das Einladungsschreiben vor, in dem der rechtsgerichtete Verleger Dietmar Munier (Zeitschrift „Zuerst!“) sich auf „einen noch größeren Andrang in diesem Jahr“ freut. Auf dem Schreiben wird weiter zitiert: „Unser Lesertreffen hat sich zu einem Geheimtipp für alle an Geschichte und Politik interessierten Patrioten entwickelt.“ Nach Angaben von Bündnis Nazi-Stopp sollen 2010 rund 300 Zuhörer nach Pommersfelden gekommen sein.

Bei der geschlossenen Veranstaltung werden den Gästen eine Reihe von Referaten geboten. Heuer soll Munier angeblich über seine Rolle „als politischer Verleger wider den Zeitgeist“ sprechen.

Thema Sarrazin

Angekündigt hat sich laut dem Nürnberger Bündnis auch Hans Püschel, Bürgermeister von Krauschwitz in Sachsen-Anhalt, ehemaliges SPD-Mitglied, das nun für die NPD in den Landtag will. Sein Thema soll lauten: „Meinungsfreiheit: Mit Thilo Sarrazin in der SPD.“ Auf der weiteren Referentenliste stehen angeblich auch Götz Kubitschek vom „Institut für Staatspolitik“, der sich das Thema „Deutsche Opfer, fremde Täter: Ausländergewalt in Deutschland“ gewählt habe.

Wie in den vergangenen Jahren auch verurteilt Graf Paul von Schönborn als Schlossbesitzer das Treffen. Doch habe er keine Möglichkeit, die Veranstaltung zu verhindern. Das lasse der Vertrag mit den Schlosshotel-Pächtern nicht zu. „Ihnen ist offenbar der Euro wichtiger als das Renommee.“

Trotz seiner inhaltlichen Ablehnung verweist der Schlossherr darauf, dass die Veranstaltung wohl komplett legal sei. „Die sind sehr gut organisiert, die machen keine Formfehler.“ Alles, was er tun kann, werde er aber tun: Ins eigentliche Schloss lässt er die Leute nicht hinein. Schon im vergangenen Jahr hatte er eine Sonderführung abgelehnt. Daraufhin war er im Internet Schmähungen ausgesetzt. Eine Führung sei auch gar nicht nötig, ätzte da einer. Man wisse ja, wie von Schönborns Vorfahren gelebt hätten – als „protzende und schmarotzende Barockfürsten“.

Immer wieder kritisch

Pommersfeldens Bürgermeister Hans Beck, der sich in den vergangenen Jahren immer wieder kritisch zu der Tagung geäußert hat, will im Februar zu einem „Runden Tisch“ einladen, an dem sich Initiativen und Betroffene mit der Frage auseinandersetzen werden, „ob man diese Treffen verhindern kann“.

Mit am Tisch soll nach den Vorstellungen von Beck auch ein Vertreter des Verfassungsschutzes sitzen. Von dieser Seite erhofft sich der Bürgermeister exakte Auskünfte, wie das Treffen genau einzuordnen ist. Das Bündnis Nazistopp ist bei einer Einordnung vorsichtig. Das Lesertreffen liege in einer „Grauzone zwischen rechtskonservativem Denken und offen rechtsextremen Positionen.“ Öffentliche Proteste haben bisher nicht stattgefunden. Die Organisatoren meiden nach Einschätzung der Nürnberger Aktionsgruppe die Öffentlichkeit. Die Treffen „werden nur rechts-szeneintern beworben“.
  

mk

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