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Erlangen: Gefährdet Söder die Jahrhundertchance?

CSU-Parteifreunde sehen durch den geplanten Teilumzug der Technischen Fakultät der FAU ein „vollkommen falsches Signal“ - 15.01.2017 06:30 Uhr

Statt „Fränkisches Harvard“ das Ende einer einmaligen Entwicklungschance: die Technische Fakultät der FAU steht am Scheideweg (auf unserem Bild der rote Platz, das räumliche Zentrum der Fakultät). © Archivfoto: Harald Sippel


Der Bezirksvorsitzende des CSU-Arbeitskreises Hochschule und Erlanger Stadtrat, Kurt Höller, fährt schwere Geschütze gegen seinen Parteifreund im bayerischen Kabinett auf: „Wissenschaftspolitik darf nicht aus dem Blick einer regionalen Stadtteilentwicklung betrieben werden.“ Höller betrachtet den neuen Siemens-Campus in Erlangen vielmehr als „Jahrhundertchance“: „Ein in Deutschland einzigartiges Technologie- und Forschungscluster – von der außeruniversitären Grundlagenforschung mit Helmholtz-, Max-Planck- und natürlich Fraunhofer-Instituten bis hin zur ingenieurwissenschaftlichen Anwendung, die Informatik eingeschlossen – würde neben dem weltweit größten Forschungszentrum von Siemens stehen.“

Packt Höller zu diesem Szenario die eben erst intensiv ausgebaute Universitätsklinik sowie den „Himbeerpalast“ dazu, in dem die Geisteswissenschaften Unterschlupf finden sollen, spricht er von einem „fränkischen Harvard oder Stanford.“

Im Falle einer Entscheidung für das von Söder ausgesuchte Gelände an der Brunecker Straße oder einem anderen Gelände in Nürnberg sei dagegen eine mittelfristige Blockade zu befürchten: „Die vielen in den kommenden Jahren freiwerdenden Professuren würden angesichts solcher Unsicherheiten vermutlich nicht mit den weltweit besten Köpfen besetzt werden können“, so Kurt Höller weiter. „Selbst die gewaltigen Chancen des Siemens-Campus würden ungenutzt vorüberstreichen. Es wäre ein vollkommen falsches Signal im Zuge der Bewerbungen zur Exzellenzuniversität.“

Ähnlich argumentiert die Erlanger CSU-Stadtratsfraktion. Studentische Lehre und Forschung würden durch eine „Aufspaltung der bisherigen Strukturen“ in zwei Standorte „nachhaltig behindert“. Die CSU ist davon überzeugt, dass die TechFak mit ihren fünf Departments an einem einzigen Standort bleiben müsse, „um die bewährte Anbindung und Zusammenarbeit an Naturwissenschaften, Medizin und einschlägigen Industriekooperationen nicht zu gefährden“. Eine Trennung der bisherigen Lehrstühle der TechFak in voneinander entfernte Standorte sei „weder sinnvoll noch nachhaltig“.

Auch Erlangens Wirtschaftsreferent Konrad Beugel ist sich sicher, dass mit einem Teilabzug der TechFak Erlangen „die besten Figuren vom Schachbrett genommen werden“. „Unser Ehrgeiz muss es sein, möglichst viel zu halten.“ Die TechFak sei für die lokale Wirtschaft schon aufgrund der zahlreichen Ausgründungen von überragender Wichtigkeit. Dafür lohne es sich zu kämpfen.

Diesen Kampfeswillen vermisst die CSU-Fraktionsvorsitzende Birgitt Aßmus sowohl bei OB Florian Janik als auch insgesamt bei der im Rathaus regierenden Ampelkoalition. Die Erlanger CSU fordert deshalb von OB Janik, sich für den Verbleib der Technischen Fakultät in Erlangen einzusetzen. „Um die Weiterentwicklung der TechFak nicht zu gefährden“, solle „sobald wie möglich“ ein Runder Tisch mit Uni-Präsident, Dekanen sowie Vertretern aus Wirtschaft und Politik eingerichtet werden.

Damit die Technische Fakultät in der Hugenottenstadt expandieren könne, gebe es Alternativen. So hat die FDP die Fläche des Gewerbegebiets G 6 in Tennenlohe ins Spiel gebracht. Neben G 6 könne sich die CSU-Fraktion aber auch einen zweiten Standort in Tennenlohe, auf dem Gewerbegebiet G 1, vorstellen. Zwei andere Möglichkeiten seien eine rund zehn Hektar große Fläche an der Staudt-Straße sowie die Nutzung der Flächen der ehemaligen Dermatologie am Röthelheim-Campus. Höller und die CSU-Fraktion bringen darüber hinaus den östlichsten Bauabschnitt des neuen Siemens-Campus ins Gespräch. Dort wäre anstelle der geplanten Wohnbebauung ein komplett neuer FAU-Campus denkbar.

Für Finanzminister Söder halten Höller und die CSU-Fraktion dennoch einen Kompromiss bereit: „Selbst auf Nürnberger Grund und Boden gäbe es Optionen – wenn es denn aus rein politischen Gründen ein Signal zur Stärkung Nürnbergs als Universitätsstadt unbedingt sein muss. Dann allerdings kann es nur ein neuer Standort im äußersten Nürnberger Norden sein.“ So böten beispielsweise Flächen entlang der Erlanger Straße, also der B 4 von Großgründlach bis zum Wegfeld, geeignete Möglichkeiten für einen großen Wurf auf der Grünen Wiese.

Kurt Höller: „Die Entfernung von Großgründlach zur Technischen Fakultät wäre mit ihren fünf Kilometern im Gegensatz zu anderen Optionen im Nürnberger Süden nicht nur in 15 bis 20 Minuten per Fahrrad, sondern durch die gute Anbindung per Auto und Bus über die B 4 bereits heute durchaus machbar.“ 

MARKUS HÖRATHUND UDO B. GREINER

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