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Mittwoch, 20.06.2018

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Es begann in Neunkirchen mit acht Buben

Die Jugend- und Trachtenkapelle Neunkirchen am Brand feiert ihr 60. Gründungsjubiläum verbunden mit dem Bundesbezirksmusikfest - 29.05.2018 15:00 Uhr

Sie sorgt immer für volles Haus, wie hier bei den Neunkirchener Kulturtagen 2017: Die Jugend- und Trachtenkapelle. © Harald Hofmann


Was vor 60 Jahren im Wohnzimmer der Familie Maderer mit acht musizierenden Knaben begann, hat sich bis heute zu einem Verein mit 378 aktiven Musikerinnen und Musikern, davon 207 unter 18 Jahren und 572 passiven Mitgliedern, entwickelt.

Eine Musikerlaufbahn in der Jugend- und Trachtenkapelle (abgekürzt JTK) kann schon im Kindergartenalter begonnen werden. Dort besteht für die Kleinsten das Angebot der "Musikalischen Früherziehung". Die fundierte Ausbildung auf allen Instrumenten ist eine der wichtigsten Aufgaben, die der Verein selbst schultert. Die jüngsten "Kinder" der JTK sind, in Kooperation mit der Grundschule, zwei Bläserklassen mit insgesamt 85 jungen Bläsern. Das Juniororchester bietet für die Altersgruppe ab acht Jahren die nächste Möglichkeit, gemeinsam zu musizieren. Nach abgelegter "D1 Prüfung" geht es im Schülerorchester übergangslos weiter. Die Eintrittskarte für das Jugendorchester ist die bestandene "D2 Prüfung". Das abschließende "Symphonische Blasorchester" spielt seit 1983 erfolgreich in der Höchststufe.

Neben unterschiedlichen kirchlichen und weltlichen Spielterminen, Konzerten im Frühjahr und in der Adventszeit, stehen die Teilnahme an Wettbewerben und Wertungsspielen regelmäßig auf der Jahresagenda der Jugend- und Trachtenkapelle. Darüber hinaus fordert das "Ständalaspielen" viel Engagement. Denn es ist gute Tradition, dass allen aktiven Musikerinnen und Musikern zu "runden" Geburtstagen ein Ständchen gespielt wird. Bei den passiven Mitgliedern beginnt dies mit dem 60. Wiegenfest.

Diverse Formationen

Neben den klassischen Orchesterformationen bietet die JTK weitere zahlreiche Möglichkeiten, sich musikalisch zu betätigen. Wer Liebhaber der "Böhmisch – Mährischen" Musikrichtung ist, findet Heimat bei den "Brauhausmusikanten". Die "Brandbachtaler" unterhalten mit traditioneller Blasmusik. Unsere jungen Wilden vereinen sich mit Leidenschaft im Ensemble "Blech Dich wech". Ein Genuss der ganz anderen Art bietet unsere Percussionsgruppe mit dem Namen "Schlagsahne". In der Formation "Brass am Brand" spiegelt sich das typische Blechbläserquintett wider. Die "Bigband von der Rolle" komplettiert mit nahezu profimäßigem Bigbandsound den Ensemble-Reigen.

An dieser Stelle stellt sich die Frage, warum es in einem gar nicht so großen Markt, wie es Neunkirchen am Brand einer ist, so viele gute Musikerinnen und Musiker gibt. Um eine Antwort zu finden, muss man wohl einen Blick in die Vergangenheit richten: Georg Maderer nahm 1971, im Alter von erst 16 Jahren, den Taktstock in die Hand und ist seither "Musikalischer Leiter" der JTK. Von Anfang an war ihm eine fundierte Ausbildung, sowohl auf dem Instrument, als auch in der Theorie, sehr wichtig. Er führte, bevor es die Musikverbände anboten, Bläserprüfungen ein. Später meldete er einfach sämtliche Musikerinnen und Musiker zum Erwerb der Leistungsabzeichen an.

Sobald ein Musikant in der Lage war "einigermaßen" spielen zu können, durfte er in der "Anfängerkapelle" musizieren. Waren die Prüfungen bestanden, stieg man in die Jugend- und Trachtenkapelle auf. Das heißt, dass von Anfang an immer für gut ausgebildeten Nachwuchs gesorgt wurde. Ihrer Zeit weit voraus war die JTK auch im Bezug auf Rekrutierung ihres Nachwuchses. Wo in manchen Vereinen bis weit in die 90er Jahre diskutiert wurde, ob man(n) Mädchen in die Kapelle lässt, war das bei der JTK nie ein Thema. Also hatten von Beginn an nicht nur musikalische Jungen eine Chance, gute Musiker zu werden, sondern auch Mädchen und Letztere auf allen Instrumenten.

Noch mehr Stufen

Der kommissarische musikalische Leiter Edmund Rolle geht diesen Weg weiter. Der Unterschied zu früher besteht nur darin, dass es heute noch mehr Orchesterstufen gibt.

Besonders stolz ist die JTK auf ihre Kontakte zu ausländischen Orchestern. Die Fahrten nach Tartu (Estland), Kastel Lucic (Kroatien) und in die Neunkirchener Partnerstädte Deerlijk (Belgien) und Tótkomlós (Ungarn) erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. Hiersollen die Höhepunkte aus der Vergangenheit, die Reisen in die USA und nach Japan, nicht unerwähnt bleiben.

Die JTK kann nicht nur großartig musizieren, sondern ist ein Verein in dem zusammengehalten wird, wenn es darauf ankommt. So wie momentan, in der Vorbereitungsphase auf das Bundesbezirksmusikfest. Die JTK ist ein Verein, in dem unzählige Freundschaften gepflegt werden, sich Paare kennen und lieben lernen und manche auch heiraten. Die JTK ist ein Verein, der auch eines vermag, nämlich den vielen "Zugereisten", die in Neunkirchen wohnen, eine Heimat zu geben. So wie der Autorin damals, als sie mit ihrer Familie vom schwäbischen Bellenberg ins Frankenland gezogen ist. 

DAGMAR BÜRZLE

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