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R IEGEL R IEGEL So alt wie eine Küche

Es ist verkehrt, dass Bauen immer kurzlebiger wird - 05.01.2015 20:43 Uhr

Architektur wird immer kurzlebiger, sie hält nicht viel länger als eine gute Einbauküche. Maximal 30 Jahre geben Experten einem Neubau heute, dann kommen die Abrissbagger. Das ist nicht nur eine Frage der architektonischen Mode, sondern auch der Rentabilität. Beispiel Nürnberg: Rechnen sich gleich neben dem Hauptbahnhof noch mehr Hotels, dann fliegt die alte Hauptpost auf den Müll. Dabei hat sie Qualitäten, ihre Baugeschichte ist hochinteressant und manche Nürnberger hängen wahrscheinlich an dem vertrauten Anblick. Aus diesem Bau könnte etwas werden. Etwas Besseres vielleicht, aber womöglich nicht ausgerechnet noch ein, zwei Hotels.

Mal abgesehen von der prinzipiellen Fantasielosigkeit, die in diesem Umgang mit Vorhandenem spürbar wird, ist das auch ökologisch kaum mehr vertretbar. Seit das kommunale Umweltreferat 2013 den Prediger des nachhaltigen Umgangs mit Bausubstanz, den Münchner Architekten Muck Petzet, in die Stadt geholt hat, ist das auch vor Ort bekannt.

Wenn für öko-zertifizierte Neubauten Altes abgerissen werde, sei das ökologisch in etwa so verheerend wie die Brandrodung des Regenwalds, sagt der Vordenker. In gemörtelten oder in Beton gegossenen Objekten steckten unglaubliche Mengen an Energie, die nicht vergeudet werden dürften. Dass Sanieren immer teurer sei als neu zu bauen, hält Petzet für eine Lüge. Beim Schulzentrum Südwest oder der Bert-Brecht-Schule hat sich die Stadt für den Abriss entschieden. Noch ist offen, ob er auch für den Postbau das Richtige ist. 

VON CLAUDINE STAUBER

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