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Extrem-Kletterer Stefan Glowacz zu Gast in Neunkirchen

Mit Multivisionsshow kam der Bergsteiger in die "Boulderia" - 15.03.2017 10:00 Uhr

In der Pause seines unterhaltsamen Vortrags in der Boulderia von Mariusz Hoffmann und Walter Mümmler signierte Stefan Glowacz seine Bücher und war auch für einen Plausch zu haben. © Foto: Dieter Köchel


"Jetzt geht’s allmählich darum, in Würde zu altern", sagt Glowacz grinsend im Gespräch mit den EN. In wenigen Tagen wird er 52. Das hindert ihn nicht daran, weitere Projekte im Kopf zu haben. Derzeit trainiert er "ziemlich hart" für eine Erstbegehung in seiner Wahlheimat bei Garmisch Partenkirchen. Es geht um eine Wand im Höllental im Wettersteingebirge.

Noch einiges vor

"Eine Seillänge habe ich noch nicht gepackt, vermutlich im 11. Grad (UIIA)", erzählt er. Aber in diesem Jahr will er es schaffen. Damit ist freilich noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Auch weitere Expeditionen hat er im Sinn. Insofern bleibt der Kletterer ein Getriebener. "Aber ich muss niemandem mehr etwas beweisen."

Wohl wahr: Mehrfach hat er den Rockmaster in Arco gewonnen, war Vizeweltmeister im Sportklettern und ist seit 23 Jahren auf Kletterexpeditionen unterwegs. Dabei hat er eine ganze Reihe von Erstbegehungen von Big Walls vorzuweisen.

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Jugendbouldern: Schwerelos in der Horizontalen

32 Kinder aus Jugendgruppen der Sektion Forchheim des Deutschen Alpenvereins traten in der „Boulderia“ in Neunkirchen zum Wettbewerb an. Dazu wurden den acht- bis 17-Jährigen Pfade in verschiedenen Schwierigkeitsgraden zum Klettern in maximal fünf Metern Höhe vorgegeben.


Das hat im Lauf der Jahre zu einer weiteren Einsicht geführt: Es kommt nicht nur auf Leistung an — auf die schon auch — mindestens ebenso wichtig sei es, für ein Projekt das richtige Team zu finden. Kongeniale Partner hatte er in früheren Jahren in Kletter-Legende Kurt Albert und Holger Heuber. Aber auch Boulderia-Geschäftsführer Mariusz Hoffmann hat 2008 Glowacz auf eine Expedition auf Baffin Island begleitet. Beide haben dieselbe Haltung: Vor allem "sind die Menschen wichtig, mit denen Du unterwegs bist", erinnert sich Hoffmann. Er habe die gemeinsame Expedition genossen.

Die gemeinsam mit Heuber und Albert entwickelte Expedition "by fair means", also möglichst ohne technische Hilfsmittel pflegt Glowacz noch heute. Er lässt sich also nicht mit dem Hubschrauber zu Kletterzielen fliegen, sondern geht zu Fuß, zieht per Schlitten sein Gepäck und/oder schleppt es auf dem Rücken. Das erfordere eine "hohe Bereitschaft, sich zu schinden" Und die Fähigkeit sich einzugestehen, dass man bisweilen auch eine Niederlage hinnehmen muss.

Eindrucksvoll zeigt er all das, Teamgeist, Scheitern, kleine freudige Erlebnisse, aber auch Gipfelglück anhand dreier Expeditionsziele: Baffin Island, Borneo und Oman in wunderschönen Landschaftsaufnahmen und Bildern extremer Anstrengungen und Willenskraft.

Bei der Höhlenkletterei in Oman verletzte sich Stefan Glowacz schwer an den Händen und überließ seinem Partner Chris Sharma zwangsläufig den Vorstieg. Klettern als Schule des Lebens heißt hier: "Man muss auch mal in die zweite Reihe zurücktreten können. Für ein Alphatier wie Glowacz früher undenkbar, in Oman leicht, wie man sieht, wenn er Christ Sharma anerkennend über den Kopf streicht, weil die Chemie im Team stimmt. 

DIETER KÖCHEL

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