Samstag, 17.11.2018

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Bis 2016 fährt die S-Bahn nur im Langsam-Takt

Infrastruktur zwischen Nürnberg und Bamberg kann nur stufenweise Betrieb aufnehmen - Geldfrage ist offen - 09.07.2009

Die S-Bahn Baustelle im Fürther Bogen, gesehen von der Brücke in der Cadolzburger Straße. © Thomas Scherer


Die offiziellen Mitteilungen der DB AG verbreiten Optimismus. Der Ausbau der Nürnberger S-Bahn komme voran, ab Ende 2010 werde die Verlängerung der Strecke zwischen Lauf und Hartmannshof und die von Nürnberg nach Neumarkt, Ansbach und Richtung Bamberg «stufenweise« in Betrieb gehen.

Neue Fahrzeuge, kein neuer Takt

Tatsächlich ist für die Strecke Nürnberg-Forchheim/Bamberg zunächst aber nur der Einsatz der neuen S-Bahn-Fahrzeuge vorgesehen. Einen neuen und im Gegensatz zum bisherigen Regionalzug-Fahrplan dichteren Takt kann es laut Sprecher Michael Baufeld frühestens ab Ende 2011 geben, wenn die Strecke zwischen Nürnberg und Fürth viergleisig ausgebaut und vor allem ein drittes S-Bahn-Gleis bis nach Erlangen verlegt wurde.

Erst dann sollen die Züge im 20-Minuten-Takt bis nach Erlangen, im 40-Minuten-Takt nach Forchheim und im 60-Minuten-Takt bis Bamberg fahren können. Mehr sei auch nie vorgesehen, geschweige denn vom Freistaat bestellt gewesen und ist auch nach 2011 noch gar nicht realisierbar, wie Baufeld auf Anfrage der Nürnberger Nachrichten sagt.

Eine weitere «Verdichtung des Takts« sei erst möglich, wenn die beiden ICE-Gleise für die neue Schnellstrecke zwischen Nürnberg und Ebensfeld fertig sind.

Finanzierung fehlt

Wann das genau sein wird, weiß derzeit auch Baufeld nicht genau zu sagen. Die Finanzierung für diesen Teil sei auf jeden Fall noch nicht abschließend gesichert. Die Bundesmittel für den Bau der Hochgeschwindigkeitstrasse von Nürnberg über Ebensfeld und Erfurt nach Leipzig fließen derzeit wohl hauptsächlich in den Abschnitt Ebensfeld-Erfurt.

So bleibt einzig die Aussage von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD), dass das «Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8« mit der Neu- und Ausbaustrecke Nürnberg-Erfurt und Erfurt-Leipzig komplett bis zum Jahr 2016 oder 2017 fertig sein soll. Erst dann könnte die S-Bahn - die entsprechende Bestellung des Freistaats vorausgesetzt - mit einem «echten« S-Bahn-Takt bis Bamberg fahren.

Bahnsteige müssen abgerissen werden

Deshalb ist es auch nicht möglich, auf der S-Bahn-Strecke schon jetzt den «Endausbauzustand« für die Anforderungen des ICE-Verkehrs in ein paar Jahren herzustellen. Einige der Außenbahnsteige, die jetzt entlang der Linie nach Bamberg für die S-Bahn errichtet werden, müssen deshalb irgendwann wieder umgebaut oder sogar abgerissen werden.

Derweil gibt es auch Probleme mit den Bahnsteiglängen: Die neuen S-Bahnzüge der Firma Bombardier mit dem Namen «Talent 2« sind vier Meter länger als die üblichen Bahnsteige auf den Strecken im neuen Netz. Zudem werden an manchen Bahnhöfen in der Stadt Nürnberg die Züge nicht halten können, weil der Einstieg 20 Zentimeter unter der Bahnsteigkante liegt.

Diesen Planungsfehler bekommen besonders Club-Fans aus südöstlichen Regionen zu spüren. Die S3 aus dem Raum Neumarkt braust an den Bahnhöfen Frankenstadion und Dutzendteich vorbei. Die Fans müssen wohl zuerst bis zum Hauptbahnhof und dann mit einer anderen Bahn zurück zum Stadion.

Doch Ungewissheiten gibt es nicht nur bei der S-Bahn-Strecke, sondern auch beim vielzitierten Güterzugtunnel zwischen Nürnberg und Fürth. Auch dieser soll laut Tiefensee und Bahn bis 2016/17 fertig sein. Allein die Röhre ist knappe sieben Kilometer lang, die Gesamtstrecke mit Zu- und Abfahrt beträgt rund 13 Kilometer, das alles soll laut DB (nur) 300 Millionen Euro kosten. Bis heute fehlt aber jedes Planfeststellungsverfahren sowie eine belastbare Kostenkalkulation. 

Arno Stoffels

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