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Hebammen wollen Geburtshaus in Erlangen eröffnen

Entbindungen sollen künftig nicht mehr nur in der Frauenklinik möglich sein - 15.07.2015 13:00 Uhr

Die Hebammen Elisabeth Örnek, Johanna Huber und Katharina Rost (v. l.) mit Susanne Ort, die bald entbindet. © Foto: Giulia Iannicelli


Für Elisabeth Örnek rückt ein jahrelanger Traum in greifbare Nähe. Die Erlangerin ist Hebamme mit Leib und Seele — und freut sich darauf, dass sie bald wieder Geburten begleiten kann. Momentan macht sie die Vorsorge und begleitet Frauen im Wochenbett. Bei Entbindungen ist sie nicht dabei. Dass es in der Unistadt Erlangen bisher kein Geburtshaus gibt, findet sie „eigentlich ein Unding“.

Das soll sich nun ändern. Acht Hebammen aus Erlangen und dem näheren und weiteren Umkreis haben sich zusammengefunden und wollen gemeinsam ein Geburtshaus betreiben. Schwangere Frauen können sich dann in Zukunft entscheiden, ob sie, wenn sie in Erlangen entbinden wollen, in die Klinik gehen oder ihr Kind im Geburtshaus zur Welt bringen. Bei Letzterem steht ihnen — unterstützt von einer Kollegin — die Hebamme zur Seite, die sie die Schwangerschaft hindurch begleitet hat.

Was derzeit noch fehlt, sind die Räumlichkeiten. In Erlangen fündig zu werden, ist nicht einfach. Zumal die Hebammen recht genaue Vorstellungen von der Lage des zukünftigen Geburtshauses mit Blick auf die Wünsche der werdenden Mütter haben. „Viele Frauen möchten in der Nähe einer Klinik sein“, sagt Johanna Huber.

Gebären im eigenen Zuhause

Die Hebamme ist bei Schwangeren eine gefragte Frau. Sie wohnt in Altershausen bei Uehlfeld, aber sie betreut und begleitet schwangere Frauen sogar in vielen Kilometern Entfernung — von Rothenburg bis Neunkirchen am Brand. Der Grund: Sie macht auch Hausgeburten — um die 30 im Jahr, das ist vergleichsweise viel. „Die meisten Hebammen haben zehn bis 20 Geburten im Jahr“, meint sie. Und viele ihrer Kolleginnen haben diesen Bereich sogar ganz an den Nagel gehängt, konzentrieren sich ausschließlich auf Vorsorge und Wochenbett.

Das hat verschiedene Gründe. Unter anderem, weil sich die Geburtshilfe von den Hebammen schlecht in Einklang mit einer eigenen Familie bringen lässt. „Das Schwierige ist, dass es extrem anstrengend zu planen ist“, sagt Johanna Huber. Wenn sie zu einer Geburt gerufen wird, weiß bei ihr zuhause keiner, wann sie wieder zurück ist. Denn wie schnell oder langsam eine Geburt ist, lässt sich nicht vorhersagen. „Du weißt nicht, ob du in drei Stunden wieder daheim bist oder in 23“, lautet ihre Erfahrung. Hinzu kommt — als Unwägbarkeit — die Rufbereitschaft vor dem Entbindungstermin.

Freiberufliche Hebammen, die Geburtshilfe anbieten, konnten bis vor einigen Jahren diese zeitlichen Hürden einigermaßen gut bewältigen, indem sie ihren Beruf nur in Teilzeit ausübten. Die jährlich immens ansteigenden Haftpflichtprämien zwingen sie nun geradezu dazu, ihren Arbeitsumfang zu erweitern — oder sich ganz von dem Beruf zu verabschieden.

So sind die Versicherungspolicen zum 1. Juli 2015 wieder um über 20 Prozent auf mittlerweile rund 6300 Euro im Jahr gestiegen — vor einem Jahr war bereits um 23 Prozent angehoben worden — , während eine Einigung auf eine Ausgleichszahlung durch die Krankenkassen noch aussteht. Die Haftpflichtprämie für freiberufliche Hebammen, die lediglich Vorsorge und Wochenbett machen, liegt hingegen weit darunter.

Doch auch hier werden Hebammen rar. Bereits bis Januar haben sich bei Elisabeth Örnek Frauen fürs Wochenbett angemeldet. „Die Frauen müssen sich melden, sobald sie schwanger sind“, sagt sie. In Erlangen würden die Hebammen längst nicht alle Frauen mit Wochenbettbetreuung versorgen können.

Und bei Hausgeburten ist das Gleichgewicht zwischen Nachfrage und Angebot ohnehin schon aus dem Ruder gelaufen. Johanna Huber hat bis in den Februar hinein Anmeldungen für Entbindungen. „Bald werden sich Frauen bei mir anmelden, die noch gar nicht schwanger sind“, scherzt die 46-Jährige, die seit 24 Jahren als außerklinische Hebamme arbeitet.

Das Geburtshaus, das sie und mehrere Kolleginnen nun in Erlangen aufmachen wollen, wird in Zukunft zumindest den Organisationsdruck etwas mindern können, so die Hoffnung der Hebammen. Denn dann können sie sich auch einmal gegenseitig vertreten. Daran, dass in Erlangen Bedarf besteht, haben sie keinen Zweifel.

Im Geburtshaus in Neustadt an der Aisch hat die Herzogenauracherin Susanne Ort ihren Sohn Valentin entbunden. „Man ist bei der Geburt viel entspannter als in der Klinik“, ist sie sich sicher. Das liege daran, dass es weniger technisiert sei. Aber auch, dass sie während des gesamten Geburtsprozesses von der gleichen Hebamme betreut worden sei. In der Klinik hingegen gebe es einen Schichtwechsel, oft habe eine Hebamme mehrere Frauen gleichzeitig. Ihre nächste Entbindung soll zuhause stattfinden — oder im Geburtshaus in Erlangen.

Wer ein Haus zu vermieten hat, kann die Hebammen unter Tel. (0 91 66) 99 68 40 oder per E-Mail unter info@hebammejohannahuber.de erreichen. Am 19. Juli, 11 Uhr, zeigt der Verein „Mamaprotest Franken“ im Admiral-Filmpalast in Nürnberg den neuen Film „Hebammen in Not“ mit anschließender Diskussion. Platzreservierung ist bis 16. Juli unter info@mamaprotest-franken.de möglich. 

EVA KETTLER

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