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Hornegger:"Es gibt keine Geheimforschung an der FAU"

Präsident über den Umgang mit sicherheitsrelevanter Wissenschaft - 03.05.2016 06:00 Uhr

 

"An unserer Universität gilt bei allen Drittmittel-Verträgen das Vier-Augen-Prinzip": Joachim Hornegger hat Vertrauen in die Mitarbeiter. © Harald Sippel


Herr Professor Hornegger, wie sieht es in Erlangen und Nürnberg mit Forschungsprojekten aus, die ausschließlich zu militärischen Zwecken erfolgen?

Joachim Hornegger: Komplett auf Forschung zu verzichten, die auch im militärischen Kontext verwendet werden kann oder sogar soll, ist schwierig. Dazu ist das Thema — Stichworte: kriegerische Auseinandersetzungen oder Terrorismus — zu allgegenwärtig. Im Jahr 2014 hatten wir zwei Projekte an unserer Universität, deren Ergebnisse direkt militärisch nutzbar sind. An den Zahlen sieht man, dass das nicht unser Hauptgeschäft ist: Alles in allem erhielten wird dafür über die Projektlaufzeit etwa 500.000 Euro an Drittmitteln. Zum Vergleich: Insgesamt werben wir im Jahr ungefähr 140 Millionen Euro an Drittmitteln ein, das ist ein gutes Viertel unseres Gesamthaushalts.

Wie geht die Hochschulleitung, aber auch jeder einzelne Wissenschaftler mit sicherheitsrelevanter Forschung um?

Hornegger: An unserer Universität gilt bei allen Drittmittel-Verträgen das Vier-Augen-Prinzip, mindestens. Das heißt: Auf jeden Vertrag mit einem Geldgeber schaut neben dem jeweiligen Forscher mindestens ein Verantwortlicher aus der Verwaltung; dem Verfahren liegen strenge, transparente Regeln zugrunde. Auf dieses Weise haben wir auch einen Überblick über alle Drittmittel-Verträge. Geheimforschung gibt es an der FAU nicht.

Reicht das? Und: Plant die FAU, die Kontrolle zu verstärken?

Hornegger: Eine Kontrollinstanz im eigentlichen Sinne, die sämtliche Industriepartner kritisch hinterfragt, gibt es bei uns nicht; wir setzen - wie gesagt - auf das Vier-Augen-Prinzip, um die strengen gesetzlichen Regelungen einzuhalten, und auf verantwortliches Handeln. Die Einrichtung einer solchen Instanz, etwa in Form einer speziellen Kommission, ist derzeit ebenfalls nicht geplant. Aktuell befinden wir uns allerdings dahingehend in einem universitätsweiten Diskussionsprozess, ob wir das Ziel einer friedlichen Forschung in unser Leitbild aufnehmen sollen.

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Interview: Kirsten Waltert

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