Dienstag, 18.12.2018

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Ein besonderes Instrument in Bubenreuth

Andreas Hoyers "Kriegsgeige" ist einer der 100 Heimatschätze Bayerns - 22.07.2018 15:30 Uhr

Christian Hoyer (Mi.) erhielt die Urkunde von Heimatminister Albert Füracker und Wissenschaftsministerin Marion Kiechle. © Foto: Schmidhuber


"Das lässt doch schwer hoffen, dass es mit dem weiteren Auf- und Ausbau demnächst weiter vorangeht", sagte Hoyer den Erlanger Nachrichten. Mit seinen Mitstreitern freut er sich über die Auszeichnung, die mit einer Urkunde und einem Preisgeld von 1000 Euro verknüpft ist.

100 Heimatschätze Bayerns sind nun ausgewählt. Den Wettbewerb dazu hatte der jetzige Ministerpräsident Markus Söder noch in seiner Zeit als Bayerischer Finanz- und Heimatminister ausgeschrieben.

Das Bubenreutheum hat sich laut Christian Hoyer mit drei Objekten am Wettbewerb beteiligt. "Ich war überrascht, dass es die Kriegsgeige geworden ist", erzählt Hoyer. Er hatte neben der Kriegsgeige den Ehrenkelch der Schönbacher Geigenbauerinnung und den Höfnerebass, den Ex–Beatle Paul Mc Cartney spielt, ins Rennen geschickt. Und eigentlich fest damit gerechnet, dass der symmetrische E-Bass — eine Bubenreuther Erfindung — in den Reigen der Heimatschätze aufgenommen wird. Doch es wurde die Kriegsgeige von Andreas Hoyer (nicht verwandt mit dem Museumsleiter, die Red.)

Das Instrument ist unter schwierigsten Bedingungen gebaut worden.


Die "Kriegsgeige" sieht zunächst aus wie Millionen andere Geigen und doch ist sie etwas ganz Besonderes. Die extremen Umstände, unter denen sie gebaut wurde, verleihen ihr eine beeindruckende Aura.

1946 musste der Geigenbauer Andreas Hoyer im Kriegsgefangenenlager in Glasenbach bei Salzburg eine Militärbaracke zusammen mit anderen Kriegsgefangenen niederreißen; dabei entdeckte er einige gut ausgetrocknete Ahorn- und Fichtenbretter, die er für eine Geige verwenden konnte. Aus dem Brennholz des zur Verfügung stehenden Kanonenofens suchte er sich das Material für die restlichen Teile zusammen – vom Einlegspan über den Steg und den Saitenhalter bis zu den Wirbeln.

Mit viel Geduld, Ausdauer und primitivstem Werkzeug arbeitete Hoyer in den Freistunden über ein Jahr lang, bis die Geige 1947 im Rohzustand fertig war. 1948 kam Hoyer in ein Flüchtlingslager nach Garmisch-Partenkirchen, wo ihm ein Landsmann Farbe und Lack besorgte und er sie endlich spielfertig machen konnte.

Ein paar Jahre später kam Hoyer nach Bubenreuth in die neu entstandene Siedlung der Schönbacher Geigenbauer und mit ihm seine ganz besondere Geige. Für Hoyer war es seine "Kriegsgeige", die er nie

verkaufte und nun im Bubenreuther Museum für Musik und Integration zu sehen ist. Ob sie je gespielt wurde, ist unbekannt. 

dik

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