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Eine dunkle Zeit wird in Ermreuth stärker erhellt

Synagogen-Museum wird nach Umbau tiefere Einblicke in jüdische Tragödien vermitteln - 03.12.2017 13:00 Uhr

Das in der Synagoge in Ermreuth untergebrachte Museum soll umgebaut werden. Eine Ausstellung soll danach das Leben der Juden dokumentieren. © Harald Hofmann


Die Architekten Christian Koch und Alexander Kubatzky haben gemeinsam mit dem Ausstellungsdesigner Michael Meinhardt (alle Nürnberg) sowie mit Museumsleiterin Rajaa Nadler das Konzept für die neue Dauerausstellung in der Synagoge präsentiert. Der Zweckverband für das Gebäude bewilligte einhellig die Planung.

Grundlage für die architektonische Umgestaltung sei die Konzeptvorgabe der Museumsleiterin gewesen, erläuterte Christian Koch. Sein "kochbüro – architektur/innenarchitektur" hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten schon viele Ausstellungsprojekte und Einrichtungskonzepte realisiert, so im Fembohaus Nürnberg, im Jüdischen und im Heimatmuseum Schnaittach und im NS-Dokumentationszentrum München.

Bei der Museumsumgestaltung in Ermreuth ist Folgendes vorgesehen: Im Vorraum hinter dem Eingang werden ein Kassentresen und eine Museumsshop-Vitrine platziert und eine großflächige Grafik auf die Funktionen des Hauses als Synagoge, Veranstaltungsort und Museum hinweisen. Der Hauptraum im Erdgeschoss, behält seinen Synagogencharakter, bleibt frei von Ausstellungen und dient als Veranstaltungsort für Konzerte und Vorträge.

Rundweg über die Emporen

Auf der Frauenempore im Obergeschoss wird die Hausgeschichte erzählt: von der Entstehung des Gebäudes (1822) und der religiösen Nutzung über die Schändung in der NS-Diktatur (1938) und der Zweckentfremdung als Lagerraum in der Nachkriegszeit bis hin zur heutigen Begegnungsstätte.

Auf der linken Empore wird die ehemalige jüdische Gemeinde zwischen 1822 und dem schrecklichen Ende nach 1936 dargestellt. Neben der Synagoge gab es eine jüdische Schule, ein Gemeindehaus, den Friedhof und zahlreiche Wohnhäuser. Auf der rechten Empore mit dem Thema "Glaube und Religion" sind religiöse Kultgegenstände, die im Gebäude gefunden wurden, zu sehen. Auf beiden Seitenemporen sind Hör- und Sitzgelegenheiten geplant.

Audiogeräte an die Besucher werden nicht ausgegeben; sie hätten 50 000 Euro gekostet, die den Kostenrahmen sprengten. Er liegt, wie Bürgermeister Heinz Richter erinnerte, bei 180 000 Euro. Die Leader-Förderung über den Landkreis steuert 108 000 Euro dazu bei, außerdem gewährt die Landesstelle für nichtstaatliche Museen 32 000 Euro.

Der Freundeskreis Synagoge spendet 15 000 Euro und von Banken werden 2250 Euro erwartet. Für den Zweckverband Synagoge (Landkreis und Kommune) verbleibt somit noch ein Restaufwand von 22 750 Euro.

Neue Erkenntnisse gewonnen

Museumsleiterin Rajaa Nadler kündigte für die neu konzipierte Ausstellung (sie könnte laut Architekt Koch im Herbst 2018 realisiert sein) zahlreiche zusätzliche Exponate (alte Fotos, Filme, Textilien und Gebrauchsgegenstände) an.

Die Neunkirchener Expertin für jüdische Geschichte berichtete zudem von neuen Erkenntnissen, die sie gewonnen habe: Man könne die Geschichte der Ermreuther Juden nun zurück bis ins 17. Jahrhundert dokumentieren, und sie habe herausgefunden, dass 1839 bereits 300 Mitbürger dieser Glaubensrichtung am Ort lebten.

Und was die fehlenden Audioguide-Geräte für Besucher anbelangt: Vielleicht ermöglicht eine Museumsführer-App, dass Smartphone-Nutzer die Rundgang-Erläuterung herunterladen können, meinte Ausstellungsdesigner Michael Meinhardt.

  

HEINZ GÖPFERT

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