Montag, 10.12.2018

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Ausgebrannte Helfer

Demenz: Auch die Angehörigen benötigen „Pflege“ - 16.11.2012

Nur in einem Drittel aller Fälle werden Demenzkranke in einem Heim gepflegt, in den meisten Fällen ist die häusliche Pflege durch Angehörige oder durch nur in Ausnahmefällen in Anspruch genommene ambulante Dienste gesichert. © dpa


Der Ausblick der Veranstaltung, so verhalten optimistisch er auch ausfiel, war gleichzeitig ein Appell an die ganze Gesellschaft: Solange Demenz und speziell die Alzheimer-Krankheit nicht „heilbar sind“, so formulierte es Prof. Sabine Engel, solange müssten sich alle umso intensiver um eine Gesellschaft bemühen, die „Demenz-freundlich“ gestaltet ist, in der demente Menschen und ihre Angehörigen Unterstützung und Solidarität erfahren.

Die Professorin für Psychogerontologische Intervention am Institut für Psychogerontologie der Universität Erlangen (sie ist auch Vorsitzende des Vereins Dreycedern, der wiederum Träger der Fachstelle für pflegende Angehörige und Demenzerkrankte ist) führte in einem Vortrag vor, wie eine optimale Begleitung und Versorgung von Angehörigen und Betroffenen aussehen könnte.

Für diesen Abend für Angehörige von Menschen mit Demenz hatte Prof. Sabine Engel mit dem auf Demenz spezialisierten Arzt und Privatdozenten Dr. med. Richard Mahlberg, der Leiterin der Fachstelle für pflegende Angehörige und Demenzerkrankte beim Verein Dreycedern, Veronika Stein, dem Geschäftsführer der Angehörigenberatung Nürnberg, Hans-Dieter Mückschel, Helmut Volkmann vom Förderverein Tagespflege am Martin-Luther-Platz und Irmgard Paringer, bei Siemens Ansprechpartnerin für Pflegefragen, ein kompetentes Team.

Demenz: Zahlen steigen

Bei ihrem interaktiven Gang durch die manchmal etwas undurchsichtige Welt der Paragrafen des Pflegerechts machte die Professorin deutlich, dass das Demenz-Problem eher auf Zuwachs ausgelegt ist: Von heute 2,4 Millionen Erkrankten steige die Zahl bis zum Jahr 2050 auf rund fünf Millionen, wovon nach heutigen Erkenntnissen zwei Drittel zu Hause gepflegt würden – entweder von Angehörigen oder von ambulanten Diensten. Gerade bei pflegenden Angehörigen müsse man heute schon von „Höchstleistungen“ sprechen, die diesen abverlangt würden – „Pflege macht die Pflegenden krank“, so ihr Resumee, das auf Untersuchungen der SBK beruht, wonach Pflegende drei Mal häufiger an Depression erkrankten als der Kassen-Durchschnitt.

Dem Phänomen der Überforderung zu begegnen und auch hier präventiv tätig zu werden, sei die Aufgabe der Pflegeberatung (sowohl bei Dreycedern wie anderer Beratungsstellen), in Erlangen habe sich dabei die enge Verflechtung der Beratungsstellen mit den Kassen, der Wissenschaft und den Pflegeeinrichtungen bewährt.

Gerade die Fachstelle(n) handelten anwaltschaftlich für die Patienten und ihre pflegenden Angehörigen, sie in Anspruch zu nehmen könne nur jedem empfohlen werden, sagte Fachstellenleiter Veronika Stein. Und die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege, so Irmgard Paringer, sollte auch stets „abgefragt“ werden.

Falls ein Pflegeheim die letzte Lösung sein sollte, dann können die Angehörigenberatungen durchaus wertvolle Tipps geben, eine geeignete Einrichtung zu finden. Nur gilt auch hier, wie bei den meisten Entscheidungen im Pflegefall: Die Informationsangebote – auch bei den Kassen – sollten auch wirklich genutzt werden.

Fachstelle Demenz in Dreycedern, Tel. 09131-9076830

Fachstelle Landkreis-West: 09193-5033191, Fachstelle Landkreis-Ost: 09131-715385 

pm

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