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Konzepte für Demenz-Zentrum überzeugen nicht

Drei prämierte Vorschläge, Nacharbeiten ist möglich - 17.07.2015 10:22 Uhr

Die Architekten Albrecht Randecker, Christine Steimle und Anne Rumetsch (von links) zeigen die drei prämierten Modelle für das neue Demenz-Zentrum in Bad Windsheim. In der hinteren Reihe (von links) Bürgermeister Bernhard Kisch mit den übrigen Architekten Frie­demann Backe, Thomas Steimle, Matthias Köpen sowie Claus Düll und Professor Michael Gaenßler.

Die Architekten Albrecht Randecker, Christine Steimle und Anne Rumetsch (von links) zeigen die drei prämierten Modelle für das neue Demenz-Zentrum in Bad Windsheim. In der hinteren Reihe (von links) Bürgermeister Bernhard Kisch mit den übrigen Architekten Frie­demann Backe, Thomas Steimle, Matthias Köpen sowie Claus Düll und Professor Michael Gaenßler. © Claudia Lehner


„Ich habe selten so eine komplizierte Aufgabe wie hier auf kleinem Raum erlebt“, erklärte Professor Michael Gaenßler, einer der Fachpreisrichter des Architek­tenwettbewerbs. Statt eines ersten Preises - derjenige hätte den Zuschlag erhalten - sind drei Vorschläge prämiert worden.

Die beiden zweiten Preise gingen an die Arbeitsgemein­schaft der Stuttgarter Architektur­büros Generalplaner und Backewe­berbleyle sowie an Steimle Architek­ten, ebenfalls aus Stuttgart. Mit ei­nem dritten Preis ausgezeichnet wur­de das Büro Köppen und Rumetsch aus Nürnberg. Noch bekommt keiner von ihnen den Auftrag. Allerdings haben sie die Möglichkeit, ihre Pro­jekte anhand der Anregungen der Jury weiterzuentwickeln.

Die 16 Wettbewerbsteilnehmer hat­ten verschiedene Aspekte zu ver­einen. Einerseits sollte das Stadtbild berücksichtigt werden, das von Sat­teldächern geprägt ist, und anderer­seits sollte sich das neue Gebäude gut in das Ensemble der Hospitalstiftung mit ihrer fast 700-jährigen Tradition einfügen. Errichtet wird das neue Demenz-Zentrum am westlichen Ende des Areals, wo derzeit noch das ehemalige Feuerwehrhaus steht.

Drei-Welten-Kon­zept

Zudem sollte der Neubau den An­forderungen des Drei-Welten-Kon­zepts entsprechen, das von den Mitar­beitern der Hospitalstiftung als das beste erachtet wird. Claus Düll erläu­terte dies als Leiter der Hospitalsstif­tung bei der Übergabe der Urkun­den. Demenz sei eine fortschreitende Krankheit: Ist sie noch wenig ausge­prägt, können Patienten bei guter Betreuung noch daheim leben oder eben in der Hospitalstiftung. In der zweiten Phase brauchen sie bereits mehr Hilfe. Diese Patienten würden den Weg nicht mehr alleine nach Hause finden, hätten aber noch einen großen Bewegungsdrang, so Düll. Besonders schutzbedürftig sind Men­schen in der dritten Demenz-Phase. Häufig sind diese bereits bettlägerig. Die verschiedenen Gruppen sind für Düll zu trennen, weil es zu Konflik­ten kommen kann.

Damit rückt die Hospitalstiftung von ihrem bisherigen Konzept ab, nach dem jeder Patient immer das gleiche Zimmer bewohnt hat. Im Demenz-Zentrum würden sie mit dem Fortschreiten der Krankheit in einen anderen Bereich umziehen. Düll hat auch die Belastung der Mit­arbeiter und die Wirtschaftlichkeit im Auge. Kurze Wege sind ihm des­halb wichtig.

"Kampfspu­ren der Architekten"

Alle diese Anforderungen auf en­gem Raum unter einen Hut zu brin­gen, ist eine Herausforderung. „Man sieht auf den Plänen die Kampfspu­ren der Architekten“, sagte Gaenßler. Eine optimale Lösung sei noch nicht dabei gewesen. Alle haben einen Innenhof eingeplant, nach außen ent­spricht bei jedem der prämierten Ent­würfe das Sattel­dach der Architek­tur der umliegen­den Gebäude. Bei einem der Modelle lobte Gaenßler die ideale Umsetzung der funktionalen Anforderungen, bemängelte aller­dings, dass die Bauweise im Innenbe­reich kompliziert und unharmonisch wirke. Nach außen jedoch sei die Ar­chitektursprache einfach und ange­nehm. Beim anderen zweiten Preis fand Gaenßler Mängel in der Funk­tionalität, so sei die dritte Welt des Demenz-Konzeptes nicht von den an­deren Bereichen zu trennen. Beim dritten prämierten Konzept wurden unter anderem die langen Wege kri­tisch gesehen. Außerdem wurden noch zwei Anerkennungen für weite­re Vorschläge ausgesprochen.

Immer mehr Erkrankte

Die Architekten erhalten nun die Möglichkeit, ihre Entwürfe noch ein­mal zu überarbeiten. Einen konkreten Zeitplan gibt es laut Bürgermeister Bernhard Kisch für das weitere Vor­gehen noch nicht. Eine genaue Pla­nung ist entscheidend, immerhin geht es um ein großes und wichtiges Pro­jekt, so Kisch.

Die Hospitalstif­tung reagiert mit dem Neubau auf große Veränderun­gen in der demo­grafischen Entwicklung und die mit dem höheren Lebensalter immer häu­figer auftretenden Demenz-Erkran­kungen. 1,4 Millionen Menschen lei­den in Deutschland bereits daran. Pro Jahr kämen etwa 250 000 hinzu, so Düll. Waren im Jahr 2013 von 90 Bewohnern der Hospitalstiftung nur 46, also rund die Hälfte, dement, so sind es aktuell zwischen 65 und 70 Prozent, erklärte er.
Eine 2012 im Auftrag des Kreistags erstellte Studie geht laut Düll davon aus, dass in Bad Windsheim in eini­gen Jahren rund 350 bis 400 Men­schen an Demenz leiden werden. Ak­tuell gibt es zwar vier Seniorenheime in Bad Windsheim, dort werden die dementen Menschen mitbetreut. Es fehlt aber eine besonders auf diese zugeschnittene Einrichtung.

Immer unter Strom

Düll berichtete aus dem Pflegeall­tag und zeigte damit einen der Grün­de, warum das Zentrum wichtig ist. Für die Mitarbeiter einer regulären Station sei es schwierig, immer unter Strom zu stehen und Angst zu haben, dass ein dementer Patient weglaufe. Wie er zuvor erklärt hatte, sind das die Menschen in der zweiten Phase, die noch körperlich fit sind, Bewe­gungsdrang verspüren, aber sich nicht mehr überall selbst zurechtfinden.

Die Pläne und Modelle des Archi­tektenwettbewerbs sind noch bis 30. Juli täglich von 8 bis 16 Uhr im Spi­talsaal der Hospitalstiftung zu sehen. Wie Bürgermeister Kisch ankündig­te, soll es Führungen geben. Termine dafür gibt es jedoch noch nicht  

CLAUDIA LEHNER

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