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"Ich habe meine Leichtigkeit verloren"

Nach der K.o.-Tropfen-Attacke auf der Bergkirchweih spricht das Opfer über die Folgen - 16.02.2012 09:00 Uhr

Auf der Bergkirchweih geht es eng zu. Ein Unbekannter konnte daher Radio-Moderatorin Jennifer Schrems K.O.-Tropfen ins Bier kippen. © Sabine Schwägerl, Kathrin Krause


Warum ich? Diese Frage stellt sich Jennifer Schrems seit acht Monaten. Bis heute rätselt die 28-jährige Radio-Moderatorin, warum gerade ihr auf der Bergkirchweih jemand K.o.-Tropfen ins Bier gekippt hat. Denn bis heute blieb der Täter unbekannt, wurde nie geschnappt.  Dass unter anderem dieser Punkt die Nürnbergerin, die für den Sender Antenne Bayern arbeitet, belastet, wird in dem Fernsehauftritt deutlich.

Ereignet hatte sich der Anschlag am 17. Juni 2011. Schrems war mit Freunden auf dem Berg unterwegs. Es ging eng zu damals, Sitzplätze konnte die Gruppe nicht ergattern. Daher feierten die 28-Jährige und ihre Freunde im Stehen, stellten die Bierkrüge auf einer Mauer ab - und ließen sie daher  zeitweise unbeobachtet.

Jennifer Schrems trank nur wenig. Dennoch wurde ihr bald schwummrig. "Man merkt nur, irgendetwas stimmt nicht mit mir", erinnert  sie sich im Fernseh-Interview. Ihre Freundin, die sie ins Studio begleitet hat, ergänzt: "Sie konnte nicht mehr stehen. Irgendwann hat sie halluziniert. Sie dachte, wir seien irgendwo im Wald." Die Freundin machte sich große Sorgen. "Denn ich kenne Jennifer schon sehr lange. Und sie verliert nie die Kontrolle."

Die Gruppe beschloss, sich auf den Heimweg zu machen. Doch dabei brach Schrems in der S-Bahn zusammen und wurde ohnmächtig. Wieder bei Bewusstsein, ging sie ins Fürther Klinikum. Dort wurden Opiate in ihrem Blut festgestellt - in einer hohen Dosis. Die Ärzte sprachen hinterher sogar davon, dass die Sache für die 28-Jährige tödlich ausgehen hätte können.

Acht Monate später ist die junge Frau wieder gesund. Aber der Angriff hat sie verändert. Sie geht nur noch selten weg. Veranstaltungen mit vielen Menschen meidet sie ganz. "Das Schlimmste ist, dass man merkt, wie leicht das passieren kann. Wie leicht ein anderer die Kontrolle über einen bekommt", bilanziert sie. Und: "Ich habe meine Leichtigkeit verloren."

Daher ist es ihr ein Anliegen, andere zu warnen - vor allem Mädchen und Frauen. "Ich kann jedem nur raten, keine Sekunde etwas alleine zu lassen", lautet ihr Verhaltens-Tipp für den Umgang mit Getränken. "Besser ist es, vielleicht mit einer Freundin das Getränk zu teilen, damit es nicht zu schwer wird. Denn man selber denkt niemals, dass man Opfer wird."

Zusammen mit Jennifer Schrems war ein Polizist aus Villingen-Schwenningen im Studio. Er hat Erfahrung mit K.o.-Tropfen-Angriffen, hat schon in vielen solcher Fälle ermittelt. Und daher auch schon mehrfach Täter nach ihrem Motiv gefragt. Seine bittere Vermutung im Fall Schrems: "Es war wahrscheinlich einfach nur ein Gag."

  

Gudrun Bayer

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