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Kurort im Gebüsch

Buckenhofer «Gesundbrunnen» ist fast vergessen - 30.10.2009

Früher Pilgerstätte, heute fast vergessen: Der Buckenhofer Gesundbrunnen mitten im Wald. Wo noch im 18. Jahrhundert Wasser sprudelte, ist die Quelle mittlerweile fast versiegt. © Heinz Göpfert


Als Entdecker der mittlerweile versiegten «Heilquelle" gilt der Erlanger Landphysikus und Professor Theodor Balthasar, der 1709 eine «Nachricht von einem Gesundbrunnen» in Buckenhof veröffentlichte. Balthasar muss dem Brunnenwasser wahre Wunderkräfte zugesprochen haben, denn er empfahl es zur Linderung einer breiten Palette von Leiden: zur Therapie von Kopfweh, Milz- und Nierenerkrankungen, von Blindheit, Rückenschmerzen, Magengeschwüren, Harnleiden und sogar Schwermut.

So viel Heilversprechen lösten bei einigen Zeitgenossen Skepsis aus. Schon im Entdeckungsjahr 1709 meldeten sich Zweifler zu Wort, die Theodor Balthasar jedoch prompt konterte. Er verfasste nämlich eine «Fernere Nachricht von dem unweit von Erlangen vor ohngefähr einem Jahr gefundenen Gesundbrunnen» und wartete mit «Exempeln» von namentlich belegten Krankenheilungen auf.

Der gute Ruf, der dem Buckenhofer Gesundbrunnen vorauseilte, war ohnehin nicht mehr zu stoppen. Er wurde durch Publikationen im In- und Ausland verbreitet. Im Jahr 1727 wurde die Quelle in einer Abhandlung von J. S. Stedler unter den «raren Naturalien im Land zu Franken» aufgeführt, und 1774 zählte der Erlanger Professor und Arzneimittelgelehrte Heinrich Friedrich Delius den Brunnen zu den «heilsamen Quellen».

Wasser wurde veredelt

Das kostbare Nass wurde nicht nur pur von Heilungssuchenden getrunken, sondern auch veredelt genossen. «Das Wasser soll dem Kaffee einen angenehmen Geschmack geben. Man sieht den Sommer über schon um zwei Uhr morgens Karawanen hinziehen, ihr Kaffeegeschirr tragend, um sich solchen an dem Quell zu sieden», zu frühstücken und den Sonnenaufgang zu genießen, schrieb 1795 Jonas Ludwig von Heß in seinem Buch «Durchflüge durch Deutschland, die Niederlande und Frankreich».

In seiner frühen Blütezeit wurde der Brunnen sogar zum Politikum. Nachdem die aus Nürnberg stammende Patrizierfamilie Haller, die auch in Buckenhof ansässig war, die Quelle gefasst und eine Allee dorthin gepflanzt hatte, machten auch die in Erlangen residierenden Markgrafen Ansprüche auf den Kurbetrieb geltend. Sie ließen, wie 1952 der Heimatforscher Wolfgang Blos berichtete, ein Einkehrhaus errichten und bauten ein steinernes Gehäuse um den Brunnen.

Da das Areal im etwas unklaren Grenzbereich zwischen der Markgrafschaft und dem Hoheitsgebiet der Reichsstadt lag, rissen die Nürnberger beide Bauwerke ein. Das heutige vergitterte Brunnengewölbe, das im Laufe der Jahrhunderte mehrfach renoviert wurde, stammt im Kern von 1747 und wurde von Markgraf Friedrich erbaut.

Mit Ischia gleichgestellt

Den Gipfel ihres Bekanntheitsgrades dürfte die Buckenhofer Quelle um 1799 erreicht haben. In einer «Systematischen Beschreibung aller Gesundbrunnen und Bäder der bekannten Länder» (Georg Friedrich Christian Fuchs) wird sie im Verein mit den Thermalquellen von Ischia, den sibirischen Kochsalzquellen und den heißen Quellen auf Jamaika aufgeführt.

Schon bald darauf muss der Kurbetrieb jedoch abgeflacht sein, denn 1813 wird die Heilquelle in einem naturwissenschaftlichen Fachbuch von Friedrich Justin Bertuch (Privatsekretär des Herzogs von Weimar und mit Goethes bekannt) vorwiegend in der Vergangenheitsform geschildert und nur noch als Ausflugsziel bewertet. Dort fanden auch beliebte Feste statt, ein besonders großes mit Bewirtung und Blechmusik am Pfingstmontag 1829. Was die Wasserqualität des Brunnen anbelangt, so weichen die Angaben darüber voneinander ab: Bertuch spricht von etwas gelblicher Farbe und scharfem Geruch aufgrund stahliger und schwefelhaltiger Bestandteile; das Wasser sei «daher nicht von angenehmen Geschmack».

Günstiges Urteil

Die damaligen Kaffeetrinker beurteilten die Quelle als schmackhafter, und auch die Autoren einer Wanderbroschüre des Verkehrsverbunds Nürnberg («Auf Safari im Erlanger Osten») gelangen zu einem günstigeren Urteil. Der Brunnen, der 1916 übrigens negativ auf Radioaktivität untersucht wurde, sei im 18. Jahrhundert wegen seines «gesunden, kohlesäurehaltigen Wassers» geschätzt worden.

Der Buckenhofer Gesundbrunnen ist heute so gut wie versiegt. Sandabbau im Einzugsbereich, so glaubt man, hat den unterirdischen Wasserstrom unterbrochen.

Durch diesen Bodenaushub wurde im wahrsten Sinn des Sprichworts «das Kind mit dem Bade ausgeschüttet». Denn vormals hatte die Quelle so kräftig gesprudelt, dass schon ab 1726 das Quellwasser fuhrenweise auch für Badekuren nach Erlangen transportiert wurde. Aus jener Zeit sind sogar Gesundbrunnen-Badevorschriften von G. F. Clauder überliefert. 

Heinz Göpfert

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