Montag, 10.12.2018

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Früherer Erlanger Bürgermeister Lohwasser verstorben

Gelernter Lehrer war allzeit mit Humor ausgestattet - 06.01.2016 13:25 Uhr

Gerd Lohwasser (l.) 2011 bei der Verleihung des Ehrenrings der Stadt Erlangen. © Bernd Böhner


Nicht weniger als 39 Jahre lang gehörte Lohwasser ab 1972 dem Stadtrat an, von 1987 bis 2011 war er Bürgermeister mit den von ihm verantworteten Schwerpunkten Schule, Sport und  Katastrophenschutz,  13 Jahre lang stand er als Präsident an der Spitze des mittelfränkischen Bezirkstags – Stationen einer beispielhaften politischen Leidenschaft, gekrönt durch den Goldenen Ehrenring der Stadt Erlangen, dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und dem Bayerischen Verdienstorden.

Dort, wo er sich hingestellt sah, hat der gebürtige Karlsbader diplomatisches Geschick und Fingerspitzengefühl, aber auch mit anerkannter Autorität die notwendige Durchsetzungskraft bewiesen. Das politische Urgestein setzte seine Kompromissfähigkeit, Toleranz und gelebte Liberalität ein, um Brücken zwischen den politischen Lagern zu schlagen, ohne dabei das eigene CSU-geprägte Weltbild zu verlassen. Solcherart ausgestattet, gelang es ihm, auch heftige Auseinandersetzungen zu befrieden. Dies kam ihm besonders in seiner Zeit ab 1990 als Chef des Bezirkstags Mittelfranken zu Gute – einem Gremium, das vor ihm eher durch zahlreiche Querelen ins Gerede gekommen war. Er arbeitete dabei als Dienstvorgesetzter von rund 3000 Beschäftigten in drei Bezirkskliniken mit insgesamt 1500 Betten, in der Bezirkstagsverwaltung in Ansbach und weiteren 14 Einrichtungen mit einem Gesamtetat von damals rund einer Milliarde DM. Der Bau eines neuen Bezirksrathauses, in dem die vorher in Ansbach verstreut liegenden Referate zusammengefasst werden konnten, sowie die Errichtung einer Bezirksstiftung „Natur-Kultur-Struktur“ begründen sich in der Initiative des umtriebigen Bezirkspolitikers. 

Der Konsens unter den Demokraten – für Lohwasser war das kein leeres Wort. „Fröhlichkeit und Herzlichkeit, die manches Vorurteil und manche Missstimmung zum Schmelzen brachte“ – man braucht nur den politischen Gegner in Form des langjährigen Bezirkstagskollegen Fritz Körber (SPD) zitieren, um Gerd Lohwasser gerecht zu werden.

In Erlangens CSU-Stadtratsfraktion, die er neun Jahre lang als Vorsitzender leitete, für die er auch zwei Mal als Kandidat bei den Oberbürgermeisterwahlen 1978 und 1984 gegen den jeweils siegreichen SPD-Bewerber Dietmar Hahlweg antrat, galt der einstige leichtathletische Jugendrekordsprinter als wichtiger Drahtzieher und Vordenker, der Schule und Sport politisch einen hohen Stellenwert zu schaffen verstand. Lohwasser, allzeit mit Humor ausgestattet, hielt unnachgiebig am Prinzip Sparen fest und versuchte gegen viele Widerstände, die Stellenstruktur im Rathaus abzuspecken. Der gelernte Lehrer hat ebenso in seinem Beruf Maßstäbe gesetzt. Er war Schulrektor, ab 1984 dann Schulrat in Nürnberg-Nord und – parallel zu seinem Bürgermeisteramt – Stadtschulrat, später Schulreferent in Erlangen. 

Lohwasser galt als „Motor der Erlanger Bildungsoffensive“, ebenso als glühender Verfechter des Medizinstandorts Erlangen, was er mit der Gründung und 18 Jahre dauernden Leitung eines zahlreiche Organisationen umfassenden Vereins „Medizin und Gesundheit“ verfestigte. Und sein ungebrochener Wille zur Völkerverständigung manifestiert sich in seinem persönlichen Einsatz für vielfältige Partnerschaften – auf Bezirksebene mit dem französischen Limousine und dem polnischen Danzig, auf städtischer Basis mit Rennes in der Bretagne, dem österreichischen Umhausen und den italienischen Kommunen Venzone und Cumiana.

Die Stadt hat einen ihrer Großen verloren. 

Udo B. Greiner

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