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Prozess um den U-Bahn-Schläger beginnt

Gewalttat im Bahnhof Plärrer soll rechten Hintergrund haben - 15.02.2011 13:00 Uhr

Tatort U-Bahnhof Plärrer: Im Waggon und neben den Gleisen soll der Angeklagte Peter R. sein Opfer fast totgeschlagen haben. 25 Zeugen und ein Überwachsvideo sollen helfen, die Tat aufzuklären.

Tatort U-Bahnhof Plärrer: Im Waggon und neben den Gleisen soll der Angeklagte Peter R. sein Opfer fast totgeschlagen haben. 25 Zeugen und ein Überwachsvideo sollen helfen, die Tat aufzuklären. © Eduard Weigert




Die Musiker Konstantin Wecker und Hannes Wader, die Kabarettistin Lizzy Aumeier, der Erlanger Schriftsteller Habib Bektas und auch zahlreiche Politiker und Gewerkschafter fordern in einer Erklärung des „Soli-Komitees gegen Rechts“ dazu auf, den Prozess um Peter R. zu beobachten – denn der Fall erschüttert längst über Nürnbergs Grenzen hinaus. Bei dem Komitee handelt es sich um einen Zusammenschluss von etwa 40 Einzelpersonen und Organisationen. Seit Tagen fordern sie im Internet zu einem „massenhaften Prozessbesuch“ auf. Gerade der Umstand, dass der Prozess im historischen Schwurgerichtssaal 600 stattfinde, dürfe nicht dazu führen, dass Neonazis diesen Rahmen für ihre Propaganda nutzen.

Denn hinter der brutalen U-Bahn-Schlägerei soll ein politisches Motiv stecken, die Anklageschrift stammt aus der politischen Abteilung der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth.

Gehört der Angeklagte der rechten Szene an?

Der Angeklagte Peter R. soll der rechten Szene angehören, sich im „Freien Netz Süd“ bewegen, einer Verbindung von Neonazis und NPD-Parteigängern, die vom Verfassungsschutz seit Jahren beobachten wird. Das Opfer, so heißt es in einer Erklärung des „Soli-Komitees“, ist Kurde und Anhänger der linken Szene, persönlich kannten sich die Männer bis zu der schrecklichen Tat nicht.

Am 28. April 2010 trafen sie sich zufällig in der Nürnberger U-Bahn: Angeblich äußerte sich das spätere Opfer über die „Thor-Steinar“-Tasche von Peter R.s Freundin – eine Marke, die besonders im rechten Spektrum beliebt ist. Kampfsportler Peter R. soll daraufhin „aus Hass auf die linke Szene und aus Verärgerung über die Kritik“, wie die Staatsanwaltschaft in einer Pressemitteilung formuliert hatte, zugeschlagen haben. Er attackierte den jungen Mann angeblich mit Faustschlägen und Fußtritten. Höhepunkt der brutalen Prügelorgie: Als das Opfer am Boden lag, soll ihm R. mit dem Fuß ins Gesicht getreten haben. Der Staatsanwalt wirft dem Angeklagten versuchten Totschlag, gefährliche Körperverletzung und Beleidigung vor – ein Überwachungsvideo vom Tatort, dem Nürnberger U-Bahnhof „Plärrer“, wird die Wucht des Angriffs belegen.

Achtfach vorbestraft

Wochenlang lag der angehende Schreinerlehrling im Koma, er wurde achtmal operiert. An den Vorfall erinnert er sich nicht mehr, gehbehindert ist er bis heute geblieben. Ob er den gesamten Prozess durchstehen wird, sei fraglich, erklären die Sprecher des „Soli-Komitees gegen Rechts“. Das Opfer habe Angst vor den anstehenden fünf Prozesstagen, seine Familie fürchtet weitere Schwierigkeiten, wenn Angehörige der rechten Szene auf den Zuschauerbänken Platz nehmen. Auch bei der Justiz rechnet man mit Störenfrieden: Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen und auch Taschenkontrollen für die Zuschauer sind angeordnet, mit Kundgebungen von beiden Seiten vor dem Justizpalast wird gerechnet.

Peter R. ist kein unbeschriebenes Blatt: Die Polizei stuft ihn seit Jahren als äußerst gewaltbereit ein, er ist mehrfach, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung, vorbestraft. Er beschäftigte nicht nur die hiesigen Ermittlungsbehörden, sondern auch Ankläger in Ostdeutschland, Ansbach und Ingolstadt. Ab Donnerstag werden sich, neben dem aktuellen Vorwurf, weitere 16 Akten auf dem Richtertisch stapeln.

  

ULRIKE LÖW

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