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Hetzles und Rasierpinsel

Ausstellung mit Werken von Diego Bianconi in Neunkirchen - 20.10.2010 22:58 Uhr

„Such dir selbst die Antwort!“: Diego Bianconi in seiner Ausstellung im Felix-Müller-Museum in Neunkirchen am Brand.

„Such dir selbst die Antwort!“: Diego Bianconi in seiner Ausstellung im Felix-Müller-Museum in Neunkirchen am Brand. © Scott Johnston


Zu sehen sind Aquarelle, Tempera-Arbeiten, Druckgraphik und Ölbilder mit den Themen „Interieur und Figur“ sowie „Landschaften aus Franken und dem Tessin“ — Arbeiten, die in den letzten Jahren entstanden sind. Oft muss man bei Bianconi mehrmals hinsehen, bis einem die Komposition klar wird. Er arbeitet gern mit ungewöhnlichen Perspektiven. Einblicke werden zu Ausblicken und umgekehrt.

Dies setzt ein hohes zeichnerisches Können voraus. Denn die verwinkelten Straßen seiner Heimat Tessin stimmig darzustellen, ist nicht leicht. Manchmal wird einem fast ein bisschen schwindlig, wenn man sich vorstellt, man müsste wirklich die engen Serpentinen mit dem Sportwagen oder dem Moped hinunter brausen.

Tja, und da sitzt dann plötzlich der Maler selbst vor einem. In einem Zugabteil, die Fahrpläne oder die vorbeijagende Landschaft studierend. Es ist ein Spiegelbild – ein Blick aus dem Zug, der vom Fensterglas zurück in den Zug geführt wird. Solche Spiegeleffekte faszinieren mehr, als dass sie verwirren. Gleichzeitig machen diese spannungsreichen Konstruktionen aus alltäglichen Gegenständen etwas Einmaliges. Der Rasierpinsel, ein Nagel, ausgelatschte Schuhe: Liegen sie nur zufällig verstreut im Zimmer oder sind sie Teil einer durchdachten ästhetischen Ordnung? Frei nach Brecht würde Bianconi entgegnen: „Such dir selbst die Antwort!“

Geboren wurde der Künstler 1957 in Muralto bei Locarno. Nach dem Besuch der Kunstschule in Lugano studierte er von 1988 bis 1995 an der Akademie der bildenden Künste in Nürnberg. Seit 2007 vermittelt er an der Nürnberger Fachhochschule Handwerk und Kunst der Radierung.

Natürlich widmet sich Diego Bianconi auch Franken in seinen Bildern. Da findet sich ein Blick von Großenbuch auf Baad und Hetzles. Die 1000-jährige Linde in Kasberg oder den Großgeschaidter Bahnhof bannte der Italo-Schweizer ebenfalls auf Leinwand. Groß ist die Vielfalt seiner Techniken. Ob Öl, Lithografie, Radierung, Aquarell, Pastellkreide, Bunt- und Bleistift oder Kohle: Sie geben jedem Gemälde eine besondere Atmosphäre.

Geöffnet ist die Ausstellung sonntags von 15 bis 17 Uhr sowie nach Anmeldung unter Tel. 09134/1837.

  

SCOTT JOHNSTON

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