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Franken-Thüringen-Express: Bahn reagiert auf Kritik

Überfüllte Züge und wenig Komfort zwischen Nürnberg und Bamberg - 27.09.2013 10:52 Uhr

Die S-Bahnen sind auf der Strecke Erlangen-Nürnberg (hier im Bahnhof Erlangen) ebenso voll wie die RegionalExpress-Züge. In beiden Fällen zeigen die Züge erhebliche Schwächen: Platzmangel für Gepäck, Räder, Kinderwagen und Rollstühle. © Bernd Böhner


Die Erlanger Stadträte halten sich ebenso wenig zurück wie die Fahrgäste: „Dieser Zug ist eine Sardinenbüchse und eine Zumutung“, schimpft der Grüne-Liste-Stadtrat Harald Bußmann, „als S-Bahn ist der Zugtyp auf Kurzstrecken gerade noch hinzunehmen, aber als Regionalexpress mit bis zu zweistündigen Fahrzeiten ist er absolut ungeeignet.“

Zu eng, kaum Platz fürs Gepäck, Fahrrad- und Kinderwagenplätze unzureichend und wegen sperriger Toiletteneinbauten kaum erreichbar, dazu ein unruhiges Fahrverhalten mit unberechenbaren Brems- und Beschleunigungsmacken („der fährt wie ein Bus“) - all das ist den Fahrgästen ein Dorn im Auge. Anfang September hatte der Fahrgastverband Pro Bahn dazu eine Mängelliste veröffentlicht.

Bußmanns Stadtrats-Kollegin Ursula Lanig (SPD) kennt eine weitere Klage: „Gemeinsame Radausflüge sind mit diesem Zug nicht mehr möglich, in die Radabteile passen ja gerade einmal zwei Räder hinein.“

Und, wofür der Zugtyp allerdings nichts kann: die Einsatzpläne sind schwer nachvollziehbar. Selbst nach einem Jahr sind die Züge zu den Stoßzeiten und auf der langen Strecke so überfüllt, dass Fahrgäste stehen müssen. Im „Nahverkehr“ zwischen Erlangen und Nürnberg und umgekehrt wird der Zug zur Sardinenbüchse, da die Kapazität für Pendler nicht ausgelegt ist, nicht alle Pendler aber auf die S-Bahn ausweichen können und wollen.

Zudem fährt dort - wenig modifiziert - der gleiche Zugtyp zwischen Bamberg und Hartmannshof. Und auch hier zeigt er sein dürftiges Platzangebot. Erlangens Planungsreferent Josef Weber versucht es mit einer Ehrenrettung: „Er erfüllt die Mindestanforderungen für die S-Bahn, für einen Regionalexpress eher nicht.“

Kritik an Einsatzplänen

Auch hier geben die Einsatzpläne manche Rätsel auf. So fahren nachts im Normalbetrieb fast leere Doppelgarnituren, an Samstagen und Sonntagen aber Einzelgarnituren selbst dann, wenn große Feste erhöhtes Fahrgastaufkommen erwarten lassen (Bergkirchweih, Blaue Nacht, Rock im Park, Club-Heimspiele). Auch zu solchen - durchaus kalkulierbaren - Anlässen mutieren die Züge zu Sardinenbüchsen und lassen die Sehnsucht nach den alten Doppelstockwaggons aufkommen, die wegen des neuen „Flügelungskonzepts“ in Bamberg von den Triebwagen abgelöst wurden.

Nun will die Bahngesellschaft DB Regio Nordostbayern die Reißleine ziehen und mit allen Beteiligten, vor allem aber den Beschwerdeführern, also den Fahrgästen und ihren Verbänden, in Form eines Dialogforums die „aktuellen Herausforderungen“ – so die Bahn – besprechen.

Die Bahn will dazu auch Fahrgäste einladen, die ihre Kritik bisher in Leserbriefspalten losgeworden sind und bietet für das Dialogforum am Freitag, 18. Oktober, von 13 bis 17 Uhr in der Klosterschänke von Kloster Banz bei Bad Staffelstein eine Freifahrt an.

Interessierte können sich an die Redaktion der Erlanger Nachrichten wenden. Sie stellt den Kontakt zu DB Regio Nordostbayern her.

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P. MILLIAN

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