Freitag, 22.03.2019

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Bogenbau erfordert Talent und Geschick

Nur noch zwei Azubi in Bubenreuth — Begeisterung für gestalterische Arbeit - 14.03.2018 15:00 Uhr

Der Ausbildungsleiter Günther Spätling mit seinen beiden Auszubildenden Laura Reutter und Lauritz Aigner. © Heinz Reiß


"Die Stange muss gerade sein", sagt der 22-Jährige. Lauritz Aigner ist im 1. Lehrjahr bei Günter und Wolfgang Dörfler, Inhaber der Bubenreuther Spezialwerkstätte für Streichbogenbau. Seine Kollegin Laura Reutter steht kurz vor der Prüfung. Ihr Ausbildungsleiter ist der Bogenmachermeister Günther Spätling, der selbst in der traditionsreichen Werkstatt das Handwerk des Bogenmachers erlernt hat. Seine beiden Azubi besuchen im Blockunterricht die staatliche Berufsfach- und Fachschule für Geigenbau und Zupfinstrumente in Mittenwald – eine Einrichtung mit über 150-jähriger Tradition.

Unverzichtbares Werkzeug

Lauritz und seine Kollegin sitzen bei Dörfler in der Werkstatt zwischen dem qualifizierten Mitarbeiterstamm. Laura, die im Juli ihre Gesellenprüfung ablegt, erzählt bereitwillig von ihrem Berufsbild: "Dem Bogen kommt in der virtuosen Entwicklung des Streichinstrumentenspieles eine entscheidende Rolle zu. Er ist mit der Entstehung dieser Instrumentengattung untrennbar verbunden und ist ein kunsthandwerkliches Produkt, welches für den Kenner eine Vielzahl von Stil- und Geschmacksrichtungen bietet."

Wie für den Maler zur Stricherzeugung und Schattierung der Pinsel, fährt die Auszubildende fort, so ist für den Streichmusiker der Bogen ein unverzichtbares Werkzeug zur Tonerzeugung. Er gibt dem Spieler die Möglichkeit, alle Klangreserven seines Instrumentes, von der gesanglichen Kantilene bis hin zum rasanten Spiccato, voll auszuschöpfen. In keiner anderen Instrumentengruppe, so ergänzt Lauritz begeistert, sei eine so große Bandbreite von Tönen möglich, wie beim Streichinstrument. Es sei das Gestalten, das Arbeiten mit einem ausgewähltem Material, das sie am Bogenbau fasziniere. Für Laura war klar: "Das ist mein Beruf! Hier kann ich Talent und handwerkliches Arbeiten zusammenbringen. Ich bin nicht Teil einer Maschine, sondern mein eigener Herr."

Gut in Kunst

Welche Voraussetzungen muss man für diesen handwerklichen Beruf mitbringen? Günther Spätling: "Einen qualifizierenden Hauptschulabschluss mit den Noten "gut" in Kunst und Musik sowie zwei Jahre Streichinstrumenten-Unterricht, dies setzen die beiden Berufsfachschulen in Mittenwald und Klingenthal schon voraus.

An persönlichen Anforderungen sollte man ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen, zeichnerisches Talent und eine gute Feinmotorik, aber auch sehr gutes Hörvermögen, Konzentrationsfähigkeit und viel Geduld mitbringen. 

HEINZ REISS

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