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Post bringt Paketzentrum auf Touren

DHL-Standort in Feucht wird umgebaut - Ab 2013 wieder zuständig für die gesamte Region - 01.10.2012 14:45 Uhr

Die Deutsche Post will die Sortierleistung in Feucht von 20.000 auf 40.000 Pakete pro Stunde verdoppeln. © Kappes


Sonntags gemütlich im Bett liegen bleiben und sich per Mausklick das neueste Handy nach Hause bestellen. Anstatt schwere Bücher vom Laden zum heimischen Regal zu schleppen, einfach vom Online-Versandhandel an die Haustür liefern lassen: Die Kaufgewohnheiten der Deutschen haben sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Das Internet bietet eine Konsumwelt, die rund um die Uhr geöffnet hat — und die Ware per Versand bis zur Schwelle liefert. Kein Wunder also, dass der Paketdienst DHL im vergangenen Jahr einen Zuwachs von rund 10 Prozent vorweisen konnte.

2,6 Millionen Pakete transportiert DHL täglich, in der Vorweihnachtszeit gar die doppelte Menge. Und die Prognosen gehen steil nach oben: Der Logistikkonzern geht davon aus, dass in zehn bis 20 Jahren Einzelhändler jede vierte Ware über den Versandweg absetzen werden. Derzeit sind es acht Prozent. Um diese Massen zu bewältigen, greift der Konzern tief in die Tasche und investiert mit 750 Millionen Euro, so viel wie schon seit 20 Jahren nicht mehr, in sein Paketnetz. Schließlich will DHL das umsatzstärkste Logistikunternehmen der Welt bleiben. Dazu baute die Deutsche-Post-Tochter bereits im vergangenen Jahr zehn Paketzentren, etwa in Augsburg, Bielefeld und Regensburg, aus.

Das Paketzentrum im Gewerbegebiet Nürnberg Feucht krempelt die DHL sogar komplett um. Es dient als Pilotstandort für „40K“: Statt der bisher 20.000 Sendungen werden ab nächstem Frühjahr 40.000 Pakete stündlich sortiert. Dazu baut die Post derzeit eine vollständig neue und hochmoderne Sortieranlage ein. Scanner sind in der Lage, die Anschriften von allen sechs Seiten eines Paketes zu erfassen, die gelben DHL-Lastwagen werden zum Teil automatisch entladen, eine neue Sortiertechnik sorgt dafür, dass weniger Pakete beschädigt werden. Die Post nimmt für die Zeit des Umbaus die Anlage vom Band. Transporter rollen dennoch fast im Minu­tentakt nach Feucht: Die Fracht von mehreren Lkw wird hier in einen Anhänger umgeschichtet, um Lastwagen einzusparen. Die Fahrzeuge rollen dann zu den umliegenden, bereits fertig ausgebauten Standorten in Kitzingen und Regensburg. Diese kümmern sich momentan um die Sendungen, die eigentlich für Feucht bestimmt sind.

Das Paketzentrum in Feucht ist ab Anfang 2013 wieder zuständig für die gesamte Metropolregion. Alle Sendungen von Bayreuth bis Neumarkt, von Weißenburg bis Ansbach werden hier sortiert und weiter geleitet. Außerdem ist der Standort Drehkreuz für Sendungen in Länder wie Österreich, Italien, Kroatien, Slowenien, Slowakei, Türkei, Griechenland, Albanien, Mazedonien Ungarn, Rumänien und Bulgarien. Wie viel Geld in den Umbau in Feucht fließt, darüber schweigt der Konzern. Vielleicht werden Zahlen bei der Eröffnung im nächsten Jahr bekannt gegeben, heißt es aus der Pressestelle. Der Konzern ist sich allerdings sicher, dass mit der Neugestaltung der Bedarf der Metropolregion langfristig gedeckt ist.

Besserer Service, höhere Preise

„Dramatische Verbesserungen für den Post-Kunden“ hatte Jürgen Gerdes, Konzernvorstand „Brief“ der Deutschen Post, im September 2011 bei der Vorstellung der Umbaumaßnahmen angekündigt. Und tatsächlich dürften Privat- und Geschäftskunden Veränderungen bemerken: Zum einen zwar im Geldbeutel – die DHL hatte erst vergangene Woche angekündigt, den Preis für den Versand von Expresspaketen um durchschnittlich 4,9 Prozent zu erhöhen, aber auch im Alltag. Die DHL will 95 Prozent aller Pakete zukünftig innerhalb eines Tages zum Kunden bringen und das flächendeckend in ganz Deutschland. Durch den schnellen Versand eröffnen sich dem Unternehmen ganz neue Sparten: Der Konzern will nicht nur Bücher und Elektronik an die Haustür liefern, sondern auch den kompletten Wocheneinkauf inklusive verderblicher Lebensmittel.

Auch im demographischen Wandel sieht die DHL eine Chance: Mitarbeiter könnten Senioren ihre wöchentliche Tablettenration bequem nach Hause bringen. Dank neuester Technik erhöht sich auch die Transparenz für den Kunden. Er kann nahezu in Echtzeit den Weg seiner Sendung verfolgen und kurzfristig entscheiden, ob er das Paket lieber Zuhause, im Büro oder in einer Packstation entgegen nehmen möchte. Geschäftskunden können zudem später als bisher ihre Sendungen bei DHL einliefern. 

KAI MIRJAM KAPPES

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