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Herzogenaurach: Keine Asylbewerber mehr im Praktiker-Markt

Die noch verbliebenen 35 Menschen wurden in andere Häuser gebracht - 29.04.2016 10:21 Uhr

Der Praktiker-Markt ist schon geräumt worden, weil kaum mehr Flüchtlinge neu ankommen. © Foto: Maria Däumler


"Im Moment überschlagen sich die Ereignisse", sagte Landrat Alexander Tritthart am Donnerstag in der Sitzung des Ausschusses für soziale Angelegenheiten, der in der Dienststelle Höchstadt tagte. Noch vor Weihnachten hätten sich rund 1600 Flüchtlinge im Landkreis Erlangen-Höchstadt befunden, am 11. April seien es nur noch 1284 gewesen, Tendenz weiter sinkend. "Pro Woche kommen keine zehn Asylbewerber mehr", so der Landrat.

In diesem Zusammenhang dankte Tritthart nochmals allen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, "die Unglaubliches Tag und Nacht geleistet" hätten. Ohne deren Einsatz wäre diese Aufgabe nicht zu meistern gewesen. Doch nun habe sich die Situation völlig verändert - und das habe Konsequenzen. So werde die Erstaufnahmeeinrichtung im Praktiker-Markt in Herzogenaurach, die an manchen Tagen mit rund 500 Menschen voll belegt gewesen sei, sofort aufgelöst.

Die Unterkunft ist - wie ein Besuch am Donnerstagmittag zeigte - bereits geräumt. Auch die Stellwände, das Mobiliar innen und die Zäune außen werden noch weggeräumt und die sanitären Einrichtungen zurückgebaut. "Es wird alles abgebaut und dem Eigentümer wieder rückübertragen", erläuterte Tritthart.

Auch die Berufsschulturnhalle in Herzogenaurach, in der zurzeit rund 100 Flüchtlinge untergebracht sind, werde laut Landrat demnächst rückabgewickelt. Dort werde auch kein "Stand-by-Betrieb" mehr aufrechterhalten, sondern die Unterkunft werde ebenfalls ganz aufgelöst. Wohin die Menschen kommen, sei im Moment noch unklar.

Noch drei Unterkünfte

Fest stehe aber, dass die Gemeinschaftsunterkunft in der Tennishalle in Hemhofen - dort befinden sich aktuell rund 150 Menschen - weiter betrieben werde. Ebenso bleibe die schon seit langem bestehende Gemeinschaftsunterkunft in Höchstadt am Lappacher Weg erhalten und die Einrichtung in Eckental werde zur Gemeinschaftsunterkunft umgebaut.

Tritthart verwies hier auf einen Minister-Beschluss, nach dem aufgrund der aktuellen Entwicklung die Asylbewerber künftig wieder in Gemeinschaftseinrichtungen untergebracht und daher keine Wohnungen mehr neu angemietet werden sollen. "Ansonsten bleiben die Wohnungen, die wir derzeit gemietet haben, am Netz", so der Landrat. Zwar kämen zurzeit weniger Flüchtlinge in den Landkreis, doch von Entspannung könne keine Rede sein. Das sei erst dann der Fall, wenn alle berechtigten Asylbewerber eine Wohnung hätten.

Auf ein neues Problem machte Tritthart aufmerksam: Durch das Asylpaket II habe sich die Leistungshöhe für Asylbewerber geändert. So müsse der Landkreis nun bei allen Flüchtlingen, denen in der Unterkunft kostenloses Wlan zur Verfügung stehe, die Leistung um 35,79 Euro im Monat kürzen.

Das sei völlig unverständlich, weil in vielen Unterkünften Wlan beispielsweise dank Spenden vorhanden sei und dem Freistaat keine Kosten entstünden. Er habe daher bereits einen Brief an die zuständige Ministerin Emilia Müller geschrieben, in dem er darum bittet, doch hier eine verträgliche Lösung zu suchen. "Bis dahin aber sind wir gesetzlich gezwungen, den vollen Betrag abzuziehen", bedauerte der Landrat. 

Maria Däumler

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