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Freitag, 21.09.2018

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Durchbruch: Hesselbergbahn in Franken wird reaktiviert

Nach vielen Debatten einigen sich Verkehrsministerium und DB auf Kurs - 16.05.2018 05:14 Uhr

Der Bahnhof Langlau soll im Zuge der Reaktivierung der Hesselbergbahn ein zweites Gleis für Begegnungsverkehr erhalten. © Jürgen Eisenbrand


"Bahn frei für die Reaktivierung der Schienenstrecke vom Fränkischen Seenland zur Hesselberg-Region", sagte Verkehrsministerin Ilse Aigner. Zuvor hatte sich ihr Haus mit der DB Netz AG darauf verständigt, den Haltepunkt in Langlau zum Kreuzungsbahnhof auszubauen, an dem sich auf der sonst eingleisigen Strecke zwei Züge begegnen können. Geschätzte Kosten: sechs Millionen Euro.

Zusätzlich hat der Freistaat über die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) eine zwölfjährige Bestellgarantie (2024 bis 2036) für die Strecke Gunzenhausen-Wassertrüdingen ausgesprochen. Jährlich sollen dort bis zu 180.000 Zugkilometer im Schienenpersonennahverkehr abgewickelt werden. "Damit haben wir die beiden letzten noch notwendigen Weichen für eine Reaktivierung auf dieser mittelfränkischen Bahnstrecke in die richtige Richtung gestellt", betonte Aigner. "Jetzt muss aus der Absichtserklärung Realität werden."

Die BayernBahn als Besitzer und Betreiber der Reaktivierungsstrecke könne nun mit ihren notwendigen Investitionen in die Strecke und neuen Stationen beginnen, heißt es aus Aigners Ministerium. "Ich bin sehr optimistisch, dass Mitte nächsten Jahrzehnts die ersten regulären Bahnland-Bayern-Züge Richtung Hesselberg fahren werden", so die Ministerin.

Ein neuer Bahnhof für die reaktivierte Hesselbergbahn: Künftig sollen Fahrgäste auch in Unterwurmbach zu- und aussteigen können. © Harald Weiß


BayernBahn-Geschäftsführer Andreas Braun zeigte sich ebenso überrascht wie erfreut von der jüngsten Entwicklung. "Es ist toll, dass sich nach all den Jahren etwas bewegt", sagte der Chef des Nördlinger Eisenbahnverkehrs-Unternehmens, konnte sich allerdings ein paar kritische Worte nicht verkneifen: Er finde es "ärgerlich", dass solche Entscheidungen regelmäßig dazu benutzt würden, "um die Werbetrommel für den Wahlkampf zu rühren".

Und er machte klar, dass sein Unternehmen, das 1987 als Tochtergesellschaft des Bayerischen Eisenbahnmuseums gegründet worden war, sogar sehr viel schneller loslegen könnte als 2024: "Wenn die Deutsche Bahn mehr Geld ausgäbe und schneller wäre, könnten die Züge schon nächstes Jahr rollen. Unsere Strecke ist schon jetzt weitgehend okay."

Den Beweis dafür will er tatsächlich schon 2019 antreten, wenn er während der Landesgartenschau in Wassertrüdingen Personenzüge zwischen Gunzenhausen und der Stadt an der Wörnitz verkehren lässt. Derzeit wird die Strecke von historischen Zügen genutzt, außerdem transportiert die BayernBahn täglich etwa 800 Tonnen Güter, erspart den Straßen also 30 bis 50 Lkw-Fahrten pro Tag.

Fahrten im Stundentakt

Wenn ab 2024 die Triebwagen im Stundentakt zwischen Pleinfeld und Wassertrüdingen verkehren, werden sie auch die Bewohner von Unterwurmbach nutzen können – der Gunzenhäuser Ortsteil wird nach den derzeitigen Planungen einen eigenen Haltepunkt bekommen. Den Bedarf dafür hat Dirk Domhardt, Leiter der Verkehrsplanung beim Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN), errechnet. Er erwartet zwischen Wassertrüdingen und Gunzenhausen demnach 1010 Fahrten täglich, am neuen, barrierefreien "Wormer" Bahnhof werden demnach an Wochentagen 200 Fahrgäste ein- und aussteigen.

Der Standort des Haltepunkts ist noch nicht fixiert, zwei Varianten stehen zur Auswahl. Die Haltepunkte im weiteren Verlauf der Strecke, in Cronheim und Unterschwaningen, sollen reaktiviert werden, in Cronheim soll zudem das Begegnungsgleis wieder aufgebaut werden. Insgesamt beziffert die BEG die auf dieser 14,7 Kilometer langen Trasse nötigen Investitionen auf gut acht Millionen Euro. In die 16,8 Kilometer lange Strecke von Gunzenhausen nach Pleinfeld müssen etwa 6,6 Millionen Euro gesteckt werden, der Großteil davon in den Ausbau des Langlauer Bahnhofs.

Der Wunsch der Stadt Gunzenhausen, in Frickenfelden einen zusätzlichen Haltepunkt zu errichten, wird sich nicht erfüllen. In einem BEG-Papier, das dem Altmühl-Boten vorliegt, heißt es, ein Extra-Stopp sei "fahrplanmäßig nicht vertretbar". Die Fahrzeit würde sich um 90 Sekunden verlängern und sei "aufgrund der angespannten Anschlussbeziehungen in Pleinfeld" nicht auszugleichen. 

Jürgen Eisenbrand

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