Dienstag, 18.12.2018

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Bamberger Symposium: "Alzheimer-Demenz! Was nun?“

"Das größte gesellschaftliche Problem der Zukunft" - 04.12.2012 11:57 Uhr

Interessiert tauschten die Teilnehmer des Bamberger Symposiums zum Thema Alzheimer ihre Erfahrungen aus. © Medau-Schule Coburg


Prof. Dr. Oswald von der Universität Erlangen-Nürnberg sieht bereits im demographischen Faktor eine große Herausforderung. Kamen 1880 auf einen potentiell Pflegebedürftigen noch ca. 80 potentielle Pflegekräfte, werden es 2050 nur noch vier sein.

Parallel dazu steigt die Zahl der Erkrankungen immer weiter an. Prof. Dr. Spitzer von der Universität Ulm rechnet bei einer zu erwartenden Verschiebung des Beginns von Demenzsymptomen um fünf Jahre mit jährlichen Zusatzkosten im zweistelligen Milliardenbereich für das Gesundheitssystem.

Die digitale Demenz

Wie gehen wir mit dieser Entwicklung und der Erkrankung selbst um, woher kommt sie und wie kann man Betroffenen und Angehörigen helfen, mit den Auswirkungen der Demenz fertig zu werden? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Veranstaltung Anfang November in den Räumen des Würzburger Lehrgangswerkes in Bamberg.

Den Auftakt bildete der Vortrag des Leiters der Psychiatrie am Universitätsklinikum Ulm, Prof. Dr. Spitzer, dessen Schlagwort „Digitale Demenz“ bereits bundesweit für Furore gesorgt hat.

Seine Grundthese: Ein gut (aus)gebildetes Gehirn kann selbst bei Erkrankung noch lange die Symptome einer Demenz kompensieren, während ein wenig trainiertes Oberstübchen schnell abbaut und „verdummt“: „Wer zum Beispiel ein Satellitennavigationsgerät im Auto hat, lagert das Navigieren aus seinem Gehirn aus. Entsprechend haben schon sehr viele Menschen verlernt, sich mit Karte und ihrem gehirneigenen Navigationsmodul zu orientieren.“

Alkohol kann Demenz vorbeugen

Für Prof. Dr. Hajak vom Klinikum Bamberg stand dagegen der aktuelle Kenntnisstand bei der Diagnose und Therapie von Demenz im Mittelpunkt. Neben der Persönlichkeitsveränderung, die bei jedem Patienten gegeben ist, sind Depressionen, Halluzinationen, Inkontinenz und Aggressivität Hauptmerkmale der Erkrankung.

Für die Angehörigen ist der Kranke „einfach nicht mehr der Mensch, den wir kennen.“ In seinem Vortrag widersprach Hajak zudem den Thesen Spitzers, da sie für ihn „eminenz- und nicht evidenzbasiert“, also nicht konkret nachweisbar und damit beweisbar sind. Anschließend stellte er 20 „hot theses“ vor, in denen zum Beispiel ein moderater Alkoholkonsum als vorbeugend gegen Demenz angesehen wurde.

Individuelle Behandlung zählt

Mit seinem SimA-Programm in Erlangen versucht dagegen Prof. Dr. Oswald, Patienten und Angehöriger vor allem zur „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu erziehen. Dies gebieten in Zukunft allein schon der Mangel an Pflegekräften und die neueren Forschungsergebnisse, dass jeder an Alzheimer erkranken wird, wenn er nur alt genug wird.

Oswalds spezielle Kombination aus geistiger und körperlicher Aktivierung ermöglicht es den Therapeuten, stufenlos vom fitten Senior bis zum dementen Pflegeheimbewohner auf die individuellen Fähigkeiten einzugehen und sogar innerhalb der gleichen Gruppe verschiedene Leistungsansprüche bedienen zu können.

Das Leben lebenswerter machen

Nach weiteren Vorträgen zu Therapieansätzen mit Musik, Logo- und Ergotherapie stellten Mia Schunk aus Nürnberg und Dr. Robert Meyer zum Ende des Symposiums die Deutsche Alzheimer Gesellschaft Bayern vor, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Betreuung und Pflege von Menschen mit Demenz zu verbessern und Angehörigen Hilfestellung zu bieten.

Dieses Angebot erweiterten die zahlreichen Infostände, so dass die anwesenden Angehörigen viele neue Informationen und Behandlungsansätze mitnehmen konnten. Fazit der 52jährigen Anita Rahmer aus der Nähe von Bamberg: „Das war nicht nur informativ, das war ganz wichtig für mich persönlich. Ich pflege seit drei Jahren meine demente Mutter und habe heute viele Antworten und Anregungen gefunden.“

Die 48jährige Altenpflegerin Roswitha Jankowicz aus Fürth ergänzte: „Ich habe heute auch vieles erfahren, das mir in meinem Beruf weiterhelfen wird. Wir haben täglich mit Demenzkranken zu tun und sind froh um alle neuen Ansätze, damit auch deren Leben wieder ein Stück lebenswerter wird.“

Ein wichtiges Symposium also, veranstaltet von der Medau-Schule Coburg, dem SBBZ Bamberg und der Praxis-Klinik Dr. Käfferlein Bamberg zu ihrem 25jährigen Jubiläum, das nicht nur den Fachbesuchern den aktuellen Stand der Demenz-Forschung und -Therapie vermittelte, sondern auch Angehörigen und Pflegenden viele Antworten gab - vielleicht auch auf Fragen, die sie bisher nicht gestellt hatten, oder sich zu stellen trauten. 

Markus Raupach

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