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Eine Schüleraktion hebt literarische Schätze

Ohm-Gymnasium rettet mit einem P-Seminar seine historische Schulbibliothek — Ausstellung im Stadtarchiv - 04.07.2012 11:40 Uhr

Die Ohm-Schülerinnen Selina Hammer, Elena Rohn, Anne Höhne und Sandra Krönert (v.l.).

Die Ohm-Schülerinnen Selina Hammer, Elena Rohn, Anne Höhne und Sandra Krönert (v.l.). © Mark Johnston


„In jedem Buch steckt doch eine Seele. Bücher sind einfach viel besser als die Neuen Medien!“ Wer mit Selina Hammer und ihren drei Mitschülerinnen Anne Höhne, Sandra Krönert und Elena Rohn im Stadtarchiv spricht, merkt sofort: Diese jungen Damen haben ihr P-Seminar am Ohm-Gymnasium mit Leidenschaft absolviert. Dabei stand ein oft schon totgesagtes Medium im Mittelpunkt: Das Buch. Doch vielleicht spürt ein Teil der 20 Schülerinnen und Schüler auch, dass hier unter Anleitung ihrer Lehrerin Hedwig Pichlmayr-Blessing und des Bibliothekars Sebastian Ludwig etwas ganz Besonderes gelungen ist. Die Rettung eines Kulturguts.

Die Situation am Ohm-Gymnasium — dessen Wurzeln bis zu den Anfängen des 18. Jahrhunderts reicht — war nicht anders, als an vielen anderen Schulen: Irgendwo im Keller lagerten hunderte von alten Büchern, die seit Jahrzehnten nicht mehr geordnet waren und eigentlich nur einen Raum blockierten. Andernorts wird meist irgendwann ein Container bestellt und Tabula rasa gemacht. „Im Ohm sind wir nun die Flucht nach

vorne angetreten“, berichtet Hedwig Pichlmayr-Blessing, Lehrerin für Deutsch, Geschichte und Sozialkunde. Es wurde ein P-Projekt konzipiert, in dem in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv der Bestand gesichtet werden sollte. Ziel: Unbeschädigte und historisch wertvolle Bücher als Ohm-Bibliothek komplett in die Stadtarchiv-Bestände zu überführen.

Dabei stieß man dann auf echte antiquarische Schätze. Beispielsweise ein Original der SPD-Zeitung „Vorwärts“ vom 28. Februar 1933. Die Morgenausgabe beschäftigt sich nahezu komplett mit dem Reichstagsbrand vom Vorabend. Die Titelseite ist seit Jahrzehnten zuverlässig in nicht wenigen Geschichts-Schulbüchern als Zeitdokument abgedruckt. Oder wunderbar colorierte Naturbücher und aufwändig gestaltete Geschichtsbände. Besonders eindrucksvoll finden die Schüler auch eine Robert-Burns-Lyrik-Sammlung aus dem Jahr 1880.

Bis zum 17. Juli ist eine Buchauswahl noch im Lesesaal des neuen Stadtarchiv-Gebäudes im Museumswinkel zu sehen (geöffnet: Mo. 8—12 u. 14—18, Di. 8—12 und 14—16, Mi. 8—12 Uhr, Do. 8—14, Fr. 8—12 Uhr).

Pichlmayr-Blessing und Archiv-Leiter Andreas Jakob wissen, dass es vielerorts „gefährdete historische Schulbibliotheken“ geben muss: „Wir hoffen schon, mit dieser Aktion ein Vorbild für andere Schulen gegeben zu haben. Vielleicht macht man sich nun verstärkt Gedanken, was man an Buchbeständen hat und wie man diese sichern kann.“ Rund 1000 Ohm-Bücher werden nun im Museumswinkel archiviert und stehen als Unterrichtsmaterial zur Verfügung. Der Rest wird abgegeben oder für einen guten Zweck verkauft — beispielsweise am 30. Juli ab 16 Uhr beim Sommerfest des Ohm-Gymnasiums. 

smö

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