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Inge Enzmann sagt keineswegs servus

Nach dem Ende ihrer aktiven Karriere steht sie dem Bogensport als Trainerin mit A-Lizenz zur Verfügung - 02.02.2013 11:00 Uhr

ERLANGEN  - Der Ball des Sports war für Inge Enzmann wie ein Spiegelbild ihres sportlichen Lebens. Die „Rolli-Sportlerin“ vielfach nominiert zur Wahl Sportlerin des Jahres gewinnt zu Beginn des Balles völlig überraschend den Publikumspreis, ein schnittiges Fahrrad aus dem Fahrradhaus Schreiber. Später bei der Bekanntgabe des Wahlergebnisses wird die resolute Verfechterin des Bogensports vom Oberbürgermeister Siegfried Balleis auf der Tanzfläche geehrt aber keiner denkt daran sie doch auf die Bühne zu bitten. Später legt sie als Rollstuhltänzerin mit Tanzpädagogin Rosi Egelseer bei einer Publikumsrunde einen Cha-Cha-Cha gekonnt aufs Parkett.

Konzentriert: Inge Enzmann bei den bayerischen Meisterschaften der Behinderten in der Emmy-Noether-Halle.
Konzentriert: Inge Enzmann bei den bayerischen Meisterschaften der Behinderten in der Emmy-Noether-Halle.
Foto: Schreiter
Konzentriert: Inge Enzmann bei den bayerischen Meisterschaften der Behinderten in der Emmy-Noether-Halle.
Konzentriert: Inge Enzmann bei den bayerischen Meisterschaften der Behinderten in der Emmy-Noether-Halle.
Foto: Schreiter

Die 1,89 m große Eckentaler Allroundsportlerin hat mit Begeisterung den Reitsport betrieben und vor allem Handball gespielt. Dank ihrer Körpergröße stand sie mit großem Erfolg im Tor und war per Spagat und Fußspitze bis zur Querlatte sehr erfolgreich. Es ist rund drei Jahrzehnte her, dass nach mehreren Rückenoperationen Inge Enzmann in ihrem weiteren Leben mit den Rollstuhl „vereint“ wurde. Sie nahm die Herausforderung auf , wollte aber auf ihre Selbstständigkeit keinesfalls verzichten. Die Rollstuhleinbringung über den Beifahrersitz und das Platznehmen am Steuer ihres Autos war bald eine gewohnte Tätigkeit.


Tennis, Tanzen und Bogenschießen standen beim Erwerb eines Übungsleiterscheines zur Auswahl. Sie setzte auf das Bogenschießen und hatte damit riesigen Erfolg. Innerhalb von drei Jahren gelang ihr die Qualifikation zu den Paralympischen Spielen 1988 in Seoul. Es waren die ersten Spiele dieser Art die analog der Olympischen Spiele, was das Wettkampfvolumen angeht, ausgerichtet wurden. Im Gastgeberland Südkorea hatte das Thema Behinderung durch die Spiele den Durchbruch geschafft. Um so herzlicher fiel der Empfang der auswärtigen Sportler/innen aus und dieses Miteinander ließ Inge Enzmann die strapaziöse 24Stunden-Flugreise schnell vergessen. Sportlich war es ein riesiger Erfolg für die Newcomerin. Silbermedaille mit der dreiköpfigen Damenmannschaft und Platz 10 im Einzelwettbewerb waren die Ausbeute einer einmaligen Reise. Im Jahr danach wurde sie im Einzel und mit der Mannschaft Vize-Europameisterin, und bei der darauffolgenden Weltmeisterschaft platzierte sie sich auf Rang sechs bis acht.

Um so bitterer verliefen die nächsten Paralympics 1992 in Barcelona. Inge Enzmann wurde vor Beginn der Wettkämpfe kopfüber aus dem Rollstuhl gehievt, hatte eine böse Schulterverletzung die sie sportlich fast ein Jahr außer Gefecht setzte.

Bogensportverein gegründet

Mehr als 15000 Pfeile verlassen einer wettkampfmäßig orientierten Sportlerin im Laufe eines Jahres Hand und Bogen. Darüber hinaus nahm ihre Trainertätigkeit immer mehr zu, und so orientierte sie sich voll Richtung Erlangen. Sie brachte sich als Fachsprecherin aktiv in den Erlanger Sportbeirat ein und wurde stellvertretende Sportverbandsvorsitzende. Darüber hinaus wurde sie 1994 Landestrainerin im Behindertensport und nach vielen Verhandlungen gründete sie im Jahr darauf einen eigenen Verein, den Bogensportverein (BSV) Erlangen.

Ein Glücksfall war der neue Standort der Wirtschaftsschule an der Artilleriestraße durch den Abzug der Amerikaner. Damit verbunden war die Nutzung der Schulsporthalle als Trainingsstätte mit den erforderlichen 18 Metern Distanz zwischen Sportler und Scheibe. Die Erlanger Rädli bot die einmalige Chance Trainingsort und Sport einem breiten Publikum vorzustellen, was Inge Enzmann schier unerschöpflich den ganzen Tag tat. Darüber hinaus bot der gute Kontakt und die starke Unterstützung seitens der Schulleitung die Möglichkeit Bogenschießen als Schulsport anzubieten. Auch dabei stand die Ehrenbriefinhaberin des Erlanger Sports von Anfang an acht Jahre lang zur Verfügung.

Zusätzlich machte sie sich auf die Suche nach einem geeigneten Freisportgelände und erinnert sich dankbar an die Unterstützung durch das Erlanger Sportamt und seinen Leiter Sigi Händel. Nahe der Habernhofer Mühle ist das geniale Gelände gelegen und reicht bis nach Oberfranken hinein. 70 Meter für die Frauen und 90 Meter für die Männer sind die geforderten Entfernungen zu den 1,25m großen Scheiben dessen Zehner in der Mitte lediglich 12 cm Durchmesser anbietet.

Geschossen hat Inge Enzmann ihre großen internationalen Erfolge mit dem Recurvebogen, der seinen Namen aus dem Englischen (zurückgebogen) hat und dank Visier und Stabilisator dem Sporttreibenden Zielsicherheit gibt. Seit 2003 schießt die Leistungssportlerin mit dem Compoundbogen, der mit Wasserwaage und Vergrößerungszielrohr ausgestattet ist. Der Vorteil ist, dass die Spannbogenkraft von rund 50 Pfund sich in die Endphase hinein auf ein Fünftel reduziert und dem Sportler die volle Konzentrationsfähigkeit ermöglicht. Das hat Inge Enzmann hervorragend zu nutzen verstanden. Fast durchgängig hat sie im letzten Jahrzehnt ihrer Karriere den deutschen Meistertitel für den BSV nach Erlangen geholt. Sie hält auch den bayerischen Rekord mit 570 von 600 möglichen Ringen.

Siegen ist nicht alles

Jetzt wird sie sich der Traineraufgabe und der jährlichen Organisation der bayerischen Meisterschaft in der behindertengerechten Emmy-Noether-Sporthalle widmen. „Ihre“ Kinder, wie Inge Enzmann liebevoll sagt, sind ihr Motivation und Ziel zu gleich ihre sportliche Vorstellungen zu vermitteln: „Freude am Sport, nicht immer nur siegen – dann gibt es nur Verlierer. Einmal maximal zwei Mal die Woche trainieren, dass noch Zeit bleibt für andere Hobbys.“ Mit acht Jahren kann man den Sport beginnen.

Das Schönste an Erlangen sind für die Eckentalerin die großen Spielfeste bei denen sie stets präsent ist, natürlich auch weil sie durch ihren Mann Helmut viel Verständnis und immer die volle Unterstützung hat. Inge Enzmann freut sich schon auf ihre nächsten Aufgaben. 

ROBERT THALER


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